Berlin

Grüne wollen kein Kopftuchverbot für Lehrerinnen

Die Berliner Grünen wollen im Rahmen ihres Integrationskonzeptes das Neutralitätsgesetz überdenken und das Kopftuchverbot für Lehrerinnen aufheben.

04
12
2017
Lehrerin mit Kopftuch abgelehnt
Lehrerin mit Kopftuch abgelehnt © by Marco Verch auf flickr, bearbeitet iQ

Die Berliner Grünen wollen ein Konzept für die erfolgreiche Integration von Zuwanderern entwickeln. Es gebe viele Themen, an denen gearbeitet werden könne, sagte Landeschef Werner Graf auf dem Landesparteitag am Samstag in Berlin. „Es ist wichtig, dass wir das auf Senatsebene in ein Gesamtkonzept einfließen lassen.“

Hierfür müsse auch das Neutralitätsgesetz, das Lehrern das Tragen religiöser Symbole verbietet, überdacht werden. Die Bildung müsse neutral sein, das lasse sich jedoch nicht an Kleidungsvorschriften festmachen, argumentiert die Partei. „Ich möchte, dass es Lehrerinnen mit Kopftuch an Berliner Schulen gibt“, sagte die ehemalige Landeschefin Bettina Jarasch. „Was wir brauchen, sind Regelungen, die religiöse Manipulation wirksam ahnden, anstatt einen Kulturkampf um das Kopftuch zu führen.“ Die Frage gilt in der Partei als stark umstritten. Die erwartete Debatte unter den 130 Delegierten blieb aber weitgehend aus. Zuletzt hatten mehrere muslimische Kopftuchträgerinnen, die als Lehrer abgelehnt worden waren, auf dem Klageweg Entschädigungen erstritten.

Außerdem soll etwa die Anerkennung von Qualifikationen verbessert, Integrationskurse überarbeitet und Kinder schneller in Kitas und reguläre Schulklassen aufgenommen werden. Auch die Unterstützung von Sportvereinen und die bessere Zusammenarbeit mit Migrantenorganisationen stehen in dem Antrag, der von den Delegierten einstimmig angenommen wurde. (dpa/iQ)

Leserkommentare

Rerun sagt:
„Was wir brauchen, sind Regelungen, die religiöse Manipulation wirksam ahnden, anstatt einen Kulturkampf um das Kopftuch zu führen.“ ' Eine Lehrerin mit Kopftuch ist bereits religiöse Manipulation. Wie stellt sich das Frau Jaresch eigentlich vor? Dürfen demnächst Privatunternehmen an den Schulen Prospekte verteilen und den Unterricht sponsoren und Frau Jaresch verhindert dann, dass werbliche Manipulation stattfindet?
04.12.17
13:44
Ute Fabel sagt:
Gegen Rüdiger Haider, Sohn des FPÖ-Abgeordneten Roman Haider, ist vom österreichischen Heer erst vor wenigen Tagen - wie ich meine völlig zu Recht - ein Disziplinarverfahren durchgeführt worden, weil er aufgrund seiner weltanschaulichen Überzeugung eine Burschenschafter-Schleife an die Heeresuniform ansteckte. Burschenschafter-Schleifen bei Soldaten, Polizisten, Richtern und Lehrern sind genauso unangebracht wie Kopftücher bei Soldatinnen, Polizistinnen, Richterinnen und Lehrinnen. Wer den Staat repräsentieren will, hat ein religiös und weltanschaulich neutrales Erscheinungsbild zu wahren. Andernfalls disqualifiziert sich diese Person selbst für diesen Job. Es ist sehr bedauerlich, dass es bei den Grünen Politiker gibt, die sich von dogmatisch-religiösen Lobby-Interessen manipulieren lassen, die auf eine Sonderbehandlung abzielen.
04.12.17
14:03
Mads sagt:
Eine Lehrerin sollte zum deutschen Grundgesetz stehen. Mit dem Tragen des Kopftuchs zeigt sie aber unmissverständlich, dass die Scharia für sie an erster Stelle steht und nicht das Grundgesetz. Im übrigen wird der Kulturkampf um das Kopftuch von den Moslems geführt.
04.12.17
17:14
Manuel sagt:
Genau falsch, ich weiß nicht warum die Grünen so gegen den Laizismus sind!
04.12.17
19:19
Frederic Voss sagt:
Religiöse Symbole sind Herrschaftssymbole, sie drücken die Anerkennung einer höheren Macht aus. Lehrerinnen stellen Autoritäten in der Schule dar, sie stehen den Schulklassen vor. Sollen ausgerechnet umstrittene islamische Herrschaftssymbole in Deutschland der Schülerschaft vorgeben, was letztlich wirklich zählen soll? Ich würde definitiv eigene Kinder nicht von Personen mit islamischen Herrschaftssymbolen unterrichten bzw. unterweisen lassen. Diese Freiheit nehme ich mir. Die Grünen werden sicherlich aus Toleranzgründen Verständnis dafür haben.
05.12.17
4:27
Kritika sagt:
L.S. Über 100 friedliche Kirchen und Sekten sind in Deutschland registriert. Alle tragen wie selbstverständlich neutrale Kleidung und zwar überall. Da ist es der einzigen nicht friedlichen Sekte ebenso zuzumuten, wenigstens in Schulen und Unis ReligionsNeutrale Kleidung zu tragen. Gruss, Kritika
05.12.17
23:32