Gifhorn

Christlich-muslimische Kita eröffnet

Nach zwei Jahren Planung geht es los. In Gifhorn wurde die erste „Zwei-Religionen-Kita“ eröffnet. Ab August werden christliche, muslimische und konfessionslose Kinder betreut.

27
07
2018
Symbolfoto: Kindergarten, Kita © shutterstock, bearbeitet by iQ.
Symbolfoto: Kindergarten, Kita © shutterstock, bearbeitet by iQ.

Eine „Zwei-Religionen-Kita“ für Kinder aus christlichen, muslimischen und konfessionslosen Familien ist am Donnerstag in Gifhorn eröffnet worden. Die Initiatoren sprechen von einer bundesweit einmaligen Einrichtung. „Dass Religion bei uns im Vordergrund steht, unterscheidet uns von anderen Einrichtungen“, sagte Kita-Leiterin Linda Minkus bei der Eröffnungsfeier. Das sei für die Kinder schon im Morgenkreis spürbar, wenn Lieder mit christlichem und muslimischem Hintergrund gesungen würden.

Nach einer rund zweijährigen Planungsphase werden in der Kita ab August insgesamt 15 muslimische, christliche oder konfessionslose Kinder die Tagesstätte „Abrahams Kinder“ besuchen. Die ein bis fünf Jahre alten Kinder werden sich unter anderem damit beschäftigen, warum die einen Weihnachten, Ostern oder Ramadan feiern – und die anderen eben nicht.

Das Essen soll halal-zertifiziert sein, also auch den Speisevorschriften des Islam folgen. Und auch bei den vier Erzieherinnen sind die Religionen gleichmäßig vertreten. Hinter dem Projekt stehen die muslimische DITIB-Moschee in Gifhorn, die katholische St. Altfrid-Gemeinde und die evangelische Dachstiftung Diakonie.

Gemeinsames der Religionen überwiegt

„Ich möchte, dass meine Tochter früh mit anderen Religionen in Berührung kommt“, begründete Sophie Fritsche ihre Entscheidung, ihre Tochter Mabel-Lou anzumelden. Sie erhofft sich, dass so Missverständnisse und daraus entstehende Konflikte vermieden werden. Auch Ali Akdeniz verspricht sich viel von der interreligiösen Einrichtung und hat seinen Sohn Ensar schon für das nächste Jahr angemeldet. „Er wächst in Deutschland auf und soll seine muslimischen Wurzeln kennenlernen“, sagte Akdeniz. Der 29-Jährige hätte es sich sehr gewünscht, wenn das in seinem Kindesalter in Deutschland schon möglich gewesen wäre. „Ich durfte lernen, wer Martin-Luther war. Die anderen Kinder erfuhren aber nicht, was mein Zuckerfest ist.“

„Seitdem ich den Job angenommen habe, werde ich oft zu den Unterschieden befragt“, sagte Kita-Leiterin Minkus. „Als Antwort darauf, möchte ich aber das Gemeinsame betonen, weil es eindeutig überwiegt“, sagte die 29-Jährige, die zuvor in einer katholischen Einrichtung arbeitete. Klares Ziel der neuen Kita ist es, die verbindenden Elemente beider Religionen in den Kita-Alltag zu integrieren, damit die Kinder beide Kulturen näher kennenlernen können.

Anmeldungen sind Zeichen des Vertrauens

„Es ist doch mittlerweile völlig normal, dass muslimische Kinder in die Kitas gehen“, betonte Projektsprecherin Ingetraut Steffenhagen. Der einzige Unterschied sei, dass in der neuen Kita die Religion im Zentrum des Konzepts stehe, sagte sie. Die Hoffnung ist, dass es Eltern leichter fällt, sich zu engagieren, wenn sie wissen, dass die jeweilige Gemeinde dahintersteht. „Die Anmeldungen sind schon ein erstes Zeichen des Vertrauens“, meint Steffenhagen.

Die Eingewöhnung für die erste Gruppe beginnt schon in der nächste Woche. Zur Eröffnung gab es mit Pizza und Börek schon einen ersten Vorgeschmack. (dpa, iQ)

Leserkommentare

Frederic Voss sagt:
Wenn Kinder hier auch konfessionslose Religionensvarianten & Weltbilder gleichberechtigt kennenlernen und positiv bewerten können, dann wäre das schon ein Fortschritt. Hoffentlich agitieren sich die DITIB-Leute nicht dominierend in die bestimmende Hauptrolle und die anderen lassen sich das auch noch gefallen.
29.07.18
11:21
Johannes Disch sagt:
Ist ne prima Sache. So können sich Kinder unterschiedlicher Konfessionen kennenlernen.
29.07.18
22:57
Ute Fabel sagt:
@Johannes Disch: "So können sich Kinder unterschiedlicher Konfessionen kennenlernen" Es gibt keine 3-jährigen Sozialdemokraten, keine 8-jährigen AfDler und auch keine 5-jährigen Grünen. Folglich gibt es auch keine christlichen, jüdischen oder islamischen Kinder. Sprachlich korrekt sollte es daher heißen: "So können sich Kindern von Eltern unterschiedlicher Konfessionen kennenlernen" Bei Religionsgemeinschaften ist leider noch die große Unsitte verbreitet, sich bereits Kleinkinder mit altersbedingt mangelndem Urteilsvermögen einfach einzuverleiben.
31.07.18
11:14