Altdorf

Bürgermeister distanziert sich von „Islamschweinerei“-Aussage

Demos und Rücktrittsforderungen statt Dialog zwischen Christen und Muslimen: Ein Abend mit dem Vorsitzenden des ZMD am Reformationstag in der Stadtkirche von Altdorf hat ungeahnte Folgen.

31
10
2016
Aiman Mazyek © Christliches Medienmagazin Pro auf flickr, bearbeitet by IslamiQ.

Der erste Bürgermeister der Stadt Altdorf, Erich Odörfer (CSU), hat sich von der „Islamschweinerei“-Aussage eines seiner Stellvertreter distanziert. Diese und weitere Formulierungen seien „falsch und nicht angebracht“ gewesen, schrieb Odörfer am Montag in einer im Internet veröffentlichten Erklärung. Der dritte Bürgermeister Johann Pöllot (CSU) hatte eine für Montagabend geplante Veranstaltung mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, in der Altdorfer Stadtkirche als „Islamschweinerei am Reformationstag“ bezeichnet, sich später jedoch dafür entschuldigt.

Verschiedene Gruppen haben inzwischen für den Abend zu Demonstrationen aufgerufen. Unter dem Motto „Keine Islamschweinerei in Altdorf“ wurde eine Pegida-nahe Veranstaltung mit 20 bis 50 Teilnehmern angemeldet. Das Altdorfer Bündnis für Toleranz und Respekt rief zu einer Gegendemo auf und erwartete nach Polizeiangaben 600 bis 800 Teilnehmer. Damit solle ein klares Zeichen gegen Pegida und für den Dialog gesetzt werden, hieß es in einem Facebook-Aufruf.

Bürgermeister Odörfer schrieb in seiner Erklärung, als gläubiger Christ begrüße er den Dialog zwischen den Religionen: „Nachhaltig stabile und friedliche Lösungen kann es nur geben, wenn sich alle beteiligten Seiten austauschen und wiederum auch alle aufeinander zugehen.“ Wie man zu dem gewählten Ort und Zeitpunkt dieses Dialogs stehe, müsse jeder für sich selbst entscheiden – es gebe gute Argumente für beide Auffassungen.

Altdorf sei bekannt für sein offenes Weltbild und keineswegs islamfeindlich. In den vergangenen Jahren habe die Gemeinde bei Nürnberg zahlreiche Flüchtlinge aufgenommen, von denen viele aus muslimischen Ländern gekommen seien. „Altdorf ist bunt und so soll es auch bleiben, dazu stehe ich auch in Zukunft“, schrieb Odörfer.

Die SPD forderte den Rücktritt von Bürgermeister Pöllot. Er verstoße mit seinen Äußerungen gegen Religionsfreiheit und demokratische Grundwerte, sagte die Altdorfer Parteivorsitzende Kerstin Pommereit „Nordbayern.de“. „Ich fordere Herrn Pöllot deswegen auf, von seinem Amt als Dritter Bürgermeister zurückzutreten und auch sein Stadtratsmandat niederzulegen.“ Der Fraktionsvorsitzende Martin Tabor sieht laut dem Internetportal das Ansehen der Gemeinde schwer geschädigt: „Für viele Bürger und Stadträte sind seine Aussagen unerträglich, so dass eine weitere Zusammenarbeit mit Pöllot in seiner Funktion als Dritter Bürgermeister unmöglich erscheint.“ (dpa, iQ)

Leserkommentare

Johannes Disch sagt:
Na ja, "Pegida" eben... Was will man da auch erwarten... Von wegen "besorgte Büger...." Es haben sich aber erfreulicherweise auch zahlreiche Gegendemonstranten angemeldet, die den Auftritt von Mazyek begrüßen.
31.10.16
21:39
portago sagt:
Diese Bezeichnung seitens des Dritten Bürgermeisters ist natürlich obsolet. Aber es ist nur eine geschmacklose Aussage, die niemanden verletzte - aber auf die die SPD reflexartig ansprang. Man muss sich jedoch die Frage stellen, ob der Reformationstag in einer Kirche wirklich unter dem Mäntelchen des "Dialogs" zusammen mit Moslems begangen werden muss. Denn es muss doch nicht zwanghaft etwas zusammengeführt werden, was partout nicht zusammen gehört! Man kann doch auch in Frieden nebeneinander leben, ohne dass christliche Gutmenschen permanent ihre eigenen Gemeinden bedrängen müssen!
28.03.17
22:39