Gastbeitrag

Das „Dialog“-Diktat

Dialog ist sinnvoll und notwendig, jedoch nur wenn er frei und offen geführt wird. Für den Islamwissenschaftler Dr. Ahmet Inam ist jedoch der akademische wie der politische Dialog von Diktaten geprägt. Ein Gastbeitrag.

01
06
2019
Symbolbild: Dialog Diktat © shutterstock, bearbeitet by iQ
Symbolbild: Dialog Diktat © shutterstock, bearbeitet by iQ

Seit nun mehr als 20 Jahren nehme ich an verschiedensten Dialogveranstaltungen teil. Von wissenschaftlich-theologischen Dialogsymposien bis hin zu kommunalen Dialogabende. Ich war meist gewöhnlicher Teilnehmer, von Zeit zu Zeit aber auch eingeladener Redner. In den meisten Veranstaltungen war ich vielmehr passiv und beobachtete einfach das Geschehen. Sowohl in den Veranstaltungen, in denen ich passiver Beobachter war als auch in den Veranstaltungen, in denen ich ein Thema vorgetragen habe, gab es immer wieder eine Situation, bei der das Wort „Dialog“ einfach verblasste. 

Mehrmals musste ich beobachten, aber auch selbst erfahren, wie manche Personen – zu denen u. a. auch Organisatoren der Veranstaltungen gehörten – ihr Missbehagen mit Mimik und Gestik oder mit Worten deutlich zeigten, wenn ein muslimischer Redner, Teilnehmer oder Mitorganisator nicht die von ihnen erhofften und erwünschten Aussagen tätigte. Als ich vor ein paar Jahren eine Rede über mein Promotionsthema „Sünde im Islam“ hielt, zeigte mir ein nichtmuslimischer Teilnehmer offen seine Bitterkeit und Enttäuschung darüber, dass ich die historisch-kritische Lesart des Korans missachtet hätte, obwohl er mit so vielen Erwartungen gekommen sei. Seine Erwartung bestand anscheinend darin, eine Tür zum Paradies zu ergattern, ohne an die Religion zu glauben. Da ich aber nicht – wie andere es tun – Nichtmuslimen das Paradies versprach, wozu ich nicht befugt bin, und sogar von der Deutlichkeit der jenseitigen Pein für Ungläubige im Koran sprach, war ich für diesen Laien weder ein guter Muslim, der seine Religion nicht besonders gut kannte, noch ein guter Akademiker, der sich der historisch-kritischen Lesart mit Leidenschaft hingeben müsste. 

Das Diktat der historisch-kritischen Lesart

Die historisch-kritische Lesart ist nichts weiter als eine Methode von vielen, deren Anwendung an der Bibel nicht mit der Anwendung am Koran gleichzusetzen ist. Seit ein paar Jahren ist sie die magische und alles erklärende Methode, die nur „Konservative, ewig Gestrige, Unaufgeklärte“ missachten. Das scheint das aktuelle Diktat auf die akademisch-theologischen Kreisen zu sein. Die laienhafte Lesart dieser Methode ähnelt zwar in gewissem Rahmen der der Akademischen, doch die Erwartungen sind – wenn auch nicht immer – unterschiedlich. Während der Akademiker zumeist versucht, das historisch Geschehene erst einmal wissenschaftlich in der Geschichte zu verorten, zu reproduzieren, das Geschehene zu verstehen und anschließend die Ergebnisse zur Diskussion stellt, geht es den Laien zumeist darum, alles – von der Vorbildhaftigkeit des Propheten bis hin zu den Grundlagen der Religion – für immer in die Abgründe der Geschichte zu versenken oder diese zumindest geringzuschätzen. 

