Militärseelsorge

Bundeswehr erhält Militärrabbiner und bessere Angebote für Muslime

Die Bundeswehr erhält einen Militärrabbiner für die jüdischen Soldaten. Ein vergleichbares Angebot für muslimische Soldaten existiert bisher nicht. Möglichkeiten einer muslimischen Militärseelsorge sollen aber diskutiert werden.

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04
2019
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Militärseelsorge
Symbolbild: Bundeswehr, MAD © by Dirk Vorderstraße auf flickr, bearbeitet by IslamiQ.

Für die schätzungsweise rund 300 jüdischen Soldaten in der Bundeswehr soll es künftig Militärrabbiner geben. „Ein noch zu verhandelnder Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Zentralrat der Juden soll die Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und der Vertretung der jüdischen Glaubensgemeinschaften in Deutschland auf rechtlich solide Beine stellen“, teilte das Verteidigungsministerium am Dienstag in Berlin mit. Geplant seien zudem „verbesserte seelsorgerische Angebote“ für muslimische Soldaten.

Der Zentralrat der Juden soll nach Angaben des Ministeriums künftig Kandidaten für Militärrabbiner vorschlagen; die Auswahl erfolge durch die Bundeswehr. „Die Seelsorger sollen bei Bedarf auch in die Einsatzgebiete der Bundeswehr reisen.“ Die „fachliche Aufsicht über das theologische Wirken“ soll demnach beim Zentralrat liegen, die Dienstaufsicht über die Arbeit der Militärrabbiner bei der Bundeswehr. Zu Beginn sei eine niedrige einstellige Zahl an Militärrabbinern geplant, um Erfahrungen zu sammeln.

„Es erfüllt mich als Verteidigungsministerin mit Dankbarkeit und auch mit Demut, dass Frauen und Männer jüdischen Glaubens in unserer Bundeswehr dienen. Das zeigt auch, wofür unsere Bundeswehr steht“, erklärte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). „Wir wollen den jüdischen und muslimischen Kameradinnen und Kameraden innerhalb der Bundeswehr die geistliche Begleitung ermöglichen.“ Gerade in Zeiten, in denen „Antisemitismus, religiöse Polarisierung und Engstirnigkeit vielerorts auf dem Vormarsch“ seien, sei dies ein wichtiges Signal.

Mit Blick auf die Muslime hieß es aus dem Ministerium, dass mangels einer „zentralen Institution, die in Deutschland mit der notwendigen Repräsentativität für die muslimischen Glaubensrichtungen sprechen könnte“, aus rechtlichen Gründen aktuell kein Staatsvertrag geschlossen werden könne. Geplant sei aber, dass muslimische Geistliche über sogenannte Gestellungsverträge an die Bundeswehr gebunden werden sollten. Aktuell dienen den Angaben zufolge etwa 3.000 Muslime bei der Bundeswehr.

Zuletzt hatte es Vorschläge auch seitens des Zentralrats für eine mögliche jüdische Seelsorge in der Bundeswehr gegeben. Von Mittwoch bis Freitag veranstaltet er in Berlin eine Konferenz unter dem Titel „Militärrabbiner in der Bundeswehr. Zwischen Tradition und Herausforderung“. (KNA/iQ)