Rassismus

Beratungsstelle beklagt hohe Zahl rechtsgerichteter Gewaltakte

In Bayern jeden dritten Tag Menschen aus rassistischen, antisemitischen oder anderen rechten Motiven heraus angegriffen. Insgesamt wurden 164 Menschen angegriffen.

06
05
2024
Rechtsextremismus, Feindeslisten, Neonazi, Verfassungsschutz
Symbolbild: Rechtextremismus © by Matthias Liffers auf Flickr (CC BY 2.0), bearbeitet islamiQ

164 Menschen sind im vergangenen Jahr in Bayern außerhalb der Stadt München nach Darstellung der Beratungsstelle für rechte Gewalt (Beratung.Unterstützung.Dokumentation/B.U.D.) Opfer von Gewaltakten geworden. Die Zahlen zeigten, dass statistisch jeden dritten Tag Menschen aus rassistischen, antisemitischen oder anderen rechten Motiven heraus angegriffen wurden, teilte die Beratungsstelle am Montag mit.

Bei 53 Prozent der Taten sei der Hintergrund Rassismus gewesen. Das Spektrum reiche aber von gewaltbereiten Impfgegnern bis hin zu antisemitischen Straftaten. Taten im Stadtgebiet München werden nicht von der Beratungsstelle B.U.D., sondern von der Organisation Before erfasst und sind deshalb nicht Teil der Statistik.

Die Zahlen der Beratungsstelle sind deutlich höher als die in der polizeilichen Statistik, obwohl die Beratungsstelle nach eigenen Angaben die gleichen Kriterien anlegt. Der Verfassungsschutzbericht Bayern geht von 52 Gewalttaten in ganz Bayern im Jahr 2023 mit rechtsgerichteter Motivation aus. Das liegt unter anderem daran, dass die Beratungsstellen eigenen Angaben ihres Dachverbandes zufolge nach sorgfältiger Recherche auch Delikte dokumentieren, die nicht bei der Polizei zur Anzeige gebracht wurden. Es sei zu beobachten, dass die Polizei nicht alle Straftaten mit rechtsgerichteter Motivation auch als solche einstufe. Vergleichszahlen aus dem Vorjahr liegen bei B.U.D. nicht vor. 

Rund die Hälfte der Angriffe seien Körperverletzungsdelikte gewesen. Bei 54 Angriffen seien die Betroffenen Bedrohungen und Nötigungen ausgesetzt gewesen. „Durch die Veröffentlichung dieser Zahlen wollen wir auf die wirklich beängstigende hohe Zahl rechtsmotivierter Gewaltdelikte dringlich aufmerksam machen. Immer noch scheint rechte Gewalt nicht als solche wahrgenommen zu werden“, sagte B.U.D.-Vorstandsmitglied Jutta Neupert. (dpa, iQ)

Leserkommentare

Marco Polo sagt:
Im Bild oben ist der Schriftzug "NAZIS RAUS!" zu erkennen. Wie wäre es mal mit einem Foto, wo wir "ISLAMISTEN RAUS!" lesen können? Hier werden "rechtsgerichtete Gewaltakte" beklagt - in Verbindung mit einem sehr großen Spektrumsbogen, der von einer bayerischen Beratungsstelle weit gespannt wird. Eine sinnvolle Horizonterweiterung würde ich gerne jener Beratungsstelle mal als Aufgabe stellen. Dazu würde ich als Grundlage eine bestimmte Frage und eine bestimmte Antwort vorgeben, welche in der aktuellen ZDF-Reportage "Terrorgefahr in Deutschland" am 24.04.2024 auftauchten. Die ZDF-Frage lautete: "Wie schätzen Sie die Bedrohung durch Islamisten ein?" Die Antwort darauf gab Christoph de Vries (CDU) - MdB und Mitglied Parlamentarisches Kontrollgremium (PKGr): "Die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus ist gewaltig und anhaltend hoch - und das ist auch die Einschätzung der Sicherheitsbehörden in Deutschland. Denn wir haben im Bereich der anderen extremistischen Phänomene keine Bedrohung gleicher Art, die so massiv Leben und Tod von Menschen in Deutschland betrifft - das ganze Repertoire. Und das geht von radikalisierten Einzeltätern, die wahllos auf Menschen einstechen bis zu komplexeren Anschlagsvarianten mit Bombenanschlägen und ähnlichem." Am 02.05.2024 sagte der profunde Islamkenner Hamed Abdel-Samad im ZDF: "Ich halte alle Islamisten, die sich ein Kalifat wünschen, für rechtsradikal." - Das ist doch mal eine klare und erschreckende Ansage. Horizonterweiterungen sind immer gut.
07.05.24
2:44