Die Ambiguitätstheorie von Thomas Bauer, die zurecht große Anerkennung bekam, hat es dagegen nicht geschafft, ein Diktatswerkzeug zu werden, zumal diese Theorie für ein Diktat nicht taugt. Denn dieser Theorie zufolge wären die klassischen Methoden und Lesarten in den Koran- und Hadithwissenschaften oder die islamisch klassische Form der historisch-kritischen Lesart (Stichpunkt: Offenbarungsanlässe) mit der modernen Form dieser Lesart gleichgestellt. Diese Methode ist für den modernen Menschen nur zur Positionierung der eigenen Meinung im Diskurs nützlich, sie wird quasi missbraucht. Doch da er lieber selbst – unabhängig von Quellen und weiterer Meinungen und Methoden – für sich das Richtige zu seinem Wohlgefühl bestimmen möchte, ist sie danach unzweckmäßig.

Moderne Bedürfnisse

Der moderne Mensch braucht keine gemoderte Weltvorstellungen, er braucht keine Gebote und Verbote, keine Regeln aus dem Himmel. Er hat Kant, Marx und Nietzsche gelesen und machte Gott obsolet. Er ist der Supermensch! Der Zeitgeist von heute, der dank des Globalismus überall hin schwappt, ist die Unbekümmertheit. Die Unbekümmertheit dank des Kapitals und der Aufklärung. Und diese Unbekümmertheit will man nicht nur im Diesseits. Nein, auch für das Jenseits beansprucht der moderne aufgeklärte Mensch für sich das Heil, unabhängig dessen, ob er daran überhaupt glaubt oder nicht. Der Glaube ist auch nicht wichtig, sondern das Wohlgefühl. Da ist jemand, der von der Pein und Strafe für Sünden im Diesseits spricht oder die Aufklärung kritisch betrachtet, ein Störenfried. Aufgrund dieses Diktats habe ich nicht selten beobachten können, wie manche muslimischen Redner – Akademiker, Verbandsleute oder einfache Engagierte – sich dem Diktat nicht widersetzen konnten, nur um Ende nicht als „inhumane und unaufgeklärte Person“ dazustehen. 

Das bisher Gesagte soll die guten Erfahrungen, die aufrichtigen Dialogpartner oder den wichtigen Austausch zwischen den ernsthaft am Dialog interessierten Menschen in den Dialogveranstaltungen nicht in den Schatten stellen. Das ist sicherlich nicht beabsichtigt. Es geht mir hierbei um die voreingenommene Haltung derjenigen, die, entgegen eines Bestrebens nach wissenschaftlichen Erkenntnissen oder entgegen einer auf Augenhöhe geführten Diskussion, zweckmäßige Methoden herauspicken, unbekümmert vorgedachte Schlussfolgerungen ziehen und diese versuchen anderen zu diktieren. Diese sind keine Einzelfälle mehr, sondern vermehren sich in akademischen Kreisen und Dialogveranstaltungen, verbreiten sich in der Bevölkerung und sind derzeit in Politik und Medien präsent. Das herrschende Diktat in und durch Politik und Medien lässt sich nicht minder durch die Akzeptanz von fragwürdigen Personen als Ansprechpartner für das muslimische Leben oder durch die Vermarktung dieser seitens der Medien verdeutlichen.  

Der andere „Kuschel-Dialog“

Eine Pervertierung des Wortes „Dialog“ geschieht nicht einseitig, diese falsche Herangehensweise findet sich auch innerhalb der muslimischen Seite. Nicht wenige Muslime sehen in diesen Veranstaltungen eine lukrative Möglichkeit, stellen sich als aufgeklärte „Kuschel-Muslime“ vor, wirbeln mit kuscheligen Wörtern wie Freiheit, Demokratie, liberal, historisch-kritische Lesart oder geben unbedachte und theologisch fragwürdige Sätze ab wie „der Glaube im Herzen ist wichtiger als die Handlung…“, „die Konservativen sind so und so…“, „es gibt nicht den Islam…“, „der Koran muss neu ausgelegt werden..“, „diese Auffassung über diese Sünde ist nicht mehr zeitgemäß, sondern gehört zum Mittelalter..“ etc. Und doch sind es zumeist diese Kuschel-Muslime, die mit wenigen schmeichelnden Worten und Sätzen, ohne ausreichendes Fachwissen oder wissenschaftliche Seriosität zu Ansprechpartnern der Politik werden. Mehr noch, sie werden in den Dienst des Staates aufgenommen, wodurch die Politik nochmals verdeutlicht, dass es ihr weniger um ernsthaften und ehrlichen Dialog mit den Muslimen geht, sondern um ihre Muslime, die dem Zeitgeist ihre Hochachtung bieten.   

