Niederlande

Nach langem Streit: Verschleierungsverbot tritt in Kraft

Jahrelang stritten die Niederländer um ein Verschleierungsverbot. Nun sind Burkas und Schleier in Ämtern, Krankenhäusern und Nahverkehr untersagt.

01
08
2019
Niederlande Verschleierungsverbot
Verschleierungsverbot in den Niederlanden © Shutterstock, bearbeitet by IslamiQ.

Nach rund 14-jähriger Debatte ist in den Niederlanden ein Verschleierungsverbot in Kraft getreten. „Gesichtsbedeckende“ Kleidung wie Burkas oder Schleier dürfen von diesem Donnerstag an nicht mehr in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäusern, Ämtern oder auch Bussen und Bahnen getragen werden. Das Verbot gilt auch für andere Gesichtsbedeckungen wie Integralhelme oder Sturmhauben.

Das Innenministerium mahnte Kommunen und zuständige Stellen, das Verbot auch durchzusetzen. Sicherheitsbeamte sollen verschleierte Frauen zunächst auffordern, ihr Gesicht zu zeigen. Wenn sie sich weigern, kann ihnen der Zugang zu öffentlichen Gebäuden untersagt werden und es drohen Geldstrafen von mindestens 150 Euro. 

Allerdings ist unklar, ob das Verbot tatsächlich auch durchgesetzt wird. Mehrere Städte sowie Krankenhäuser, öffentlicher Nahverkehr und auch die Polizei kündigten an, dass sie sich nicht daran halten würden.

Verschleierungsverbot in Frankreich und Dänemark

Als erstes Land Europas hatte Frankreich 2011 die Vollverschleierung verboten. Mehrere Länder folgten. Das bestehende Verbot wurde Ende 2018 nach Kritik des UN-Menschenrechtsausschusses vom französischen Senat erneut bekräftigt. In Deutschland dagegen gibt es bislang nur vereinzelt und beschränkte Verbote zum Beispiel für den öffentlichen Dienst in Hessen. In Dänemark ist das Verschleierungsverbot seit genau einem Jahr in Kraft. Bisher wurde nach Angaben der Behörden in 39 Fällen ein Bußgeld zwischen umgerechnet 134 und 1340 Euro verhängt, darunter gegen 22 Frauen, die Burka oder Nikab trugen.

Kritiker aber sehen in dem Verbot einen Verstoß gegen die Religionsfreiheit. In den Niederlanden gibt es schätzungsweise 150 Frauen, die regelmäßig die Burka oder den Nikab tragen.

AfD fordert „Burkaverbot“ in Deutschland

Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel forderte auch in Deutschland ein „Burkaverbot“. „Schon aus Gründen der Sicherheit ist es wichtig, dass ein menschliches Gesicht in der Öffentlichkeit erkennbar ist“, sagte sie der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstag). Zudem zeichne es die deutsche Gesellschaft aus, dass Männer und Frauen auf Augenhöhe kommunizierten. Religiöse Vollverschleierung stehe dem entgegen. „Hier wird eine Apartheid zwischen Männern und Frauen demonstriert“, so Weidel. (dpa, iQ)

