Ministerpräsident

Weil will mehr Chancen für Muslime

Für seine Forderung nach mehr Integration von Muslimen erhält Ministerpräsident Weil die Unterstützung der islamischen Religionsgemeinschaften. Statt bloß zu reden, müsse die Politik aber auch handeln – nicht nur beim Staatsvertrag, sondern auch bei der muslimischen Jugendarbeit.

21
10
2016
Stephan Weil© by SPD Niedersachsen auf flickr.de, bearbeitet by IslamiQ

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat bessere Chancen für die Integration von Muslimen gefordert – diese aber pochen inzwischen auf Taten statt Worte von der Politik. „Viele Muslime in Deutschland sind derzeit unglücklich. Sie werden verantwortlich gemacht für Terrorismus, sind Opfer islamkritischer Anfeindungen, und man kreidet ihnen die innenpolitische Situation in der Türkei an“, sagte Weil der Deutschen Presse-Agentur in Hannover.

Gerade junge Muslime müssten erleben, dass sie in diesem Land eine echte Chance hätten. „Je weniger sie den Eindruck haben, aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Herkunft benachteiligt zu sein, desto größere Chancen haben wir, dass sie sich nicht von unserer Gesellschaft abwenden“, sagte der SPD-Politiker.

Die stellvertretende Landesvorsitzende der Türkisch-Islamischen Union (Ditib), Emine Oğuz, sprach von „schönen politischen Floskeln, die nicht falsch sind“, bei denen sich aber die Frage der Umsetzung stelle. „Die Politik muss nicht darüber reden, sondern handeln.“ Sie rief die Landesregierung dazu auf, den ausgearbeiteten Staatsvertrag mit den islamischen Religionsgemeinschaften endlich zu unterzeichnen.

Um mehr Unterstützung bat Oğuz für die muslimische Jugendarbeit, die bislang rein ehrenamtlich erfolge und wozu hauptberufliche Mitarbeiter nötig seien. „Wir können uns das nicht leisten.“ Weiter ausgebaut werden sollten der islamische Religionsunterricht sowie die Islamische Theologie an der Universität Osnabrück. Die islamischen Religionsgemeinschaften hätten sich sehr kompromissbereit bei den Verhandlungen zum Staatsvertrag gezeigt und sich bei der Antiradikalisierungsstelle eingebracht. Für eine Verbesserung der Lage der Muslime sei nun auch die Politik am Zug: „Der Ministerpräsident ist die Person, die das umsetzen kann, er hat die Macht dazu.“(dpa/iQ)

Leserkommentare

Manuel sagt:
Die Moslems haben sich unserem System anzupassen und nicht wir ihren mittelalterlich-islamischen! Und solange islamische Organisationen wie Ditib aus dem Ausland finanziert oder gesteuert werden, kann es keine wirklich Integration geben.
21.10.16
20:16
Ali Simirliogliu sagt:
Ditib fordert Staatsvertrag mit islamischen Religionsgemeinschaften und Ausbau von islamischem Religionsunterricht. Die Politik müsse handeln. Serdar Somuncu - Schriftsteller, Regisseur, Musiker, Schauspieler, Kabarettist - vertritt dagegen diese Ansicht: Religionsunterricht hat an Schulen gar nichts zu suchen. Weiter sagte er: Ditib repräsentiert überhaupt nicht alle gläubigen Ausländer in Deutschland, sondern nur eine Minderheit und tut so, als wäre sie Repräsentant einer Mehrheit. Religion wird hier zum Politikum. Ethik-Unterricht, Sprach-Unterricht sollten Vorrang haben. Bei YouTube sind entsprechende Videobeiträge mit ARD-Tagesthemen-Interviews etc. zu finden.
21.10.16
23:24
Ute Fabel sagt:
@ Ali Simirliogliu: Ich bin auch der Überzeugung, dass konfessioneller Religionsunterricht- weder christlicher noch islamischer - in der Schule nichts zu suchen hat. Das Ideal einer konsequenten Trennung von Staat und Religionen sollte nicht verwässert, sondern weiterentwickelt werden. Religionsunterricht in den Schulen bedeutet nicht mehr Chancen für Muslime, sondern mehr Einfluss von konservativen Islamverbänden. Ich bin dafür, dass es in den Schulen einen konfessionsübergreifenden Ethikunterricht gibt. Das ist wesentlich integrativer. Die Schule soll das Denken anregen und nicht das Glauben an eine Religion fördern, die sich die Schüler meistens nicht selbst ausgesucht haben sondern in die sie einfach hineingeboren wurden.Natürlich gefällt das weder dem christlichen Klerus noch dem Islamverbänden, aber denen geht es ja um ihre eigenen Lobbyinginteressen.
25.10.16
8:17