Der Inhalt des Diktats ändert sich nicht nur hin und wieder, sondern je nach Bereich des sozialen Lebens ist der Inhalt unterschiedlich. Ist das Diktat auf die theologisch-akademischen Kreisen die historisch-kritische Lesart, so bestand vor ein paar Jahren der Inhalt des Diktats auf das muslimische Leben in Deutschland darin, sich vom Terror und von den Salafisten zu distanzieren. Als wären diese „Frankenstein-Muslime“ ein islamisches und nicht ein modernes Problem. Das aktuelle, von der Politik und den Medien geleitete Diktat auf das muslimische Leben in Deutschland besteht nun darin, den hiesigen und seit Jahrzehnten wertvolle Dienstleistungen bietenden Religionsgemeinschaften eine Absage zu erteilen, diese mehr als nur kritisch zu beäugen und die Wurzel des ganzen Übels im Ausland zu lokalisieren. 

Eine fachlich bis zu den elementarsten Themen noch so unwissende Person kann dank der gleichgesinnten diktierenden Medien und Politik zu einer Ansprechperson zum Thema Islam werden. Dazu muss sie nur die hiesigen Religionsgemeinschaften angreifen, sie diffamieren und ihre Beziehungen ins Herkunftsland verteufeln. Wer diesem Diktat folgt, der kann auf die Unterstützung der Medien und des Staates zählen, wie so einige mini- muslimische Vereine diesen Sachverhalt verdeutlichen, die bei der vierten Deutschen Islam Konferenz (DIK) zu gleichwertigen Ansprechpartner des Staates wurden. Konnte eine muslimische Kommentatorin in einer Zeitung mal aus der Reihe tanzen und mutig die hiesige rechtspopulistische Politik kritisieren, so reichte ein neuer kritischer und herablassender Artikel über die Religionsgemeinschaften, um die Gunst der vielen Kritiker ihres mutigen Artikels wieder zu gewinnen. 

Es geht mir hierbei nicht um die teilweise berechtigte Kritik an die Auslandspolitik von Herkunftsländern wie der Türkei oder um berechtigte Kritiken über die Versäumnisse der islamischen Religionsgemeinschaften. Es geht um Stimmungsmache gegen diese Gemeinschaften, aus der dann das Diktat entsteht. Als es noch keine Probleme zwischen der Türkei und Deutschland gab, waren die Religionsgemeinschaften stets gern gesehene Gäste und galten als Schutzbolzen gegen die Radikalisierung innerhalb der Muslime. Das zeigt, wie schnell, beliebig und undankbar der Inhalt des Diktats sich ändern kann. Die Frage der fachlichen Kompetenz, der jahrzehntelangen aufrichtigen Engagements, des ehrlichen Dialogs, der Rücksichtnahme der Wünsche und Gefühle der meisten Muslime, sind für das Diktat nebensächlich. 

Dialog, der keiner ist

Doch der Kontakt und der „Dialog“ soll weiter existieren. Die großen Religionsgemeinschaften können auch nicht einfach übergangen werden, da sie zu wichtig für das muslimische Leben sind und die überwältigende Mehrheit der Muslime ihre Dienstleistungen tagtäglich – ob sie nun Mitglied sind oder nicht – in Anspruch nehmen. Der „Dialog“ und der Kontakt soll also weiterhin bestehen, doch die Religionsgemeinschaften werden bei den wichtigen Entscheidungen über das muslimische Leben aktuell übergangen. Aber der „Dialog“ mit ihnen soll weiterbestehen, auch wenn in NRW gerade ein Runder Tisch mit „Experten“ entsteht, um den Einfluss der Religionsgemeinschaften zu mindern. Doch der „Dialog“ ist wichtig, auch wenn die Bundesländer den Islamunterricht mit Ausschluss der Religionsgemeinschaften allein organisieren möchten. Zum Iftar lädt man sich ein, doch bei der Islamkonferenz sind die Gemeinschaften lediglich belanglose Teilnehmer und sind den säkularen, also „Kulturmuslimen“ und weiteren „50-Mann und Frau Vereinen“ gleichgestellt. Aber nicht vergessen, „Dialog“ ist wichtig, doch staatliche Fördergelder bekommen nur die, die dem Diktat folgen. Der „Dialog“ ist von großer Bedeutung, natürlich, doch bei den wichtigen Personalentscheidungen der theologischen Fakultäten haben sie nicht mehr oder nur begrenzt mitzureden.