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
Gratulation an die Niederlande zu diesem zukunftsweisenden Gesetzt. In Österreich hat sich eine solche Regelung, die seit Herbst 2017 gilt, allerbestens bewährt. Während sich vor zwei Jahren noch zahlreiche gesichtslose Stoffballen vor dem Donauturm tummeln, können wir Wiener uns nun an den fröhlichen Gesichtern unserer willkommenen Besucher erfreuen. Man sieht, dass es sich auszahlt, wenn verantwortungsvolle Staaten bereit sind mutig Kante zu zeigen, anstatt einfach die Zügel schleifen zu lassen.
01.08.19
10:46
Kritika sagt:
L.S. Auch die Niederländer haben genug von Niquab Burka Burkini. In Arabisch scheint es kein Wort für "Rücksicht" zu geben. Das Niederländische kennt verschiedene. Die werden die eingedrungene Muslims nun auch praktizieren, ob sie dazu ein Einsehen haben oder nicht. Ein Sieg der Vernunft über uneinsichtige Muslims in unserem Nachbarland Sicher wird KopftuchVerbot die logische Fortsetzung sein. Da ist Frankreich leuchtendes Beispiel In mehrere Niederländische Schulen herrscht bereits KopftuchVerbot. Eine erfreuliche Nachricht. Zur Nachahmung empfolen. Gruss, Kritika
02.08.19
0:12
simonstylos sagt:
Hurra, die Niederlande und Österreich haben das wichtigste gesellschaftliche Problem der Welt gelöst, was die Menschheit in unzumutbarer Härte geißelt. Eine übergroße Mehrheit von Frauen, die Burka tragen, haben in den Niederlanden einen Notstand ausgelöst. Es ist ja auch schlimm, wenn 150 Frauen von ca. 17,3 Millionen Menschen in den Niederlanden das öffentliche Leben lahm legen. Die afd, die gerne alternative Fakten bemührt, hat das Problem auch schon für Deutschland erkannt. Von daher sind wir zivilisatorisch wieder auf einem guten Weg. Das Burkaverbot löst alle unsere Probleme, sei es der Klimawandel, die Unterfinanzierung in der Bildung, die zunehmende Gewalt seitens der rechtsradikalen und rechtspopulistischen Szene usw. Ich bin sehr froh, dass es einfache Antworten auf komplexe Sachverhalte gibt, die bestimmte Gruppierungen und eine Partei gerade mal im Vorübergehen lösen können. Vielen Dank dafür! Oder eher: Vielen Dank für nichts?
02.08.19
11:08
Kritika sagt:
L.S. Indertaat ist es in den Niederlanden jedem gesetzlich erlaubt, -- wenn man jemandem bei der Ausführung einer Straftat ertappt -- den festzuhalten, bis die Polizei erscheint. Der "Festhalter" darf den mutmässigen Straftäter auch daran hindern, zu flüchten z.B. durch auf die Strasse Drücken, "Schwitzkasten " usw, Jeder, der dort beim Militär war, hat solche Griffe gelernt. Er muss aber unverzüglich die Polizei rufen. Ein Niederländischer JustizSprecher hat auf Anfrage dies gerade eben in Zusammenhang mit dem bereits in Kraft getretenen "BurkaVerbot" , bestätigt. Für jeden ( der Niederländisch spricht ) sind diese Nachrichten leicht im I'net zu finden. Erwartet wird, dass Islam- und Burka-Kritiker sich dies nicht 2x sagen lassen; woraufhin in den Niederlanden das BurkaProblem bald der Vergangenheit angehören wird. Gruss, Kritika
02.08.19
17:50
IslamFrei sagt:
An simonstylos Die Niederländer haben zwischen Freiheit und Demokratie Oder Islam gewählt. Islam wurde abgewählt. War in den Islamiq Bericht, verehrter Simonstylos , von KlimaWandel die Rede? Na also, Ab jetzt braucht sich keine MuslimFrau mehr zu fragen, was Allah oder der Koran zu Burka sagt. Das Niederländische Gesetz sagt NEIN. Allein darauf kommt es an. IslamFrei. IslamFrei
02.08.19
22:20
Johannes Disch sagt:
simonstylos (02.01.19, 11:08) Herrlich! Bei diesem Aktionismus hilft nur noch Humor.
05.08.19
10:15
Johannes Disch sagt:
In öffentlichen Einrichtungen und Behörden macht so eine Regel durchaus Sinn. Die Person muss zweifelsfrei identifizierbar sein. Und man kann das ganze auch grundsätzlich betrachten: In einer offenen Gesellschaft zeigt man Gesicht. So betrachtet ist es dann auch völlig egal, ob das Gesetz 150 Frauen betrifft oder 150 000.
14.08.19
0:57