Niedersachsen

Rechte Tatverdächtige: Anklage nach Sprengstoffanschlag erhoben

Zwei junge Männer sollen in den Briefkasten einer Flüchtlingshelferin einen illegalen Böller geworfen haben. Die Generalstaatsanwaltschaft Celle wirft ihnen unter anderem versuchte schwere Brandstiftung vor.

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Nikab-Verbot - Vollverschleierung
Nikab-Verbot © Shutterstock, bearbeitet by IslamiQ.

Nach einem Sprengstoffanschlag im südniedersächsischen Einbeck hat die Generalstaatsanwaltschaft Celle Anklage gegen zwei 23 und 26 Jahre alte Männer erhoben. Sie sollen im Juni dieses Jahres einen nicht zugelassenen Polenböller in den Briefkasten des Privathauses einer Frau geworfen haben, die sich gegen rechtsradikale Aktivitäten und für Flüchtlingshilfe engagiert. Das Duo habe beabsichtigt, der 41-Jährigen einen „Denkzettel“ zu verpassen und sie einzuschüchtern, teilte die Anklagebehörde am Dienstag mit.

Der Sprengsatz explodierte und zerstörte den Briefkasten an der Haustür aus Holz. Der 26-Jährige erlitt dabei den Ermittlern zufolge Verletzungen an beiden Händen. Die Polizei konnte die Blutspur bis zu einem Haus in der Nachbarschaft verfolgen. Ein Zeuge, der in der Nacht den Knall hörte, hatte zwei Männer vom Tatort fliehen sehen.

Keine Anhaltspunkte für kriminelle Vereinigung

Die Deutschen sind vor dem Schöffengericht Einbeck angeklagt wegen Sachbeschädigung, versuchter schwerer Brandstiftung und versuchter Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion. Sie sind laut Staatsanwaltschaft „bekennende Anhänger rechten Gedankengutes“ und sitzen seit dem 18. Juni in Untersuchungshaft.

Die Ermittlungen hätten keine hinreichenden Anhaltspunkte für die Bildung oder Mitgliedschaft in einer auf Dauer angelegten kriminellen Vereinigung ergeben, teilte die Staatsanwaltschaft weiter mit. Diese müsse aus mindestens drei Personen bestehen. Die Ermittlungen gegen einen dritten 21 Jahre alten Beschuldigten seien eingestellt worden, weil gegen ihn kein Tatnachweis geführt werden könne.

Pistorius: „Wir dulden keinen Extremismus“

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius hatte den Sprengstoffanschlag am 10. Juni aufs Schärfste verurteilt. „Wir dulden in Niedersachsen keinen Extremismus – egal, wo er herkommt“, sagte der SPD-Politiker damals. Der 26-Jährige war laut Staatsanwaltschaft wiederholt durch rechte Aktivitäten in Erscheinung getreten. So wird ihm vorgeworfen, im Herbst 2019 vor der KZ-Gedenkstätte Moringen im Landkreis Northeim in rechtsextremer Kleidung posiert und sich antisemitisch geäußert zu haben. (dpa, iQ)