Indien

Corona-Virus verschärft Unterdrückung der Muslime

Die Verbreitung von Corona in Indien hat die Hetze auf Muslime verschärft. Auf Twitter wurden zudem Hashtags wie #CoronaJihad oder #MuslimVirus gepostet.

06
04
2020
Indien und das antimuslimische Gesetzt, Moschee (c)shutterstock, bearbeitet by iQ
Indien und das antimuslimische Gesetzt, Moschee (c)shutterstock, bearbeitet by iQ

Das Staatsbürgerschaftsgesetz in Indien hatte in den vergangenen Monaten für massive ablehnende Reaktionen bei Minderheiten gesorgt. Es diskriminiert Muslime, die aus mehrheitlich muslimischen Nachbarländern Indiens stammen. Sie sind von einer rascheren Einbürgerung ausgenommen, weil sie Muslime sind. Die Verbreitung von Corona in Indien hat die Hetzer auf Muslime verschärft. Auf Twitter verbreiteten sich Hashtags wie #CoronaJihad oder #MuslimVirus. Die Behörden werfen den aus dem Ausland eingereisten Muslimen vor, dass Virus eingeschleppt zu haben.

Islamfeindliche Propaganda mit Corona

Covid-19 passe in die langjährige Propaganda der BJP und der extremistischen Hindugruppen, derzufolge die Muslime eine Art zerstörerischer Virus im hinduistischen Volkskörper sind, sagte der indisch-amerikanische Indienexperte Arjun Appadurai von der New York University dem „Time“-Magazin. Der BJP-Politiker Subramanian Swamy stellte Anfang April in einem Interview klar, dass der Verfassungsgrundsatz der Gleichheit aller Bürger nicht für Muslime gelte

Indien weist im internationalen Vergleich bislang eine geringe Zahl von Covid-19-Fällen auf. Am Sonntag waren es 3600. Experten fürchten aber, dass dem 1,3-Milliarden-Einwohner-Land eine Katastrophe droht, wenn die Zahl der Infektionen hochschnellt.

Muslime fühlen sich unwohl

Generell fühlen sich viele Muslime in Indien zunehmend unwohl. Sie sind die größte Minderheit und machen rund 14 Prozent der Bevölkerung aus. Innenminister Amit Shah etwa nannte Muslime schon „Termiten“.

Die Wut der Bürger richtet sich auch gegen ein geplantes landesweites Bürgerregister (NRC). Dafür müssten die Einwohner Indiens nachweisen, dass sie rechtmäßige Bürger des Landes sind. Bisher gibt es ein solches Register nur im nordöstlichen Staat Assam. Innenminister Amit Shah hat angekündigt, die Registrierung bis 2024 flächendeckend vornehmen zu wollen.

Seit Monaten demonstrieren sie gegen das Einbürgerungsgesetz. Dieses erleichtert vielen illegal eingereisten Migranten aus drei mehrheitlich muslimischen Nachbarländern die Einbürgerung – sofern sie keine Muslime sind. Bei einigen Protesten gab es Gewalt und Tote. (KNA/iQ)

