Porträt

Malcolm X: Suche nach der Wahrheit

Malcolm X – eine der wichtigsten Figuren der schwarzen Bürgerrechtsbewegung – erblickte heute vor 93 Jahren das Licht der Welt. Ein Leben vom atheistischen Kleinkriminellen zum wortmächtigsten muslimischen Redner Schwarzamerikas. Ein Porträt.

19
05
2018
Malcolm X © http://bit.ly/2mhVPzk
Malcolm X © http://bit.ly/2mhVPzk

Malcolm X, geboren als Malcolm Little, war ein afroamerikanischer Führer der Bürgerrechtsbewegung im Amerika der 60er Jahre. Am 21.02.1965 wurde er bei einem Vortrag in der Öffentlichkeit erschossen. Der Grund für seine Ermordung: Er hatte sich von der religiös-politischen Organisation Nation of Islam, aufgrund ihrer scheinheiligen Machenschaften, abgewendet. Sein kurzes Leben war geprägt durch Gegensätze und Neuorientierungen, es glich einer Suche: der Suche nach Wahrheit.

Malcolm, kam im Mai des Jahres 1925 im Omaha als viertes von sieben Kindern zur Welt. Er war der hellhäutigste unter ihnen, eine Folge der Vergewaltigung seiner Großmutter durch einem weißen Amerikaner. Nachdem tragischen Tod des Vaters und der darauffolgenden nervlichen Erkrankung seiner Mutter, kam Malcolm bei weißen Pflegeeltern unter. In seiner Jugend realisierte er früh, dass er unabhängig von seiner Lebensweise, als Afroamerikaner eine Benachteiligung erfuhr. Die Unzufriedenheit mit diesem Zustand und das fehlende Zugehörigkeitsgefühl drängten ihn in die Kriminalität. Er kam ins Gefängnis.

Im Gefängnis bildete sich Malcolm autodidaktisch weiter, da ihm trotz guter Schulnoten der Hochschulzugang verwehrt wurde. Er schrieb ganze Wörterbücher ab und lernte sie auswendig. Er professionalisierte seine Rhetorik und studierte diverse Werke der Philosophie und Geschichte. Durch den Briefkontakt mit seinen Geschwistern kam er erstmalig mit der Nation of Islam in Kontakt. Die Organisation verstand sich als muslimische Vertreterin der schwarzen Kultur in Amerika. Malcolm Little legte seinen Nachnamen ab. Die Nation of Islam sah diesen Akt als Befreiungsschlag, denn die Nachnamen wurden den Afroamerikanern von ihren damaligen Sklavenhaltern gegeben. So wurde Little zu X und Malcolm ein Muslim.

Malcolm X und der Islam

Nach seiner Entlassung wurde Malcolm X der Wortführer und das Aushängeschild der Nation of Islam. Er gelangte durch sein sicheres und wortgewandtes Auftreten schnell zu Ruhm und Macht. Malcolm predigte einen „schwarzen Nationalismus“, er wollte das Selbstbewusstsein der Afroamerikaner wecken und stärken. Er kritisierte Martin Luther King, da dieser die Anerkennung des weißen Mannes anstrebe. Afroamerikaner sollten die teuflische Geschichte der Sklavenhaltung erkennen und anfangen, sich selbst zu lieben und nicht nach der Anerkennung der Weißen trachten.

Ende 1963, distanzierte sich Malcolm X immer mehr von der Nation of Islam, weil die Praktiken der Organisation zunehmend unislamisch wurden. Nach seiner Pilgerfahrt im Jahr 1964 legte Malcolm X außerdem seine rassistische Ansicht über Weiße ab. Denn er hatte „vom selben Teller gegessen, aus dem selben Glas getrunken und im selben Bett geschlafen und zum selben Gott gebetet wie (…) (seine) muslimischen Glaubensbrüder mit ihren blauen Augen, blonden Haaren und ihrer weißen Haut“.

In dem darauffolgenden Jahr setzte sich Malcolm, der nun eine eigene Organisation gebildet hatte, weiterhin für die Rechte der Afroamerikaner ein. Nach weiteren kritischen Aussagen über den Führer der Nation of Islam wurde er schließlich heute vor 50 Jahren getötet.

Malcolm X oder Malik El-Shabazz, wie er sich nach seiner Pilgerfahrt nannte, war ein Mann der aus Überzeugung handelte, ein Mann, der mit seiner Redekunst viele Menschen berührte, ein Mann, der alles und jeden kritisierte, vor allem sich selbst. So gelang es ihm zu finden was er suchte: die Wahrheit!

