Radikalisierung

Ednan Aslan veröffentlicht neue Studie

Der umstrittene Wissenschaftler Ednan Aslan hat eine Studie zur „islamischen Radikalisierung“ herausgegeben. Die Ergebnisse der Studie widersprechen bisherigen Forschungen zum Thema.

02
08
2017
Was treibt junge Männer in die Radikalisierung?
Was treibt junge Männer in die Radikalisierung? © shutterstock, bearbeitet by IslamiQ

Der Verfasser der umstrittenen und viel kritisierten Kindergartenstudie, Prof. Ednan Aslan von der Universität Wien, veröffentlichte eine weitere Studie, diesmal zu dem heiklen Thema der Radikalisierung von Muslimen. Währenddessen ist die Prüfung der vom Integrationsministerium in Auftrag gegebenen Kindergartenstudie durch die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität ist noch nicht abgeschlossen. Auftraggeber der neuen Studie ist das Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF), das ebenfalls zum österreichischen Außen- und Integrationsministerium gehört. Auf die parlamentarische Anfrage durch die Partei NEOS wurde der Link zur Studie durch das Ministerium nun veröffentlicht.

Zentrales Ergebnis der 300-seitigen Studie ist die Erkenntnis, dass radikale Jugendliche gut über den Islam informiert seien. Damit widerspricht Aslan den Ergebnissen anderer Studien zu diesem Thema, wie beispielsweise von dem deutschen Wissenschaftler Michael Kiefer von der Universität Osnabrück. Kiefer zufolge gehen die Islamkenntnisse radikalisierter Jugendlicher selten über Basiskenntnisse hinaus.

In einer Studie vom Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie wurden teilweise dieselben Jugendlichen befragt wie in Aslans Studie. Die Autoren der Studie kommen allerdings zu teilweise anderen Ergebnissen. „Bei den Meisten hatte ich eher den Eindruck, dass es sich um eine oberflächlich gelebte Form der Religiosität oder sogar um relativ wenig Bezug zur Religion handelt, einen gewissermaßen kulturell gelebten Islam“, meint Co-Autor der Studie Thomas Schmidinger gegenüber „ORF Wien“.

Aslan befragte für seine empirische Studie 29 Jugendliche mit dem Ziel der „Untersuchung der Rolle der Religion in islamistischen Radikalisierungsprozessen“. In Form von Biografieforschung wurden im Frühling 2016 narrative Interviews mit Jugendlichen aus Gefängnissen und Jugendeinrichtungen durchgeführt. Diese wurden von Aslan verschiedenen Stufen der Radikalisierung zugeordnet. Dabei sollen sich die befragten Jugendlichen während ihrer Radikalisierung aktiv mit der Religion und der Theologie des Islams befasst haben. Die Radikalisierung sei allerdings nicht isoliert erfolgt, sondern durch ein extremistisches, soziales, mediales oder gar familiäres Umfeld. „Innerhalb des radikalen Milieus spielen bestimmte Moscheen, die eine Lehre verbreiten, die unausweichlich zum Salafismus führt, sowie religiöse Autoritäten eine zentrale Rolle“, heißt es in der Studie.