Leserkommentare

Ethiker sagt:
Das sind Folgen des Nationalstaatenprozesses. Das dritte Reich war eine heutzutage extreme erscheinende Version des Nationalstaats und der Demokratie. Ein Nationalstaat und die Demokratie tendiert zu einer breiten Ethnische Machtlegitimation. Die Homogenisierung und damit die Machtverteilung spiegelt sich auch in Gesetzen und im Ethos eines Nationalstaates wieder. Die praktischen Folgen sind überall erkennbar. Vorallem Minderheiten wie die Uiguren oder Muslime in Indien müssen mit den Folgen der Homogenisierung weiter rechnen. Aber auch in Deutschland werden Muslime zunehmend kriminalisiert. Bei den NSU- Opfern war von Dönermorden die Red und die Familien sind kriminalisiert worden. Die Dunkelziffer jener Kriminialisierungen und Vorgänge ist stets hoch.
06.04.20
23:44
Dilaver Çelik sagt:
@Ethiker Das Dritte Reich war das genaue Gegenteil von Demokratie. Ansonsten gebe ich Ihnen Recht, was das Nationalstaatsprinzip angeht. Nationalstaatliche Konzepte sind im Zeitalter der Globalisierung überholt. Eine Homogenisierung der Gesellschaft, welche von Rechtskonservativen, Nationalisten und in der Extremform von Nazis angestrebt wird, wird es nicht geben, auch wenn deren Positionen in den sozialen Netzwerken lautstark sind. Diese Zeiten sind vorbei.
07.04.20
14:41
Johannes Disch sagt:
@Ethiker (06.04.2020, 23:44) -- Das dritte Reich war eine heutzutage extrem erscheinende Version des Nationalstaats und der Demokratie." (Ethiker) Selten einen so falschen Satz über das Dritte Reich gelesen. Und auch über den Nationalstaat. Das Dritte Reich war keine extreme Form der Demokratie, sondern geradezu die Anti-These zu ihr. In den Reden Hitlers und Goebbels und in Hitlers "Mein Kampf" wird deutlich, dass neben den Juden die parlamentarische Demokratie der eigentliche Gegner der Nationalsozialisten war. Die Beseitigung der parlamentarischen Demokratie (von Weimar) war das primäre politische Ziel der Nazis. Der Nationalstaat hat auch nicht zwangsläufig etwas mit ethnischer Identität zu tun. Der moderne demokratische Nationalstaat definiert sich durch säkulare Werte wie Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte, Trennung von Politik und Religion, etc.
07.04.20
15:05
Ethiker sagt:
Selbstverständlich ist das Dritte Reich nicht mit der heutigen modernen Demokratie gleichzusetzen, jedoch gibts es bis heute fudamentale Gemeinsamkeiten bei all der Verschiedenheit. Beide beziehen sich auf dem Wohle des Volkes und proklamieren ihre Legitimation aus dem Volk mit dem Anspruch vorerst für das Volk zu sein, dem deutschen Volk vorerst. Durch die Demokratie im klassischen und modernen Sinne war das Dritte Reich an die Macht gekommen. Ich beziehe mich mit dem Begriff der klassischen Demokratie auf ihre Anfänge, der sog. attischen Demokratie nach der Reform von Solon. Der Souverän das Deutsche Volk wollte damals mehrheitlich diese Extremform und hat sie entsprechend erhalten. Die Homogenisierung ist in verschiedenen Konstruktionen im vollen Gange; man spricht von Weißen und meint damit Europäische Abkömmlinge, die EU selbst ruht nicht primär auf ein gemeinsames Kulturkonzept, sondern primär auf das verbindende Element Europäer im Sinne von "to be white" zu sein. Wenn man so will eine modifizierte Form der Rassenlehre.
07.04.20
18:15
Johannes Disch sagt:
@Ethiker (07.04.2020, 18:15) Sie bringen da eine Menge durcheinander. -- "Durch die Demokratie ...war das Dritte Reich an die Macht gekommen." (Ethiker) Die attische Demokratie war keine Demokratie im heutigen Sinne. Moderne Demokratie bezieht sich auf die beidenh großen Revolutionen in den USA 1776 und in fRANKREICH !/(): Demokratie ist auch nicht gleich Demokratie. So sind auch Großbritannien und die USA parlamentarische Demokratien, funktionieren in vielem jedoch völlig anders als die bundesdeutsche Demokratie. Zudem haben diese Länder eine sehr unterschiedliche Geschichte. Und genau darum geht es: Um die historischen Bedingungen, die die Nazisn ermöglichten. Die Nazis kamen durch die Schwächen der Weimarer Verfassung und die Fehler und Schwächen der damals handelnden Parteien und Politiker an die Macht. Und sie kamen vor allem deshalb an die Macht, weil die Republik von Weimar nicht genügend Rückhalt hatte bei den politischen Eliten und beim Militär. Es war auch keine Machtergreifung, wie bis heute häufig noch immer behauptet wird. Es war eine Machtübertragung. -- "Der Souverän, das deutsche Volk, wollte damals diese Extremform unde hat sich entsprechend verhalten." (Ethiker). Hitler kam nicht durch das Volk an die Macht. Bei freien Wahlen hatten die Nazis nie eine Regierungsmehrheit. Ein Mandat des Volkes hat Hitler niemals bekommen. Wie bereits gesagt, Demokratie und Nationalsozialismus/Faschismus-- der Nationalsozialismus war eine Spielart des Faschismus-- sind geradezu Anti-Thesen. Das zeigt jede gute Einführung in das Thema. -- -- "Die EU ruht nicht primär auf ein gemeinsames Kulturkonzept, sondern primär auf das verbindende Element Europäer im Sinne von "to be white" zu sein. Wenjn man so will, eine modifizierte Form der Rassenlehre." (Ethiker). Die EU beruht auf germeinsamen Werten. Europa definiert sich nicht ethnisch, sondern durch gemeinsame Werte. Es sind die Werte des Westens: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte, Trennung von Religion und Politik. Es sind die Werte der "kulturellen Moderne" (Jürgen Habermas)
09.04.20
10:30