Freitagspredigt 22.05.2026

Opferfest, Taqwa und Hingabe

Die Freitagspredigt der Muslime behandelt sowohl religiöse, als auch gesellschaftliche Themen. Jede Woche liefert IslamiQ einen Überblick.

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Muslimische Gebetsketten in einer Moschee © by Beggs auf flickr.com (CC BY 2.0), bearbeitet IslamiQ

Die Freitagspredigt der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) widmet sich dem bevorstehenden Opferfest und der spirituellen Bedeutung des Kurbans. Das Opfer sei weit mehr als das Schlachten eines Tieres. Vielmehr handle es sich um eine Ibâda – einen Ausdruck von Hingabe, Aufrichtigkeit und Verbundenheit mit Allah. Entscheidend sei nicht die äußere Handlung allein, sondern die Absicht und das Bewusstsein, mit dem sie vollzogen werde.

Das Kurban erinnere an die Geschichte der Propheten Ibrahim (a) und Ismail (a), deren Bereitschaft zur vollkommenen Hingabe an Allah bis heute als Vorbild gelte. Muslime seien deshalb dazu aufgerufen, ihre Herzen zu prüfen und sich die tiefere Bedeutung dieser Gottesdienste bewusst zu machen. Das Opferfest stehe zugleich für Teilen und Geschwisterlichkeit. Wer das Fleisch mit Bedürftigen teile, stärke den gesellschaftlichen Zusammenhalt und baue Brücken zwischen den Menschen.

Angesichts von Hunger, Krieg und Armut in vielen Teilen der Welt erinnere das Kurban daran, dass Besitz eine anvertraute Gabe sei. Ein wahrer Gläubiger verliere die Sorgen Bedürftiger nicht aus dem Blick und bemühe sich darum, Not zu lindern. Die Ethik des Teilens gehöre zu den Grundwerten des Islam und zeige sich im Schutz von Waisenkindern, der Unterstützung von Bedürftigen und im aufrichtigen Einsatz für Mitmenschen.

Zugleich erinnert die IGMG an den Tag von Arafat, der dem Opferfest vorausgeht. Dieser Tag sei geprägt von Reue, Dua und Besinnung und erinnere die Gläubigen an den Tag des Jüngsten Gerichts. Ebenso wird auf die Bedeutung der Taschrîk-Takbîre hingewiesen, die vom Morgengebet des Arafat-Tages bis zum Nachmittagsgebet des vierten Festtages nach jedem Pflichtgebet gesprochen werden.

Opfergabe als Ausdruck der Gottesfurcht

Die Freitagspredigt der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) befasst sich ebenfalls mit der Opfergabe und ihrer religiösen Bedeutung. Das Opfer gehöre zu den wichtigsten Symbolen des Islam und sei keine bloße Tradition oder kulturelle Gewohnheit. Vielmehr sei es Ausdruck der Entschlossenheit, die Liebe zu Allah über jede andere Liebe zu stellen.

Die Opfergabe erinnere an die Hingabe von Ibrahim (a) und Ismail (a) und verdeutliche, dass Allah weder Fleisch noch Blut benötige, sondern die Frömmigkeit und Gottesfurcht der Gläubigen. Entscheidend sei daher die Taqwa – das Bewusstsein der eigenen Verantwortung gegenüber Allah und den Mitmenschen.

Taqwa bedeute, sich der eigenen Dienerschaft bewusst zu sein und verantwortungsvoll zu handeln. Dazu gehöre nicht nur die Sorge um das eigene Heil, sondern ebenso das Mitgefühl für bedrängte und notleidende Menschen weltweit. Die Opfergabe solle dieses Gottesbewusstsein in konkrete Hilfe übersetzen.

Weisheiten des Opferrituals

In der Freitagspredigt des Verbandes der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) stehen die Weisheiten des Opferrituals im Mittelpunkt. Alles im Universum sei zu einem bestimmten Zweck erschaffen worden. Tiere, deren Fleisch und Milch genutzt werden, dienten dem Menschen und erinnerten zugleich an Dankbarkeit gegenüber Allah.

Das Opfern sei dabei nicht lediglich Fleischgewinnung, sondern eine Ibâda – ein Gottesdienst, der seit den Zeiten des Propheten Adam (a) praktiziert werde. Der Koran berichte bereits von den beiden Söhnen Adams und mache deutlich, dass Allah Opfer nur von den Gottesfürchtigen annehme.

Nach Auffassung des VIKZ erinnere das Opfern Muslime daran, eigene Fehler zu reflektieren und Allah um Vergebung zu bitten.