Frankreich

Macron empfängt Religionsvertreter

Frankreichs Staatspräsident Macron, möchte eine Umstrukturierung des Verhältnisses zwischen Staat und Religion. Mit der Reform sollen die Religionsgemeinschaften eine neue Rechtsstellung erhalten.

11
01
2019
Frankreich s Staatspräsident Emmanuel Macron © Perspektif, bearbeitet by iQ.
Frankreich s Staatspräsident Emmanuel Macron © Perspektif, bearbeitet by iQ.

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hat Vertreter verschiedener Religionen getroffen. Thema des Treffens war die anstehende Überarbeitung des Gesetzes von 1905, das Kirche und Staat in Frankreich trennt. Wie die Zeitung „La Croix“ (Donnerstag) berichtet, nahmen die katholische Bischofskonferenz, Vertreter der protestantischen und orthodoxen Christen sowie von Juden, Muslimen und Buddhisten teil.

Anders als in Deutschland zieht Frankreich für die Kirchen keine Steuer ein. Die Religionsgemeinschaften erhalten keine staatlichen Gelder. Genau damit hängt auch die Reform zusammen, die derzeit von verschiedenen Ministerien ausgearbeitet wird. Dabei soll das Prinzip des Gesetzes zur Trennung von Kirche und Staat von 1905 als solches aber nicht angetastet werden.

Mit der Reform sollen die Religionsgemeinschaften in Frankreich eine neue Rechtsstellung erhalten und damit künftig auch von Staatszuschüssen profitieren können. Zudem soll die Ausbildung von Imamen gefördert werden; Muslime in Frankreich sollen unterstützt werden, eigene Strukturen aufzubauen.

Muslime wünschen sich bessere Vertretung

Die Reform wird bereits seit längerem vorbereitet. 27.000 Muslime waren im Sommer 2018 im Internet und vor Ort befragt worden, ob sie sich angemessen auf nationaler Ebene vertreten fühlen. Ergebnis: Mehr als die Hälfte wünschte sich eine bessere Vertretung auf nationaler Ebene. Nur 7 Prozent der Muslime fühlten sich durch den Französischen Islamrat (CFCM) repräsentiert. 63 Prozent der Befragten gaben an, die Repräsentation der Muslime in Frankreich brauche eine nationale Struktur.

Derzeit laufen Konsultationen mit den Religionsvertretern. Zu Wochenbeginn empfing der Innenminister Christophe Castaner humanistische Organisationen. In den kommenden Wochen soll der Gesetzesvorschlag präsentiert werden. (KNA, iQ)

Leserkommentare

Frederic Voss sagt:
Überall gibt es eine religiöse Vielfalt mit unterschiedlichen Konstellationen und Überzeugungen. Interessant ist hier die kleine Zahl von 7% von Muslimen, die sich durch den Französischen Islamrat (CFCM) repräsentiert fühlt. Meiner Meinung nach braucht keine sich religiös gebende Gruppe extra Sonderrechte zum Aufbau neuer (Macht-)Strukturen. Zumal Religion zu großen Teilen nur ein Machtinstrument und Fantasie-Firlefanz ist, an den geglaubt wird bzw. an den eben geglaubt werden soll. Der Milliardärs-freundliche Macron möchte wohl mit seinen Religionstreffen etwas die Wogen glätten und sich volksnah zeigen um damit lediglich von den ihm im Nacken sitzenden Gelbwesten-Protesten abzulenken. Die Instrumentalisierung von Religion ist ein altbekanntes Mittel der Politik zur Steuerung des Volkes.
11.01.19
16:48