Covid-19

Muslime rufen zu Corona-Aufklärung in Moscheen auf

Islamische Religionsgemeinschaften haben auf das Coronavirus reagiert. Gemeindemitglieder werden mit Präventionsmaßnahmen sensibilisiert. In einigen Ländern wurden zudem die Freitagsgebete abgesagt.

10
03
2020
Islamische Zentrum in Wien © Perspektif, bearbeitet by iQ.

„Um die Dynamik zu verlangsamen, müssen wir die Möglichkeiten des Coronavirus, sich im alltäglichen Kontakt der Menschen miteinander auszubreiten, verringern. Und dazu brauchen wir jeden einzelnen Bürger, der bereit ist, seinen Alltag anzupassen“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Montag in der Bundespressekonferenz zur aktuellen Lage des Coronavirus. Auch Vertreter der islamischen Religionsgemeinschaften in Deutschland rufen dazu auf, in den Moscheen über das Virus aufzuklären und die Gemeinden zu sensibilisieren.

Moscheen über Coronavirus aufklären

Der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland und die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) appellieren an die Moscheegemeinden, den Anweisungen der örtlichen Gesundheitsämter zu befolgen. „Die Zuständigkeiten im Fall einer bekanntwerdenden Erkrankung eines Mitglieds einer Moscheegemeinde liegt ausschließlich in den Händen des Gemeindevorstandes. Die Gemeinden sind angewiesen worden, die offiziellen Anweisungen der örtlichen Gesundheitsämter zu befolgen“, so Islamrat und IGMG.

Zudem solle man in den Moscheegemeinden das richtige Händewaschen, das Husten, Niesen in die Armbeuge und die richtige Entsorgung von Papiertaschentüchern thematisieren. Zusätzlich empfiehlt der Islamrat, bis zum Ramadan Desinfektionsmittelspender in den Räumlichkeiten der Moscheen anzubringen.

DITIB will Coronavirus bei Freitagspredigt thematisieren

Auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) ruft angesichts der Verbreitung des Coronavirus zu Vorsorge und Aufklärung in Moscheegemeinden auf. „Zeigt euch solidarisch gegenüber den Älteren und Kranken in unserer Gesellschaft“, heißt es in einer am Montag in Köln veröffentlichten Erklärung. So könnten Aushänge, Predigten oder Vorträge über die Epidemie informieren. Großveranstaltungen „ohne gottesdienstlichen Hintergrund“ sollten vermieden, auf Umarmungen und Händeschütteln verzichtet werden.

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) sagt zudem alle Veranstaltungen ab 50 Personen ab. Um Gemeindemitglieder besser zu sensibilisieren wird das Thema Coronavirus auch während der Freitagspredigt thematisiert. Des Weiteren wurden die Gemeinden in einem Schreiben dazu aufgefordert die Hygienemaßnahmen zu erhöhen. Außerdem werden ältere Menschen und Menschen mit einer Vorerkrankungen gebeten, das Gebet Zuhause zu verrichten, um Ansteckung zu verhindern.

Österreich und Frankreich: Freitagsgebete abgesagt

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) setzt aufgrund der Veranstaltungseinschränkungen der Regierung wegen des Coronavirus die Freitagsgebete aus. „Aus islamischer Sicht sind diese Maßnahmen gerechtfertigt, denn die Verpflichtung zur Durchführung des Freitagsgebetes gilt als aufgehoben, wenn Krankheit oder Sorge um das eigene Leben oder jenes von Familienangehörigen vorliegen“, erklärte die IGGÖ.

Ausnahmslos alle Moscheen und Imame seien dazu angehalten, sich an diese Vorsichtsmaßnahmen zu halten. Ebenso soll die Abhaltung größerer Veranstaltungen und Versammlungen innerhalb der islamischen Einrichtungen möglichst vermieden werden. Die Moscheen bleiben jedoch für seelsorgerische Dienste geöffnet.

Auch der französische Islamische Rat (CFCM) hat beschlossen, dass keine Freitagsgebete in Moscheen mit einer Besucheranzahl von 1000 Menschen abgehalten werden sollen.

Benefiz-Konzert in Hanau verschoben

Das Benefiz-Konzert prominenter Künstler in Gedenken an die Anschlagsopfer von Hanau wurde verschoben. Nach ursprünglicher Planung sollte es am Samstag im Kurpark stattfinden. Nun wurde es auf den 17. Mai verlegt, wie die Stadt am Dienstag mitteilte.

Unterdessen wurden einige kirchliche Großveranstaltungen abgesagt. Dazu gehörte die Eröffnung zur bundesweiten „Woche der Brüderlichkeit“ der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit am Sonntag, die mit mehr als 1.000 Teilnehmern in Dresden stattfinden sollte.

Die Deutsche Bischofskonferenz empfiehlt Gottesdienstbesuchern, direkten Kontakt zu anderen beim Beten und beim Friedensgruß zu vermeiden. Zudem sollen Kommunionausteiler die Hostie in die Hand der Gläubigen geben und nicht in den Mund legen. (KNA, dpa, iQ)

Leserkommentare

» Corona-Virus sagt:
[…] Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) und der Islamrat in Frankreich (CFCM) haben die Freitagsgebete aufgrund des Corona-Virus ausgesetzt. Auch in anderen Ländern überlegen islamische Religionsgemeinschaften Gebete und andere Versammlungen auszusetzen. […]
27.03.20
13:56