Bei Schüssen in zwei Gemeinden westlich von Paris ist ein Mensch getötet worden, vier weitere wurden verletzt. Die Anti-Terrorstaatsanwaltschaft ermittelt. Muslime in Frankreich warnen vor antimuslimischer Hetze.

Nach tödlichen Schüssen in der Region Paris prüfen die französischen Ermittler einen möglichen rassistischen und terroristischen Hintergrund. In Trappes und der Nachbargemeinde La Verrière hatte ein Mann am Freitag aus einem Auto heraus auf Menschen geschossen. Ein Mensch starb, vier weitere wurden verletzt, darunter ein zwölfjähriges Mädchen. Der Verdächtige wurde festgenommen.
Die Anti-Terrorstaatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit einem terroristischen Vorhaben. Dabei wird auch geprüft, ob die Tat aufgrund der tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit der Opfer zu einer ethnischen Gruppe, Nation oder Religion begangen wurde. Das Motiv ist bislang nicht abschließend geklärt.
Der französische Islamrat (CFCM) äußerte Entsetzen über die Tat und sprach von einem möglichen islamfeindlichen Terroranschlag. Der Verband warnte vor den Folgen von Hassreden und der Stigmatisierung von Muslimen. „Die Freiheit der Meinungsäußerung kann nicht die Verharmlosung von Äußerungen rechtfertigen, die Bevölkerungsgruppen als innere Feinde darstellen“, erklärte der CFCM.
Sollte sich ein rassistisches und islamfeindliches Motiv bestätigen, wäre die Tat nach Einschätzung des CFCM ein Beispiel für die Gefahren solcher Ideologien. Der Verband rief Politik, Medien und andere gesellschaftliche Akteure dazu auf, ihre Verantwortung für den öffentlichen Diskurs ernst zu nehmen.
Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez bezeichnete die Tat als terroristisches Verbrechen. Die Ermittlungen liefen zwar noch, es handle sich aber eindeutig um eine terroristische Tat, sagte er. Unter Berufung auf den zuständigen Staatsanwalt erklärte Nuñez, die Hintergründe könnten rassistischer Natur sein.
Auch der frühere französische Präsident François Hollande sprach von einem rassistisch motivierten Anschlag. Die Tat sei von „rassistischem Hass“ geprägt, schrieb er auf der Plattform X. Angesichts des Angriffs auf die beiden Gemeinden sei nun nationale Solidarität gefragt. Hollande begrüßte, dass die Anti-Terrorstaatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen hat. (dpa, iQ)