Wuppertal

Wegen Kopftuch suspendiert

In Wuppertal wurde eine muslimische Schülerin wegen ihres Kopftuches von einer Hauptschule suspendiert. Nach Eingreifen des Schulamtes Düsseldorf und des Zentralrats der Muslime wurde das Kopftuchverbot wieder aufgehoben.

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2015
Kopftuch Muslima Pride
Symbolbild: Junge Frauen mit Kopftuch halten Plakate hoch und demonstrieren für ihr Recht selbst zu bestimmen wie sie sich für Frauen einsetzen
© MuslimaPride

Eine Wuppertaler Hauptschule versuchte einer jungen Muslimin das Tragen eines Kopftuches zu verbieten. Die Schulleitung forderte die Eltern der 15-jährigen Schülerin in einem offiziellen Schreiben auf, das Mädchen an einer anderen Schule anzumelden. „Aus Respekt vor unserem Glauben gilt für unsere Schüler auf unserem Gelände ein Kopftuchverbot“, hieß es in dem Schreiben. Als die Schülerin am Montag in Begleitung ihres Bruders, dennoch mit einem Kopftuch zur Schule ging, wurde ihr der Zutritt ins Klassenzimmer verboten. Die Lehrerin erlaubte ihr nicht am Unterricht teilzunehmen.

Die Familie des jungen Mädchen zeigt sich entsetzt. „Es ist unfassbar. Wir leben seit 24 Jahren hier, sind gut integriert und haben so etwas noch nie erlebt“, äußerte sich der Bruder des Mädchens zu dem Vorfall. „Die Schulleiterin hat mich angeschrien, mein Verhalten sei respektlos dem Christentum gegenüber“, teilt die muslimische Schülerin mit.

Die Bezirksregierung Düsseldorf schaltete sich in diesem Fall ein und wies ausdrücklich darauf hin, dass es Schülern grundsätzlich erlaubt ist, im Unterricht ein Kopftuch zu tragen. „Das ist kein Grund, jemanden vom Unterricht auszuschließen“, so Walter Steinhäuser von der Oberen Schulaufsicht. Auch in der Schulordnung der katholischen Hauptschule gäbe es keinen Hinweis auf ein Kopftuchverbot für Schülerinnen.

Nach einem klärenden Gespräch zwischen den Eltern der Schülerin und der Schulleitung gestern, wurde die Suspendierung nun doch aufgehoben und das Mädchen wieder zum Unterricht zugelassen. Eine offizielle Stellungnahme oder Entschuldigung seitens der Schulleitung hat es jedoch nicht gegeben. „Die Schulleitung hat einen Rückzieher gemacht. Sie hat sich jedoch nicht entschuldigt und uns vorgeworfen, alles falsch verstanden zu haben, weil wir kein deutsch verstünden“, kritisierte der Bruder der Schülerin das Gespräch.

„Wir waren entsetzt von dem Vorfall“, sagt der Landesvorsitzende des Zentralrats der Muslime Samir Bouaissa, der der Familie Beistand und Unterstützung zugesichert hatte. „Die Familie befürchtet Nachtteile für die Schülerin, und diese Sorge können wir ihr nicht nehmen.“ Er suchte in diesem Fall auch die Unterstützung von Seiten des Schulamts und der katholischen Kirche. „Wir sind auf einer Linie, dass sich niemand über das Grundgesetz hinwegsetzen kann und das Kopftuch kein Grund für einen Ausschluss ist. Wir haben hier einen regen Austausch und ein gutes Miteinander.“ so Bouaissa.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Wuppertal reagierte empört auf den Vorfall. „Erstaunlich ist das Vorgehen dieser öffentlichen katholischen Schule auch deshalb, weil nur noch gut ein Drittel ihrer Schülerschaft katholisch ist. Nur durch die Aufnahme nichtkatholischer Schüler konnte sie bisher ihre Existenz sichern“, äußerte sich Vorstandsmitglied Helga Krüger zu diesem Fall.

Der Schuldezernent Stefan Kühn kritisierte ebenfalls das Vorgehen der Schulleitung und spricht sich für Toleranz und Offenheit aus. „Es ist eine städtische Schule, die immer stolz darauf war, auch muslimische Kinder aufzunehmen. Diese Toleranz muss sie nun auch beweisen.“

Leserkommentare

Niels Dettenbach sagt:
Freiheit bedeutet nun mal auch, das Bürger das Recht auf ideologisch neutrale Beschulung von Kindern und Auftreten von öffentlichen Einrichtungen und Beamten haben. Bekenntnisse sind Privatsache eines jeden - egal ob Lehrer oder Schüler - also außerhalb der Schulunterrichtes. Weder öffentlich zur Schau getragene Kreuze noch Kopftücher haben daher in staatlichen Schulen oder Lehrern im Dienst etwas zu suchen.
11.11.15
21:08
Trara sagt:
@ Niels Dettenbach: Es handelt sich in diesem Fall nicht um eine staatliche Schule, sondern um eine katholische Hauptschule. Das wird in diesem Artikel nur nebenbei erwähnt. In Bekenntnisschulen dürfen Schülerinnen allerdings Kopftuch tragen, Lehrerinnen nicht. Trotzdem bleibt die Frage, warum das Mädchen nicht auf eine staatliche Schule geht, wenn sie ihren Glauben so betonen möchte? Nun ja, die "Wir sind Opfer"-Rufe waren recht laut und emotional. Also erfolgreich. Dennoch freut es mich, dass das Mädchen an einer christlichen Schule eine gute Schulbildung erhält.
11.11.15
23:08
Ute Fabel sagt:
In Frankreich sind Lehrer seit 1905, Schüler seit 2004 zu einem religiös und weltanschaulich neutralen Erscheinungsbild angehalten. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat dieser Regelung bereits sein Gütesiegel verliehen und sie in einem Prüfungsverfahren für menschenrechtskonform befunden. Das wäre auch in Deutschland wünschenswert. Es ist Ausdruck des Meinungspluralismus, dass jedes ideologische Symbol positive und negative Reaktionen auslösen kann. Das gilt für das muslimische Kopftuch genauso wie für kommunistische Blauhemden und deutschnationale Burschenschafterkappen. Privat kann und soll sich jede/r so herrichten wie er/sie will. Im öffentlichen Schulsystem, wo ganz unterschiedliche Menschen zusammengewürfelt sind, ist Zurückhaltung mit dem Zurschaustellen der eigenen Gesinnung geboten. Unverständlich erscheint im vorliegenden Fall, warum die Schülerin ausgerechnet eine katholische Schule besuchen möchte. Wäre so, wie wenn ein Atheist an einer solchen Schule tagtäglich einen Button mit der Aufschrift "Gottlos Glücklich" tragen möchte und sich als Diskriminierungsopfer fühlt, wenn das keine Begeisterungsstürme auslöst.
13.11.15
7:34
portago sagt:
Hauptschule. Sagt alles. Mehr braucht man auch nicht, um mit Kopftuch lebenslänglich von den Idioten jedweder Religion hier, die morgens um 5:30 Uhr aufstehen, arbeiten und Steuern zahlen, in diesem toleranten Gutmenschenstaat auskömmlich leben zu können.
30.03.17
13:08