Würden die Religionsgemeinschaften in diesem „Dialog“ die gemäß dem Diktat erwünschten Aussagen tätigen, also das demokratische Recht der Meinungsfreiheit und das Recht der verfassungskonformen Selbstentfaltung nicht in Anspruch nehmen, sie wären wohl schon morgen wieder beliebt. 

Wäre das Problem dann wirklich gelöst? Hätte ich dem Teilnehmer einen Platz im Paradies verheißen, wozu ich weder befugt bin noch die Macht besitze? Was käme danach? 

Leserkommentare

charley sagt:
Nach längerer Zeit schaut ich mal wieder bei Islamiq rein und las diesen Artikel. Wegen der ideologischen Arroganz wurde mir fast schlecht. Das Verworrene der Urteile hier aufzudröseln wäre eine Sisyphosarbeit. In vielen Sätzen schaut tatsächlich die Inkompatibilität des Islam mit der abendländischen Kultur raus. Warum sollte diese Allah oder Mohammed für mich maßgeblich sein? Warum sollte ich mit denen etwas zu tun haben? Nur, weil irgendwelche Leute zuerst ihre Projektionen heraus setzen und danach als "Gott" anbeten? Wo ist die "Schnittstelle" diese Gestalten zu mir? Wer mir das aufzeigen kann, der hat mein Ohr. Ansonsten lehne ich das anmaßende solcher sektenwürdigen "Denk"ungsarten gründlich ab, ja würde mich jederzeit dafür einsetzen, dass solchen Leuten ihr subtiler Religionsherrschaftsanspruch in jeder Form genommen wird. Die katholische Kirche haben wir hier überwunden. Ihr kommt 500 Jahre zu spät! Wir könnten gern über Fegefeuer, Nachtodliches, Kama Loca usw... diskutieren, nur würde da tatsächlich heraus kommen, dass man da gut durchkommen kann, ohne Moslem zu sein. Auch ohne "Christ" (im Sinne einer Religionsgemeinschaft) zu sein. Das Christentum ist tatsächlich extrem kompatibel zum modernen Menschen als Religion, wenn man es auf seinen Kern reduziert (und vieles zeitbedingte Beiwert wegtut), nämlich: "Du sollst dein als wahr erkanntes Ideal von ganzem Herzen ernst nehmen und bejahen" und "Du sollst deinen Nächsten bejahen, wie du dich selbst bejahst". (Das sind übrigens 2 Moseszitate, die Christus im Evangelium nur aufgriff (Setze Liebe anstatt Bejahung).) Warum ist das kompatibel? Weil die Liebe stets machtlos ist. Davon ist der Unterwerfung fordernde Islam meilenweit entfernt. Der arbeitet (s.o.) immer noch mit "Angst machen" (vor den Strafen im Nachtodlichen). Einen Begriff vom wahren Selbst hat er auch nicht, weil kurz bevor der gefunden wird, löst sich alles "in Allah" auf... also, was geht es mich dann an? Damit der Autor mal Wirklichkeit ankommt: Der Autor schreibt: "Es geht mir hierbei nicht um die teilweise berechtigte Kritik an die Auslandspolitik von Herkunftsländern wie der Türkei oder um berechtigte Kritiken über die Versäumnisse der islamischen Religionsgemeinschaften." Schade! Denn darum geht es ganz genau: Die hiesigen islamischen Religionsgemeinschaften mach(t)en da einen merkwürdigen Eiertanz um die Mohammedkarrikaturen (und vieles andere mehr..)