Leserkommentare

Dr. phil. Milena Rampoldi sagt:
Salam danke für diesen wundervollen Artikel. Wir von ProMosaik e.V. finden ihn DEN muslimischen Menschenrechtler der USA. Ganz wichtig war seine Kompromisslosigkeit: ein Aspekt, den ich auch in Nelson Mandela wiederfinde. Ich finde, dass schwarze Muslime oft in den Medien zu wenig zur Sprache kommen. Daher habe ich mich heute sehr gefreut, dass Sie diesen Artikel veröffentlicht haben. danke!! wassalam Dr. phil. Milena Rampoldi von ProMosaik e.V.
21.02.15
18:12
Martin sagt:
Sicher hat Malcolm X nach seiner Pilgerreise mach Mekka seine Ansichten überdacht. Bis dahin jedoch war er ein schwarzer Rassist, der in der durchaus als kriminell zu bezeichnenden Nation of Islam diente. Das wird in dem Artikel sehr kleingeredet. Aber tatsächlich war Malcolm X mehr Zeit seines Lebens kriminell, als er es nicht war. Immerhin kommt der Artikel nicht mit der Mähr, nicht die Nation of Islam, sondern das FBI habe ihn ermordet. Wobei eine Beteiligung des FBI sicherlich nicht auszuschliessen ist. Aber das wäscht die Nation of Islam nicht rein. Im günstigen Fall haben beide Organisationen wegen gemeinsamer Interessen zusammengearbeitet. War Nelson Mandela Muslim? Das wußte ich gar nicht. Jedenfalls kam er doch ziemlich viel zu Wort in den Medien der Welt. Mir persönlich war die Vision eines Martin Luther King, der ein gemeinsames, gleichberechtigtes Leben über die Rassengrenzen hinweg angestrebt hat, lieber als der schwarze Rassismus eines Malcolm X und einer Nation of Islam.
23.02.15
11:05
Ralf sagt:
War das nicht der Weißenhasser, der von seinen eigenen Leuten erschossen wurde, weil er aufgehört hat, Weiße zu hassen? Schade, dass von seiner Kehrtwende bis zu seiner Ermordung nicht mehr genug Zeit war, seine neuen Erkenntnisse auszuarbeiten.
23.02.15
14:04
Burak sagt:
Dass Malcolm X (zunächst) ein schwarzer Rassist gewesen sein mag, macht seinen Kampf gegen die Unterdrückung der Schwarzen nicht per se zu etwas Verwerflichem. Seine Ideen vor seiner Kehrtwende unter den Tisch zu kehren zeugt davon, dass manche Menschen geneigt sind sich das Leben leichter zu machen als es ist. Seine ideologischen Fehlgriffe hat Malcolm X selbst bemerkt und korrigiert, und allein diese Einsichtsfähigkeit und Weisheit würde bereits ausreichen, ihn als Vorbild zu preisen. Danke für diesen Artikel!
27.02.15
16:44
Kritika sagt:
L.S. ► Malcolm Little, alias Malcolm x war ein schwerkrimineller, der eine lange Gefängnisstrafe zurecht aussitzen musste. ► Martin Luther King war ein rechtschaffener, edler Mann, der mit ausschliesslich legalen Mitteln für die Rechte der Farbigen aufkam -- und sehr viel erreicht hat. ► Martin Luther King wurde sogar Nobelprize Winner, M. Little wurde lediglich Muslim. ► Martin Luther King hat in den USA seinen eigenen "Day" : den " Martin-Luther-King-Day", an dem er in den USA gefeiert und geehrt wird. ► M. Litte ist kein ehrenswerter; jemand, er ist ein vergessener, gescheiteter Niemand; ( ein ' nobody' ) . Amerika hat ihn längst vergessen, der Rest der Welt erst recht. Er hat nichts erreicht; gar nichts. ► Nur Islamiq hat ihm vor ~ 5 Jr schon einmal ähnlich krampfhaft erdacht. ► Martin Luther King ist vielen zum unsterblichen Vorbild geworden; ► Der arme Little, er hat für nichts gelebt, ist Muslim geworden und hat sein Leben weggeworfen. Gruss, Kritika
19.05.18
23:56
Nursah sagt:
Weiße einfach so zu hassen ist eine Sache. Sie aber zu verachten wegen ihrer Handlungen, wegen dem was sie andersfarbigen antun ist menschlich. Eine nicht gute Seite der Menschen, aber er war eben auch nur einer von uns. Doch am Ende hat er es verstanden, dass er dadurch kein Deut besser war wie sie! Und nur, allein nur deine Gegenwart zählt solange du deine Vergangenheit berreust!
20.05.18
19:47
Andreas B sagt:
@Nursah Sie wissen schon, dass Sie mit ihrem ersten Satz rassistisch sind?! Es sei denn, Sie meinen nicht die Weißen ansich, sonder die konkreten Weißen, die andersfarbigen Menschen etwas antun. Malcolm X jedoch hat alle Weißen gehasst (bevor er in Mekka war). Und damit war er lange Zeit nun einmal ein Rassist. Das zu verschweigen oder kleinzureden ist sträflich. Es gibt aber im übrigen auch genug andersfarbige Menschen, die anderen andersfarbigen Menschen so einiges antun.
22.05.18
11:21