Ein Islamlehrer ist zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er mehrere Jungen missbraucht haben soll. Der Fall steht für schweren Machtmissbrauch.

Am Landgericht Ellwangen ist ein 35-jähriger Islamlehrer zu einer Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann über einen längeren Zeitraum hinweg mehrere Jungen schwer missbraucht und Gewalt gegen sie ausgeübt hat. Die Richter sprachen von einem „harten, aber notwendigen Urteil“ angesichts der Schwere und Vielzahl der Taten.
Insgesamt wurden dem Angeklagten 18 Fälle zur Last gelegt, darunter Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, schwerer Missbrauch sowie gefährliche Körperverletzung von Schutzbefohlenen und Kindern. Betroffen waren sieben Jungen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren. Zusätzlich verhängte das Gericht ein fünfjähriges Berufsverbot im Bereich der Betreuung männlicher Minderjähriger. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Die Taten ereigneten sich überwiegend in einem Schülerwohnheim in Giengen an der Brenz im Landkreis Heidenheim. Weitere Vorfälle wurden aus Stuttgart und Heidenheim bekannt. Laut Gericht folgte der Angeklagte dabei wiederholt einem ähnlichen Vorgehen: Er lockte die Jugendlichen nachts unter Vorwänden in sein Büro und nutzte dort seine Machtposition aus.
Neben den sexuellen Übergriffen wurde der Mann auch wegen massiver körperlicher Gewalt verurteilt. So soll er einzelne Opfer bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt haben. Das Gericht stellte fest, dass er gezielt seine Rolle als religiöse Autorität und Betreuer ausnutzte, um Kontrolle über die Jugendlichen auszuüben.
Während des Prozesses zeigte sich der Angeklagte teilweise geständig und kooperativ, was strafmildernd berücksichtigt wurde. Strafverschärfend wirkten hingegen der lange Tatzeitraum, die systematische Vorgehensweise sowie die Anzahl der Betroffenen. Zum Schutz der Opfer fand ein Großteil der Verhandlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Der Fall wurde bekannt, nachdem sich ein betroffener Jugendlicher an die Heimleitung gewandt hatte. Auch eine Mutter hatte zuvor verdächtige Nachrichten auf dem Handy ihres Sohnes entdeckt. Daraufhin wurde Anzeige erstattet und die Ermittlungen eingeleitet. Das betroffene Schülerwohnheim wurde nach Angaben des Trägervereins bereits Anfang des vergangenen Jahres geschlossen.