Aktuelle Zahlen zeigen, dass Muslime in Deutschland 2025 vielfachen Anfeindungen und Diskriminierungen ausgesetzt waren. Über tausend Vorfälle wurden registriert, von Sachbeschädigungen bis zu Bedrohungen.

Die Zahl antimuslimischer Straftaten in Deutschland bleibt hoch. Wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Lamya Kaddor, Schahina Gambir und Marlene Schönberger hervorgeht, wurden im Jahr 2025 insgesamt 1032 Angriffe auf Muslime und Moscheen registriert.
Allein im zweiten Halbjahr zählten die Sicherheitsbehörden 543 islamfeindliche Vorfälle im Bereich der politisch motivierten Kriminalität.
Ein erheblicher Teil der Fälle ereignete sich außerhalb klassischer Gewaltsituationen im öffentlichen Raum. Nach Angaben der Antidiskriminierungsstelle des Bundes konzentrieren sich antimuslimische Diskriminierungen vor allem auf den Arbeitsmarkt (84 Fälle) sowie auf den Zugang zu privaten Dienstleistungen und Gütern (51). Auch im Bildungsbereich (20) und auf dem Wohnungsmarkt (19) wurden Benachteiligungen gemeldet. Vergleichsweise selten erscheinen Vorfälle in Behörden (11) oder im Gesundheitswesen (12). Im Internet und in sozialen Medien wurden vier Diskriminierungsfälle dokumentiert.
Die strafrechtliche Dimension zeigt ebenfalls ein deutliches Bild: Im zweiten Halbjahr 2025 ermittelten die Behörden 313 Tatverdächtige wegen islamfeindlicher Straftaten, zu drei Festnahmen kam es. Moscheen als religiöse Einrichtungen waren in 14 Fällen direktes Angriffsziel. Der überwiegende Teil dieser Taten wurde dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet. Dazu zählen unter anderem eine Brandstiftung in Sachsen-Anhalt, Sachbeschädigungen und mehrere Fälle von Volksverhetzung in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern. Weitere Delikte ordneten die Ermittler religiösen oder sonstigen Motiven zu.
Nicht erhoben wird hingegen die Zahl der eingeleiteten Ermittlungsverfahren: Diese liege der Bundesregierung nicht vor, da Fallzahlen und Verfahren statistisch nicht deckungsgleich seien.
Die Bundesregierung verweist zugleich auf Präventionsmaßnahmen in der Bundesverwaltung. In Ausbildung und Fortbildung der Bundespolizei würden Erscheinungsformen von Rassismus und Hasskriminalität – ausdrücklich auch Muslimfeindlichkeit – regelmäßig behandelt, insbesondere im Rahmen von Staats- und Verfassungsrecht sowie politischer Bildung.
Die Daten bestätigen damit ein seit Jahren konstantes Lagebild: Antimuslimischer Rassismus manifestiert sich in Deutschland nicht nur in spektakulären Angriffen, sondern vor allem in struktureller Benachteiligung im Alltag „Die Zahlen sind alarmierend und zugleich wenig überraschend“, sagte der Vorsitzende des Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland, Burhan Kesici. Sie spiegelten wider, was viele Musliminnen und Muslime täglich erlebten: Misstrauen, Benachteiligung auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt sowie Anfeindungen im öffentlichen Raum.
Dass mehr als tausend Angriffe pro Jahr registriert würden, zeige, dass antimuslimischer Rassismus „kein Randphänomen“ sei. Nun müsse die Politik entschlossener handeln, Betroffene schützen und Prävention sowie Bildung stärken, forderte Kesici.