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
Meiner Auffassung nach leben nicht die wenigen Radikalen, sondern die vielen friedlichen Muslime eine oberflächlich gelebte Form der Religiosität mit relativ wenig Bezug zur Religion, einen von aufgeklärtem Gedankengut stark verwässerten Islam. Ich finde Herrn Mouhanad Khorchide und die Botschaft seines Buchs "Islam ist Barmherzigkeit" höchst sympathisch. Allerdings meine ich, dass sein Islam nicht der des Korans ist. Ich finde, dass er mit diesem Buch vielmehr seine eigenen ethischen Maßstäbe unserer aufgeklärten Gesellschaft in den Koran hineinprojeziert. Das ist zwar sehr nett, aber intellektuell nicht ehrlich. Die Salafisten liegen mit ihrer Auslegung meiner Überzeugung nach weit näher am Wortlaut des Korans als Herr Khorchide.
03.08.17
11:10
Andreas sagt:
@Ute Fabel: Da ist bei Ihnen wohl der Wunsch Vater des Gedanken. Ihnen passt aufgrund Ihrer Religionsfeindlichkeit natürlich ein radikaler Islam besser ins Weltbild. Also erklären Sie kurzerhand die Salafisten zu den wahren Muslimen und blasen damit ins gleiche Horn, wie eben diese Salafisten. Die Mehrheit der Muslime erklären Sie einfach mal zu Ahnungslosen, die ihre eigene Religion nicht verstehen. Und schon können Sie den Islam verteufeln.
03.08.17
15:26
Manuel sagt:
@Andreas: Uns Sie verteufeln jeden, der sich für einen konsequenten Säkularismus einsetzt und sich kritisch mit den mittelalterlichen islamischen Dogmen auseinandersetzt, also kehren Sie mal vor Ihrer eigenen Tür.
03.08.17
19:03
Johannes Disch sagt:
@Andreas (Ihr P vom 03.08.17, 15:26) Prima auf den Punkt gebracht.
04.08.17
19:41
Johannes Disch sagt:
Es gibt nicht "Den Islam." Der Islam ist nicht monolithisch. Und wer ihn essentialsiert, der wird nicht nur dem Gegenstand nicht gerecht, sondern fördert damit auch Ressentiments gegen eine Weltreligion und seine 1,5 Milliarden Gläubigen. Und genau das ist das letzte, was wir heutzutage brauchen können. Es braucht Differenzierung, Rationalität und Wissen über die andere Kultur, um friedlich miteinander leben zu können. Der Islam ist mehr als nur der Koran. Der Islam ist eine Weltzivilisation und ein kulturelles System. Der Islam ist eine Religion mit vielen unterschiedlichen historischen Perioden und unterschiedlichen lokalen Facetten. Der afrikanische Islam beispielsweise unterscheidet sich erheblich vom arabischen Islam. Eine Religion wird mit einheimischen Riten und Gebräuchen vermengt, so dass eine eigene lokale Variante entsteht. Eine Religion wird "indigenisiert", so der Fachbegriff. So, das war ein bisschen Religionssoziologie. Ich belasse es bei diesen kurzen Anmerkungen. Alles andere würde zu sehr ins Detail führen. Zudem gibt es eklatante Unterschiede zwischen einem orthodoxen Islam, einem konservativen Islam, einem salafistischen Islam, einem liberalen Islam. Nicht jeder Fundamentalist/Salafist ist ein Djihadist/Terrorist, aber jeder Djihadist ist ein Fundamentalist/Salafist. Aber auch das würde zu sehr ins Detail führen.... Und dann gibt es da noch die große Menge an islamischen Theologen und Philosophen, die ihre Religion bereichert und erweitert und verändert haben: Ibn Sina, Ibn Rushd, Al Afghani, Ibn Khaldoun, etc. Auch das ist "Der Islam." Auch das gehört zum Islam. Und wie das zentrale Buch der Muslime-- der Koran-- zu verstehen ist, darüber streiten islamische Gelehrte nun seit ca. 1400 Jahren. Und wer behauptet, er hätte die letzte und endgültige und Interpretation, der ist ein Fundamentalist. Man kann den Koran nicht einfach so aufschlagen und sich irgendwelche Suren rauspicken, die einem in den Kram passen. Man etwas über den Hintergrund seiner Entstehung wissen. Und vor allem über seinen Aufbau. Querreferenzen zwischen den Suren, etc. Es gibt im Islam nur 5 Dinge, die für alle Muslime verbindlich sind, und das sind die "5 Säulen." Was das ist, das wurde schon zur Genüge hinreichend erläutert, weshalb ich es mir hier erspare. Und diese "5 Säulen" sind problemlos mit der Demokratie vereinbar. Und genau so verstehen und leben die meisten Muslime in Europa und in Deutschland ihre Religion. Zu behaupten, der IS wäre näher dran an der richtigen Interpretation als liberale Auslegungen des Koran, das ist keine Religionskritik, sondern Rassismus in der Maske der "Religionskritik."
04.08.17
20:18