Österreich

Imame unterzeichnen Deklaration gegen Terrorismus

Die Imame der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreich (IGGÖ) beziehen in einer Deklaration Stellung gegen Terror und Extremismus.

07
06
2017
Gutachten der IGGiÖ
Gutachten der IGGiÖ - Islamische Glaubensgemeinschaft i Österreich © www.derislam.de

Die Islamische Glaubensgemeinschaft Österreich (IGGÖ) bezieht Stellung gegen Terrorismus: Alle 300 der IGGÖ zugehörigen Imame wollen eine Deklaration gegen Terror und Extremismus unterzeichnen, berichtete die Zeitung „Kurier“. Am 14. Juni kommen die Imame dafür im Islamischen Zentrum in der Moschee in Wien-Floridsdorf zusammen. Bisher differenziere die österreichische Bevölkerung noch zu wenig zwischen Terror und der friedlichen Religion Islam, begründete IGGÖ-Präsident Ibrahim Olgun die Aktion, die von den Imamen selbst initiiert wurde.

„Wir haben mit Terroristen, die unsere Religion für ihre Zwecke missbrauchen nichts zu tun, wir gehören nicht zueinander“, betont derösterreichische Imam Ramazan Demir gegenüber dem „Krier“. „Aber weil uns die Menschen mit den Terroristen in einen Topf werfen, müssen wir aktiv und deutlich sichtbar Stellung beziehen“, so Demir weiter. Angst in Folge von Anschlägen sei berechtigt, aber man dürfe „nicht in Panik zu verfallen, zu verallgemeinern und alle Muslime kollektiv für den Terror verantwortlich zu machen.“ Ganz im Gegenteil, Muslime seien selbst Opfer von Extremismus und Terror. Der IS verübe regelmäßig Anschläge in muslimisch geprägten Ländern. Deshalb warnt die Religionsgemeinschaft vor einer „pauschalisierten Stigmatisierung der muslimischen Bevölkerung“

Beschönigen wolle man bei der IGGÖ aber nichts. Zwar würden die eigenen Imame und Religionslehrer gegen Extremismus ankämpfen. „Es gibt in Österreich aber auch illegale Hinterhofmoscheen, in denen nicht anerkannte Imame predigen“, so Olgun. Die Deklaration sei daher auch eine Klarstellung an diese „schwarzen Schafe“.

Weitere Aktionen geplant

Die Deklaration, die an sämtliche Parlamentarier, die Medien sowie die anderen Religionsgemeinschaften übermittelt wird, soll nicht die letzte Aktion dieser Art bleiben. Noch im Sommer ist eine Menschenkette vom Islamischen Zentrum zur nächsten katholischen Pfarrei geplant.

Ein Zeichen der Trauer und der Solidarität mit den Terroropfern wurde bereits in der Schura-Moschee in Wien-Leopoldstadt gesetzt. Im Rahmen der Ramadan-Nachtgebete wurden Kerzen entzündet sowie Plakate mit den Aufschriften „Nein zu Terror“ und „Nicht in meinem Namen“ ausgehängt, berichtete der Wiener Gemeinderat Omar Al-Rawi (SPÖ).

Für Mittwochabend lud die IGGÖ zu einem Iftar-Empfang, dem traditionellen Fastenbrechen während des Ramadan, – mit prominenter Besetzung: Neben IGGÖ-Präsident Olgun werden auch Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) sowie der Generalsekretär der katholischen Bischofskonferenz, Peter Schipka, Reden halten. (KNA/iQ)

Leserkommentare

Mads sagt:
Die Muslime in Österreich "warnen" vor einer pauschalisierten Stigmatisierung der muslimischen Bevölkerung? Eine Warnung unterscheidet sich in diesem Fall wohl kaum von einer Drohung. Muslime drohen also den Einheimischen. Das würde ich allerdings keineswegs friedlich nennen.
07.06.17
14:29
Simon Stylos sagt:
Bezugnehmend auf den Leserkommentar von Mads und seiner Auslegung von "warnen", kann ich nur frei nach Goethe sagen: Bei der Exegese da sei munter, legst du es nicht aus, dann leg was unter!
08.06.17
10:41
Johannes Disch sagt:
@Mads Eine Warnung ist keine Drohung.
08.06.17
11:59