Sachverständigenrat

Nachbesserungen in Religionsfreundlichkeit nötig

Deutschland wird multikulturell und multireligiös. Dem Staat empfiehlt der Sachverständigenrat der deutschen Stiftungen, Erwartungen an die Glaubensgemeinschaften zu formulieren und Nachbesserungen in Religionsfreundlichkeit zu entwickeln.

28
04
2016
Symbolbild: muslimische Frauen, Kopftuch, Kopftuchverbot
Symbolbild: muslimische Frauen, Kopftuch, Kopftuchverbot © shutterstock

Wissenschaftler gehen davon aus, dass es eine stärkere Säkularisierung der Gesellschaft gibt. Aus dieser Tatsache anzunehmen, dass das Religiöse an Bedeutung verliert, sei aber falsch. Deutschland befinde sich in einem Stadium des Übergangs, so der Sachverständigenrat der deutschen Stiftungen (SVR). Folgerichtig trägt sein in Berlin vorgestelltes Jahresgutachten den Titel: „Viele Götter, ein Staat: Religiöse Vielfalt und Teilhabe im
Einwanderungsland“.

Fakt sei aber, so die SVR-Vorsitzende Christine Langenfeld, dass immer mehr Deutsche auf eine „institutionelle Mitgliedschaft“ in einer Religion verzichteten. Dies spürten vor allem die Kirchen. Gehörten 1970 noch nahezu 95 Prozent der Bevölkerung einer der beiden großen Kirchen an, seien es heute bundesweit noch 65 Prozent.

Zugleich gebe es aber eine neue Religiosität: Der Islam sei hier heimisch geworden, so Langenfeld. Zudem habe sich das Judentum wieder neu etabliert. Sie plädierte dafür, auch diesen Religionen ähnliche Rechte wie den Kirchen zuzugestehen. Zugleich erteilte sie allen politischen Versuchen, den Islam auszugrenzen, unter Verweis auf das
Grundgesetz eine Absage. Die „Religionsfreundlichkeit“ in Deutschland habe sich zwar bewährt, so ein Fazit des Gutachtens. Es müsse aber „Nachbesserungen“ geben. Zudem finde Religionsfreiheit da ihre Grenzen, wo sie die Rechte anderer angreife. (KNA, iQ)

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
Ich kann keinen sachlichen Grund erkennen, der es rechtfertigt, Religionen und Kirchen besser zu stellen, als nicht religiöse Weltanschauungen. Es gibt viele nicht religiöse Organisationen, wie Ärzte ohne Grenzen oder Amnesty International, die mindestens ebenso nützliche Dinge machen wie die Religionsgemeinschaften und sogar weit integrativer sind.Auch wenn die Religionen durch den Humanismus und die Aufklärung offener und toleranter wurden, splitten sie die Gesellschaft doch eher auf. Praktisch wird Religion ganz überwiegend von Generation zu Generation vererbt und anerzogen. Ich wünsche mir ein einheitliches Religions- und Weltanschauungsgesetz mit gleichen Rechten und Pflichten für alle. Der Staat soll sich weder religionsfreundlich noch religionsfeindlich verhalten, sondern neutral - sowie auch gegenüber den nicht religiösen Weltanschauungen.
28.04.16
14:00
Grübler sagt:
Der Staat darf sich weder religionsfreundlich noch religionsfeindlich verhalten. Er muss sich neutral verhalten. Das bedeutet auch, dass wie in Frankreich und bis vor kurzem auch in der Türkei das Anbringen religiöser Symbole in staatlichen Einrichtungen und das Tragen religiös geprägter Kleidung bei Staatsbediensteten untersagt werden sollte.
27.05.16
11:42