Berlin

„Der Islam gehört zu Merkel, aber nicht zu Deutschland“

Mindestens 1 800 Rechtspopulisten und vier Mal so viele Gegendemonstranten sind am Samstag durch Berlin gezogen. Auf dem Plakat einer älteren Frau stand: „Der Islam gehört zu Merkel, aber nicht zu Deutschland.“

08
05
2016
Brandeburger Tor © by edwin.11 auf Flickr (CC BY 2.0), bearbeitet islamiQ

Tausende haben in der Berliner Innenstadt gegen einen Aufzug rechtspopulistischer Gruppen protestiert. Nach Schätzungen der Polizei schlossen sich rund 7500 Menschen zwei Gegenkundgebungen an, um ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus zu setzen. Dem Marsch der Rechtspopulisten unter dem Motto „Merkel muss weg“ folgten rund 1000 Menschen, angemeldet hatten die Veranstalter 5000 Teilnehmer.

Insgesamt seien die Demonstrationen weitgehend störungsfrei verlaufen, sagte Polizeisprecher Wilfried Wenzel am Abend. So friedlich wie am Anfang seien sie aber nicht geblieben. So habe ein Teilnehmer der Rechtspopulisten-Demo den flüchtlingspolitischen Sprecher der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus, Hakan Taş, in einem Supermarkt den Ellenbogen in die Bauchgegend gestoßen. Taş erstattete Anzeige. Zudem seien Flaschen aus den Reihen der Gegendemonstranten geflogen, die versuchten, Polizeiabsperrungen in Richtung des Rechten-Aufzugs zu überwinden. Kurze Zeit sei die Stimmung dabei sehr aggressiv gewesen.

Die Demonstration unter dem Motto „Merkel muss weg“ hatte das Bündnis „Wir für Berlin & Wir für Deutschland“ angemeldet, das mit rechtspopulistischen Bewegungen wie etwa „Pro Deutschland“ zusammenarbeitet. Aus dem Aufzug schallten Rufe wie „Heimat“, „Freiheit“ und „Lügenpresse“. Auf dem Plakat einer älteren Frau stand: „Der Islam gehört zu Merkel, aber nicht zu Deutschland.“ Die Demonstranten sprachen sich untereinander als „Patrioten“ an, verlasen das Böhmermann-Schmähgedicht und schwenkten Deutschland-Fahnen. (dpa,iQ)

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
Ich bin absolut kein Anhänger dieser rechtspopulistischen Gruppen.Das Böhmermann-Schmähgericht- wie immer man dazu steht- richtet sich aber nicht gegen eine Religion, sondern einen Poliker, dem man zumindest autoritäre Züge nachsagen kann. Abgesehen davon kann man Religionen auch pauschal ablehen, das ist Bestandteil der Meinungsfreiheit. Man kein auch der Meinung sein, Scientology oder die Zeugen Jehovas widersprechen von ihren Glaubeslehren deutschen Grundwerten und das öffentlich kundtun. Was ist so schlimm daran, wenn jemand sagt, der Islam passe nicht in sein Wertesystem? Ich habe schon den Eindruck, dass der Islam gerne die Rolle einer unantastbaren heiligen Kuh in Anspruch nehmen möchte, wie dies in manchen Religionsdiktaturen der Fall ist. Das ist aber einer pluralistischen Demokratie nicht garantiert.
12.05.16
14:10