... und in der Folge dieser religiös begründeten Morddrohungen beginnt diese Religion ein subtiles Drohszenario aufzubauen. Was hier natürlich nur als "Respekt" vor unseren religiösen Gefühen (Sekten-"Wahnvorstellungen"?) gefordert wird, findet seine Kulmination in primitiven, gleichfalls unaufgeklärten Massenmobveranstaltungen wegen Blasphemie in Pakistan mit vielen, vielen Toten. Und wo ist die grundsätzliche, wesentliche (!) Abgrenzung der moslemischen "Vertreter hier in Europa" von diesen Wahnsinnigen denn klar formuliert? Merke: Es gibt nichts mehr, was per se heilig ist. Ein Nietzsche konnte vor über 100 Jahren hier schon schreiben: "Jesus ist ein Idiot!" (.... über die Bedeutung des Begriffs Idiot hier könnte man lange fabulieren, ich weiß)... Es ist eben eine Tatsache, dass der europäische Islam noch lange nicht in Europa angekommen ist, weshalb begründet zu befürchten ist, dass sich der Islam hier doch irgendwann den Gottesstaat zum Ideal erhebt. Es liegt leider im Wesen des Islam. Anderes wäre zu zeigen,... und zwar ohne dass jemand vorher die islamische Religions- und Kulturfolklore anerkennen muss! Die interessiert mich nämlich überhaupt nicht, vor allem wenn/weil ich damit implizit eine islamische Religion bejahe. Verehrter Herr Dr. Ahmet Inam: Lesen Sie Max Stirner, nur das Vorwort zu "der Einzige und sein Eigentum": "Ich hab’ Mein’ Sach’ auf Nichts gestellt". Sie finden es vielerorts im Netz. z.B. hier: http://max-stirner-archiv-leipzig.de/dokumente/1844-Der-Einzige-und-sein-Eigentum-(1845-1893-1991).pdf So lerne ich aus Ihrem Text, dass Sie sehr beleidigt sind, weil ich nicht bereit bin, meinen modernen freien, selbstbestimmten Standpunkt aufzugeben. Zeigen Sie die Schnittstelle zwischen mir und ihrem (!) Gott auf, dann sind Sie als Gesprächspartner interessant. Meine o.g. zu meinem Gott habe ich oben benannt, das lässt sich übrigens auch real erleben. Es gibt auch im Islam Menschen, die solches erlebt haben, aber die landeten oft auf dem Scheiterhaufen. "Selbstkenner - Selbsthenker" schreibt Nietzsche. Diese Einsamkeit muss jeder erleben, der zum eigenen Geist und dann auch zum objektiven Geist kommen will. In der Folklore einer vergangenheitsorientierten Umma solches zu wagen (z.B. in Pakistan) wäre Selbstmord.
01.06.19
19:40
Stratmann sagt:
Auch als Nichtmuslim verstehe ich den Artikelschreiber und ich bringe ein Beispiel. In der hebräischen Bibel und im Neuen Testament wird oft vom göttlichen Gericht gesprochen. Bei einer evangelischen Gemeindeveranstaltung ging es mir zunächst überhaupt nicht darum, dass die beiden leitenden Pfarrer dran glauben müssen; mir ging es zunächst nur darum, dass sie sich bei der Textinterpretation an die Texte halten und nicht hineinbugsieren, was ihr eigenes Herzensanliegen ist. Prompt wurde ich von beiden massiv ausgelacht: „ Das ist schwarze Pädagogik! „ Die „pädagogische“ Brille darf entscheiden, was vorgegebene Texte aussagen dürfen – so wie man früher mit der nationalen, sozialistischen, usw. Brille Texte vergewaltigte. Interreligiösen Dialog halte ich für notwendig; aber er muss auf gleicher Augenhöhe und angstfrei erfolgen und auch heikle Fragen müssen gestellt werden dürfen. Und dies ist großenteils nicht der Fall, zu oft werden Fragen abgeblockt, unter den Teppich gekehrt. Dies erlebe ich vor allem seitens christlicher „ Autoritäten „, welche Muslime schützen wollen – so als könnten diese nicht selber denken und reden. Doch muslimischerseits gibt es zu oft keinerlei Antwort. Ich bringe ein Beispiel: Wie oft habe ich auch bei IslamiQ nachgefragt, ob sie nicht über das sogenannte „House of ONE„ in Berlin informieren und Stellung beziehen könnten. Doch ich erhielt nie eine Antwort. Ich hatte angeboten, meine eigene kritische Stellungnahme einzuschicken, damit man dann bei IslamiQ drüber diskutiert. Ich halte den interreligiösen Dialog für notwendig, das „House of ONE“ jedoch – vermutlich wie der Artikelschreiber – für von oben gesteuert und deshalb langfristig für kontraproduktiv. Staatliche Stellen maßen sich hier die Rolle von „Religionsingenieuren“ an. Stratmann
