Bayern

München probt Bestattungen im Leichentuch

Seit Anfang April sind in Bayern Erdbestattungen im Leichentuch möglich. Die neue Bestattungsform wurde in München mit Dummys geübt.

23
04
2021
Sargpflicht in Zeiten von Corona.
Symbolbild: Islamischer Friedhof, muslimische Bestattungen @ Initiative Kabir / http://bit.ly/2myFNCi

Die Stadt München probt nach der Aufhebung der Sargpflicht in Bayern Bestattungen im Leichentuch. Wie Münchner Medien berichteten, wurde die neue Form der Bestattung schon mit Probebeisetzungen geübt. Dabei seien auf dem Westfriedhof zweimal Dummys beigesetzt worden, berichtete der Bayerische Rundfunk am Freitag unter Berufung auf das Münchner Gesundheitsreferat.

Laut BR ging es bei den Test-Beerdigungen um so praktische Fragen, wie ein Leichnam im Tuch am besten ins Grab hinabgelassen werden kann oder was beim Arbeitsschutz beachtet werden muss.

Erst seit kurzem ist eine Bestattung ohne Sarg in Bayern prinzipiell erlaubt. Eine Änderung der Bestattungsverordnung ermöglicht die Lockerung der Sargpflicht. Hintergrund ist der Wunsch vieler Menschen, Bestattungen nach muslimischem Ritus in einem Leinentuch durchzuführen.

Verein begrüßt Ausnahmen zur Sargpflicht

Die Verbraucherinitiative Bestattungskultur begrüßt die Ausnahmen zur Sargpflicht in fast allen Bundesländern. Sie sollten jedoch überall in Deutschland gelten, erklärte der Verein Aeternitas am Mittwoch in Königswinter. In Sachsen und Sachsen-Anhalt sei die Bestattung ohne Sarg noch nicht möglich.

Der Verein forderte jedoch auch, dass eine Beisetzung ohne Sarg für alle Menschen möglich sei soll, auch wenn keine religiösen Gründe vorliegen. Die Ausnahmen der Sargpflicht sind insbesondere für Muslime relevant. Im Islam werden die Toten traditionell in Leinentüchern und nicht im Sarg beerdigt. Auch das Judentum kennt neben einer Sargbestattung die Beisetzung im Leichentuch. (dpa, KNA, iQ)

Leserkommentare

Vera Praunheim sagt:
Früher oder später dürfte die Feuerbestattung für alle obligatorisch werden. Diese ist hygienischer, umweltfreundlicher, platzsparender und kostengünstiger. Obduktionen zur Verbrechensaufklärung sind dann allerdings nicht mehr möglich. Aufwendige Grabanlagen zur Präsentation sind auch nicht mehr angebracht, denn dann gilt definitiv: Jung oder alt, schön oder häßlich, arm oder reich...jetzt sind sie alle gleich. Wie tröstlich und gerecht.
24.04.21
21:29