Martins-Umzüge

Muslime verwundert über Vorstoß der Linkspartei

Martins-Umzüge aus Respekt gegenüber Muslimen und anderen Kulturkreisen umbenennen? Ein solcher Vorschlag aus der Linkspartei in Nordrhein-Westfalen sorgt für Empörung. Selbst Muslime können dem Vorschlag nichts abgewinnen.

06
11
2013
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Wer in Nordrhein Westfalen lebt, kann sie in diesen Tagen öfter beobachten. Laternenumzüge von Kindern, die an die Figur des christlichen Heiligen Sankt Martin erinnern. In dem bevölkerungsreichsten Bundesland der Republik sind solche Umzüge selbstverständlich und kaum jemand stört sich an diesen. Doch nun gibt es Ärger um einen Vorstoß aus der Linkspartei.

Der Chef der NRW-Linkspartei, Rüdiger Sagel, forderte im Gespräch mit RP-Online die Änderung des Namens der Umzüge – aus Rücksicht gegenüber Muslimen. Die St. Martins-Umzüge sollten kurzerhand in „Sonne-Mond und Sterne-Fest“ umbenannt werden, damit sich kein Kind ausgeschlossen fühle. Es gebe viele muslimische Kinder in NRW-Kitas und diesen „sollte man die christliche Tradition nicht aufdrängen“, erklärte Sagel.

Muslime kritisieren Vorstoß

Ali Kızılkaya, Vorsitzender des Islamrates für die Bundesrepublik, hält die angestoßene Debatte für unnötig. „Niemand sollte und muss seine Feste verändern. Was wir brauchen, ist mehr Respekt gegenüber den religiösen wie kulturellen Festen – von allen Seiten“, erklärte der Islamratsvorsitzende gegenüber IslamiQ. Fragen nach einer Abschaffung einer christlichen Tradition oder Namensänderungen würden sich dann laut Kızılkaya auch nicht stellen. Dennoch dürfe man Personen nicht zwingen, an solchen Veranstaltungen teilzunehmen, wenn sie dies nicht möchten.

Gegenüber der Zeitung Die Welt erklärte Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD), dass Sankt Martin ein katholischer Heiliger sei und dies für Muslime keinen Hinderungsgrund darstelle, an den Umzügen teilzunehmen. „Das Leben des heiligen Martin ist doch geradezu vorbildlich, auch für Muslime“, betonte der ZMD-Chef und sagte über seine Erfahrungen mit Martinsumzügen: „Ich habe gerne mit meiner Mutter in der Grundschulzeit mitgemacht.“

Sankt Martin (Martin von Tours) gehört zu den bekannten Heiligen der katholischen Kirche. Der Legende nach war Martinus ein römischer Offizier und lebte im vierten Jahrhundert. Er soll auf einer Reise seinen Mantel mit seinem Schwert geteilt haben, um es mit einem vom Erfrieren bedrohten Bettler zu teilen. Später wurde er Bischof von Tours. St. Martin wird sowohl in der katholischen, wie auch in den orthodoxen und evangelischen Kirchen verehrt. Er gilt als das Vorbild für den christlichen Gedanken des Teilens.

Scharfe Kritik aus der CDU

Heftige Kritik am Vorstoß äußerte vor allem die CDU-Bundestagsabgeordnete aus Hamm, Cemile Giousouf. Als Muslimin und Christdemokratin empfinde sie den Vorstoß der Linken als „vordergründigen und überflüssigen Klamauk.“ Es werde unter dem Deckmantel der Kultursensibilität versucht, Religion aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen.

„Kultursensibiliät bedeutet nicht, dass man seine eigenen religiösen Traditionen und Feste verleugnen muss. Zudem ist es in vielen Großstädten unserer vielfältiger werdenden Gesellschaft bereits gelebte Praxis, dass Kinder zusammen z. B. zu Sankt Martin Laternen basteln, das Lichterfest und das Ramadanfest feiern“, erklärte Giousouf weiter.

Heftiger Gegenwind

Die NRW-Linke muss sich derzeit mit massenhaften Beschwerden, aber auch Beschimpfungen auseinandersetzen. Anscheinend hat der Vorschlag von Sagel einen sog. Shitstorm ausgelöst. Telefonanrufe von wütenden Bürgern, E-Mails, Fax und Einträge auf sozialen Netzwerken sollen die Geschäftsstelle derzeit zusätzlich belasten.

Mittlerweile gibt es selbst aus der eigenen Partei Kritik am Vorstoß von NRW-Chef Sagel. Einige Linkspolitiker distanzierten sich vom Vorschlag, darunter auch die Bundestagsabgeordnete Sevim Dağdelen.