01.06.19
23:16
Kritika sagt:
L.S. Kein einziger der heutigen oder früheren Top Naturwissenschaftler ist oder war Muslim. Alle waren/sind intelligent genug, Mondgöttin, Zeus, Jawe, Allah als von Menschen erschaffen zu erkennen. In westliche, intelligente Staaten laufen Kirchen leer, verlieren Religionen Anhänger. Nur in intelligenzfreie Staaten, mit 40% Analfabeten, da ist es noch möglich, den Menschen die Existenz eines Gottes oder eines Allah einzureden. Macht Ihnen das nicht nachdenklich, Herr Inam? Gruss, Kritika
02.06.19
0:02
Stéphanie sagt:
Ich kann mir das so gut vorstellen wie Dr. Inam gewisse Erwartungen der Dialogveranstaltungen bzw. die der Veranstalter beschreibt. Dank der Erkenntnisse und Beobachtungen, die er sammeln durfte, dürfte er weiterhin standhaft bleiben. Schön finde ich, wie er das Subtile, was in solchen Momenten mitschwingt, zum Ausdruck bringt und öffentlich macht. Weiter so! Vielen Dank für den Artikel, den ich weiterempfehlen werde.
02.06.19
16:20
Brad Lewis sagt:
Wann findet hier endlich mal ein Dialog mit dem Islam-Kritiker Hamed-Abdel Samad statt? Haben alle Angst vor ihm, weil sie ihm intellektuell, argumentativ und verbal nicht gewachsen sind? Europa geht es ohne Islam besser. Das glaube ich zu 100%. Und der ewige Gott hat andere Pläne als wie das selbsternannte islamische Prediger-Bodenpersonal meint.
02.06.19
22:52
Emanuel Schaub sagt:
Charley Sie sprechen vieles an ,was voll unterschreiben kann (was Sie ja offensichtlich überhaupt nicht nötig haben). Nur nun kommt ein ganz grosses NUR :Wir..beide waren (wahrscheinlich...) noch nie Tote und als "wissenschaftlich" denkende Menschen müsssen wir die Möglichkeit des Zutreffens der behauptungen von Dr.Inam zugeben . Nach den Gesetzten der Eidetik (Wesens-möglichkeit resp. Unmöglichkeit ) ist ein nachtodliches Terror "Leben" möglich (für wen und für was auch immer...)) Wesensunmögliches ist was sich selbst widerspricht (zb.weisser Rappen oder hölzernes Eisen) Die Kontigenz der Naturgesetze ,dass Bewusstsein an lebende Gehirne gebunden sind könnte so sein dass die Gestetze nachtodlich nicht mehr zutreffen. Naive Frage ;was geschieht mit den (vorislamischen Menschen /Sündern?) Das Gestzesübertretungen zb.Fallgesetze,die Unfällen führen und alle auslösenden Ursachen von KRANKHEITEN entsetzliche HÖLLENQUALEN schon hienieden auslösen , erfüllt mich jedenfalls mit ohnmächtigem Schaudern!! gruss emanuel
03.06.19
11:49
Johannes Disch sagt:
@Charley (01.06.19, 19:40) Hallo. Schön, mal wieder von Ihnen zu hören. Was den Artikel betrifft bin ich ganz ihrer Meinung. Bemühter akademischer Elfenbeinturm, wo pseudo-theologisches abgesondert wird. Es geht bei dem Problem Islam/Migration/Integration nicht um theologische Probleme und auch nicht um irgend eine Lesart des Koran. Es geht um rein praktisches. Ich habe die Punkte unter einigen anderen Artikeln bereits häufiger erläutert und tue es hier erneut: -- Es braucht eine Trennung von Religion und Politik. -- Muslime müssen "Hidjra" ("Migration") von "Dawa" ("Missionierung zum Islam") trennen. -- Muslime müssen den Überlegenheitsanspruch des Islam aufgeben. In der modernen Welt sind alle Religionen gleichwertig. Bei allen genannten Punkten haben vor allem die islamischen Verbände Nachholbedarf und sind in ihrer Position noch immer nicht eindeutig. Wie sollte man diese Dinge lösen, wenn nicht im rationalen Dialog??
