#SchauHin

Twitter-Aktion zum Thema Rassismus

Die Twitter-Aktion „Aufschrei“ sorgte für große öffentliche Aufmerksamkeit und Anteilnahme beim Thema Sexismus. Jetzt versucht die muslimische Bloggerin Kübra Gümüşay mit der Aktion „SchauHin“, eine ähnlich große Aufmerksamkeit für das Thema des alltäglichen Rassismus zu gewinnen.

07
09
2013
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Unter den Trending Topics beim Micro-Blogging-Dienst Twitter war gestern auch der Hashtag #SchauHin zu sehen. In kleinen kurzen Statements äußerten sich Tausende über ihre Erfahrungen zu alltäglichem Rassismus. Nach kürzester Zeit wurde #SchauHin dermaßen oft benutzt, dass er sogar auf Platz 1 der Twitter-Charts in Deutschland landete. Einzig das Fußball-Länderspiel Deutschland gegen Österreich konnte den Hashtag später toppen.

Dennoch ist #SchauHin nicht wie viele andere kurzlebige Hashtags in der Versenkung verschwunden. Heute noch werden auf Twitter vielfach tausende kurze Mitteilungen über rassistische Erlebnisse aus dem Alltag geteilt. So soll der Rassismus sichtbar und greifbar werden.

Nichts Neues, aber ein Anstoß

Initiiert wurde #SchauHin von Kübra Gümüşay, einer muslimischen Bloggerin, die auch nach eigener Angabe immer wieder Opfer von Alltagsrassismus wurde. Sie schreibt in ihrem Blog, dass die Aktion #SchauHin eigentlich nichts Neues ist: „Schon seit etlichen Jahren bloggen und twittern Menschen in Deutschland online zu den Themen Rassismus im Beruf, in der Schule, in den Medien – im Alltag halt. Denn Rassismus ist nicht etwas, auf das wir entspannt mit weit ausgestrecktem Finger in der weiten, weiten Ferne zeigen können. Etwas, das irgendwo am rechten Rand der Gesellschaft geschieht, wo die Glatzen glänzen und die Springerstiefel stampfen. Nein. Rassismus ist hier. Mitten unter uns. Jeden Tag. Überall“, so Gümüşay.

Mit #SchauHin wollte die Bloggerin einen Beitrag leisten und das Gespräch über Rassismus anstoßen. „Das einzig Neue an #SchauHin ist der Hashtag, das Etikett, also die Sammlung dieser Erlebnisse. Mit nur einem Klick, das ist das Ziel, soll man/frau eine ungefähre Ahnung davon bekommen, wie sich der Alltagsrassismus in Deutschland anfühlen kann. #Aufschrei hat vorgemacht, wie ein Alltag, den Millionen Menschen in Deutschland teilen, aber kaum in der Öffentlichkeit wiederfinden, Gegenstand einer Debatte werden kann“, schreibt die Bloggerin weiter.

Die Idee für #SchauHin entstand auf einer Podiumsdiskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung. Mittlerweile nehmen auch Medien von der Aktion Kenntnis und berichten darüber. Viel interessanter als die Berichte sind jedoch die Tweets von allen möglichen Menschen in Deutschland. Sie zeigen und deuten auf ein großes Rassismusproblem in Deutschland.