Corona-Krise

Koordinationsrat der Muslime will Moscheen schrittweise öffnen

Ab Anfang Mai sollen Moscheen ihre Türen wieder öffnen. Der Koordinationsrat der Muslime (KRM) will nichts überstürzen und plant eine schrittweise Öffnung.

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04
2020
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Eine Moschee von Innen, Muslime (Köln) © Shutterstock, bearbeitet by iQ.
Eine Moschee von Innen, Muslime (Köln) © Shutterstock, bearbeitet by iQ.

Der Sprecher des Koordinationsrates der Muslime (KRM) hat Aussagen bekräftigt, wonach Moscheen in Deutschland bundesweit bis mindestens Anfang Mai geschlossen bleiben. „Wir haben uns als islamische Bundesverbände darauf geeinigt, dass wir die Moscheen auf keinen Fall vor Anfang Mai öffnen, selbst wenn es in einigen Bundesländern rechtlich bereits möglich wäre“, sagte Burhan Kesici der Zeitung „Die Welt“. „Wir wollen ein bundeseinheitliches Vorgehen. Deswegen warten wir die Gespräche zwischen Bund und Ländern am 30. April ab.“

So oder so würden die Moscheen nur schrittweise geöffnet, sagte Kesici weiter. „Wir werden mit ein, zwei Gebeten pro Tag anfangen. Freitagsgebete, zu denen sich sehr viele Menschen versammeln, werden wir weiter aussetzen, bis sich die Lage normalisiert hat.“ Es würden zudem nur die Moscheen geöffnet werden, die die Hygienestandards garantieren könnten. So müssten etwa Desinfektionsmittel bereitgestellt werden und Personal, das die Einhaltung der Abstandsregeln überwacht.

Vorkehrungen zur Abstandseinhaltung und zum Schutz vorhanden

Entgegen vorheriger Meldungen sagte Kesici, dass über eine Maskenpflicht in Moscheen noch nicht entschieden sei. „Ein Mund- und Nasenschutz wird höchstwahrscheinlich verpflichtend sein“, sagte er. „Das sind Aspekte, die wir noch detailliert mit Experten besprechen wollen.“ Es werde zudem überlegt, „die Waschräume in den Moscheegemeinden außer Funktion zu setzen, um Ansteckungsmöglichkeiten zu verringern“. Betenden könnten verpflichtet werden, die vorgeschriebenen Gebetswaschungen zu Hause zu machen.

Der KRM hatte zuvor ein Konzept zur schrittweisen Öffnung der Moscheen erarbeitet. Am Freitag vergangene Woche hatte es im Bundesinnenministerium bereits ein Treffen mit Vertretern der Religionsgemeinschaften gegeben. Dabei wurde eine Lockerung „zeitnah“ in Aussicht gestellt. Die Erarbeitung eines Konzepts zur „schrittweise Öffnung des religiösen Lebens“ sollte in kürze folgen. Die Religionsgemeinschaften in Deutschland sollten bis Mitte dieser Woche ihre Vorschläge zu einer vorsichtigen Öffnung der Gotteshäuser einreichen. Darauf fußt das Papier des Bundesinnenministeriums.

In der kommenden Woche wollen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten auf eine Linie einigen. Moscheen, Kirchen oder Synagogen könnten so unter Beachtung von Vorsichtsmaßnahmen möglicherweise Anfang Mai schrittweise wieder öffnen, hieß es.

Bundesregierung würdigt Einsatz der Muslime

Die Bundesregierung hat das Engagement muslimischer Gemeinden gegen die Corona-Pandemie gewürdigt. Sie stünden durch die Einschränkung des religiösen Lebens vor großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, sagte Staatssekretär Markus Kerber. „Daher bin ich dankbar dafür, wie verständnisvoll auch die Repräsentanten der Muslime in Deutschland die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus umsetzen, zumal auch der islamische Fastenmonat Ramadan in diesem Jahr im Schatten der Corona-Pandemie stehen wird.“

Die Muslime zeigten „ein hohes Maß an Verantwortungsgefühl und Solidarität für unsere Gesellschaft“, betonte Kerber. „Damit wird der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft erneuert und gestärkt.“ (KNA, iQ)