Schweden

Rechtsextremist verbrennt Koran vor Botschaft in Stockholm

Bei einer rechtsextremen Kundgebung vor der türkischen Botschaft in Stockholm wurde ein Koran verbrannt. Kein Einzelfall in Schweden.

21
01
2023
Kundgebung in Stockholm
Kundgebung in Stockholm © shutterstock, bearbeitet by iQ.

In Stockholm wurde bei einer Kundgebung vor der türkischen Botschaft ein Koran verbrannt. Der Rechtsextremist Rasmus Paludan hatte sich mit seinen Anhängern zu einer antimuslimischen Aktion versammelt. Dabei wurde eine Koranausgabe von Paludan verbrannt. Die Videos der Aktion wurden später ins Internet gestellt.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Rechtsextremist Paludan mit seinen Kundgebungen und seiner Koranschändung für Unruhe sorgte. Bereits im April vergangenen Jahres kam es zu Krawallen mit Demonstranten, wo mehrere Polizeiautos angezündet wurden sind.

Der Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), Ali Mete, verurteilte die Verbrennung des Korans aufs Schärfste. „Das Verbrennen heiliger Bücher und Menschenhass sind aber inakzeptabel“, erklärte der IGMG Generalsekretär Ali Mete in einer Mitteilung. Genauso inakzeptabel sei es, dass ein solches Vorhaben überhaupt genehmigt werde. Mete hoffe, dass Politiker wie Paludan sich von ihrem Hass befreien können und die Gesellschaft nicht noch weiter vergiften.

Auch der Vorsitzende des Islamrats Burhan Kesici verurteilt die Koranverbrennung. „Durch diesen Akt möchte der Rechtsextremist auch die Gesellschaft spalten. Daher sollte man das verurteilen und sich nicht provozieren lassen“, erklärt Kesici. Solche Volksverhetzungen seien im Voraus zu verhindern und entsprechend zu ahnden.

Streit zwischen Schweden und der Türkei

Neuer Zwist zwischen Schweden und der Türkei entzündete sich jüngst an einer Protestaktion im Zentrum Stockholms, wo Aktivisten eine Puppe, die dem türkischen Präsident Erdoğan ähnelte, an den Füßen aufgehängt hatten. Die Türkei hatte daraufhin unter anderem einen Besuch des schwedischen Parlamentspräsidenten Andreas Norlén in Ankara abgesagt.

Schweden will erreichen, dass die Türkei den Nato-Beitritt des Landes nicht länger blockiert. Schweden und das benachbarte Finnland hatten die Mitgliedschaft im Mai 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine beantragt. Alle 30 Nato-Mitglieder müssen die Anträge ratifizieren. Die Türkei wirft Schweden unter anderem Unterstützung von „Terrororganisationen“ vor. (dpa, iQ)

Leserkommentare

Timotheus sagt:
Auf jeden Fall traue ich Vertretern der schwedischen und finnischen Regierung viel eher über den Weg als dem autokratisch agierenden Türkei-Präsidenten Erdogan. Vor türkischen Botschaften kann gar nicht oft genug demonstriert werden. Die Formen rechtsextremer Kundgebungen sind genauso abzulehnen wie islamextreme Kundgebungen & Forderungen. Wen Herrscher Erdogan grundsätzlich als 'Terrororganisation' bezeichnet und wen nicht, kann und darf sowieso nicht als oberste Norm einfach übernommen werden. Da behüte uns Gott davor.
22.01.23
3:10
Charley sagt:
Ein Buch ist nicht heilig, bestenfalls der Gedanken-, der Ideeninhalt des Buches. Ein völlig anachronistisches Denken, welches aber fleißig gepflegt wird in muslimischen Kreisen. Was ist denn an dem Papier und der Druckerschwärze heilig??? Vielleicht erklärt mal jemand den Begriff "heilig", der stets wie selbstverständlich benutzt wird! Das ist ähnlich dumm wie wenn jemand behauptet, Allah oder Mohammed sei "beleidigt" worden. Das Heilige kann nicht beleidigt werden. Diese begriffliche Schwäche ist den Muslimen sehr, sehr eigen. Dahinter steckt wieder dieser unausgegorene muslimische Geistbegriff, wo zwischen Stolz und Würde, Ideologie und Wahrheit, Person und Geistigkeit, Erscheinung und Wesen nicht unterschieden werden kann. Und die Massen der Muslime werden gern in diesen Fanatismus hinein getrieben von "religiösen Autoritäten", weil man damit die Schäfchen beisammen halten kann. Erstaunlich, dass die Deobandi-Welt (Pakistan oder Afghanistan usw..) bislang da still hält. Es stünde den Moslems mal an für sich einen entsprechenden Film wie "Das Leben des Brian" zu produzieren. Aber die Lach- und Denkverbote sind ja im Islam ein Mittel zur Lenkung der Masse und zum Zusammenhalt der Umma. Wer nicht den Menschen in die Freiheit entlässt, will Freiheit verhindern!
22.01.23
19:38
Dilaver_Ç. sagt:
Die Quintessenz der ersten beiden Kommentare: "Jetzt stellt euch doch nicht so an!" Der Klassiker bei emotionalem Missbrauch. Von Rassisten häufig angewendet, um recht zu behalten. *würg*
24.01.23
18:21
grege sagt:
Provokateure straft man mit Nichtaufmerksamkeit, nur leider haben haben das türkische Politiker und Islamprotagonisten noch nicht so recht verstanden
26.01.23
14:30