03.06.19
12:50
Stéphanie sagt:
@ Charley Es gibt eine große Schnittmenge. Das können Sie gar nicht erahnen.Der ISLAM ist doch für die Menschheit vorgesehen. Es ist eine Weltreligion. Da gibt es doch kein Euer Allah und Euer Mohammed. Auch Jesus verwendete das aramäische Wort Alaha für Gott. Wenn Mohammed von Jesus sprach, sprach er liebvoll von seinem Halbbruder, da beide von Abraham abstammen. Im Koran kommt die Thora und das Evangelium vor usw. und so fort. Keiner von den Genannten muss für Sie maßgeblich sein, Charley, wenn Sie es nicht wünschen. Sie sind frei. Es gibt keinen Zwang. Sie haben einen Verstand, Ihren freien Willen und hoffentlich auch den Wunsch auf ein erfülltes und zufriedenes Leben. Liebe oder Leid? Jeder darf für sich entscheiden, was er anstrebt. In der Suche nach dem Göttlichen dreht sich die Welt.
03.06.19
15:52
charley sagt:
@ Emanuel Schaub: Vom Übersinlichen kann man nur wissen durch übersinnliche Erfahrung. Allerdings kann man diese - was sehr schwer ist - in Begriffen abbilden. Dann ist man in derjenigen Lage, in der sich auch ein Mathematiker befindet: Wenn jemand es ablehnt zu denken, wird ihm auch nie 2+2=4 sinnvoll erscheinen. Dieses innere sich selbst zur Einsicht bringen ist jeder Geisteswissenschaft eigen. Sie hätten recht, wenn wir als Erdenmenschen (Geist und Seele im Körper) nur irdische Wesen sind. Das ist allerdings eine Illusion, die man mit sehr einfachen Gedanken sich klar machen kann. Schon die einfache Sinnererfahrung beweist, dass der Mensch ein beseeltes Wesen ist. Warum sehen Sie die Rose? Ja, ... also... das Rot der Rosenblätter ist natürlich eine Illusion, in Wahrheit also elektromagnetische Schwinungen,... im Auge (das ja auch nur eine Einbildungsvorstellung ist wie die Rose auch) werden daraus elektrische Impulse... die dann im Gehirn... wer denn bitteschön ... sich jemand einbildet als Vorstellung der Rose. D.h. man bemerkt gar nicht, dass gleich am Anfang (elektromagnetische Schwingungen..) die Rose verschwindet... um dann nachher als Fata morgana wieder aufzutauchen. Nur ist der ganze beschriebene Vorgang NICHT DAS was man erlebt! Vielmehr werden auf genanntem Wege Erlebnisse vermittelt. In der übersinnlichen Erfahrung haben Sie Farberlebnisse (genauer: Empfindungen, die - wenn man sie beschreiben wollte - dem ähneln, was man erlebt, wenn man sinnliche diese oder jene Farbe sieht)... z.B. im Sehen einer Aura usw.usf... OHNE diese unter(!)sinnliche Vermittlung (elektromagnetisch... elektrisch..). Das Bewusstsein ist für den heute "normalen" Menschen leib- und sinnesgebunden. Das muss aber nicht sein. Durch Erkraftungsübungen des Bewusstseins kann man sogar sehr schnell erleben, dass das Denken nicht an das Gehirn gekettet ist. Dazu reichen völlig regligionsfreie Konzentrationsübungen! Im Bilde erklärt: Stellen Sie sich einen Menschen (Seele und Geist) vor, der des Morgens vor einen Spiegel (Leib-Gehirn) gerät (Aufwachen) und da, wegen des Gewahrwerdens seines Spiegelbildes, erlebt: Ich bin! (Denn des Nachts, wenn die Seele vom Leib abgezogen ist, weshalb er z.B. trotz intakter Ohren nichts hört) ist er eben nicht "vor dem Spiegel". So ist das Ichbewusstsein der meisten Menschen. Aber nicht zwingend! Durch Erkraftungsübungen kann derjenige, der vor dem Spiegel steht, seine Eigenbewegung erfahren und mit der Zeit immer deutlicher gewahrwerden, dass er selbst Bewusst(sein) IST, dass er im Spiegel aber sein Spiegelbild nur sieht. Im Verlauf dieses Vorgangs wird man immer deutlicher sein eigentliches (ewiges, geistes, wahres...) Selbst ahnen und schließlich erkennen lernen und im Spiegelbild seine Person (irdisches, persönliches, vergängliches Ich) erkennen. In der Beobachtung des Wechselspiels dieser Zwei wird man Begriffe wie Läuterung und SElbstverunreinigung ("Sünde") religionsfrei erfahren können und dann auch ohne Rückgriffe auf religiöse Floskeln wissen können, "was Sache ist". :-) Das alles ist sehr kurz (auch wenn das Posting hier lang wurde), aber als Kinder schon galt im Spiel: Angst machen gilt nicht! Und der Islam arbeitet massiv mit Angst, gerade weil er ein individuelles ewiges Selbst (welches sich durch viele Personen (Inkarnationen) hindurch entwickelt, nicht kennt/kennen will. Also macht er die Individualität zur Marionette von Allahs Vorgaben. DAS passt wesensmäßig nicht zur freien Denkkultur des Abendlandes.
06.06.19
8:09
Tarik sagt:
Leider verbeißt sich der Autor des Gastbeitrages, vor allem in der zweiten Hälfte seines Textes, zusehends in beißender Polemik. Von einem Akademiker, der Thomas Bauers "Amguitätstheorie" leider nur als Stichwort nennt, kann man zurecht besseres erwarten. Nicht, dass alles, was Herr Inam schreibt, gänzlich von der Hand zu weisen wäre an Kritik am Dialogdiskurs. Nur versteift er sich auf die Verteidigung seiner eigenen Dissertation und übersieht, dass es auch im traditionellen, vermeintlich "konservativen" Islam Gedanken zu finden sind, die unserem heutigen Verständnis von "liberal" oder "universal"weitaus näher kommen. Für einen al-Ghazali bsp., also einem für die sunnitische Orthodoxie maßgeblichen Denker, gab es drei Kategorien von Paradiesbewohnern. 1. tugendhafte Rechtgläubige, 2. Tugendhafte Nichtgläubige, die von der Offenbarung nichts vernommen haben und 3. tugendhafte Nichtgläubige, die zwar von der Offenbarung gehört, sie jedoch nur unzureichend und verfälscht vernommen haben. Und wenn man sich anschaut, welches Islambild nicht wenige Menschen mit muslimischen Background abgeben, würde ein Ghazali heutzutage sehr viel Mehr tugendhafte Agnostiker, Christen usw. im Paradies sehen als es einem vermeintlich konservativen isl. Theologen der Moderne lieb wäre. Der User Charly hat hier die richtigen Fragen gestellt und hier sieht man deutlich, dass gerade die Vertreter der fundamentalistischen Lesart sich gar nicht mit den wesentlichen Dingen beschäftigt haben, z.b. wozu Offenbarung überhaupt da ist. (was nicht heißt, dass wir sowohl im traditionellen wie auch modernen muslimischen Denken keine originellen und konstruktiven Beiträge zu dem Thema hätten, leider hört und liest man von ihnen nicht, da eher andere Themen im Fokus stehen).
06.06.19
13:18
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