Nordrhein-Westfalen

Vier Moscheen nach Drohungen evakuiert

Mehrere Moscheen in NRW sind am Mittwoch in E-Mails bedroht worden. Die Polizei reagierte mit größeren Einsätzen. Die Moscheen wurden evakuiert.

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Symbolbild: Straftaten, Anschlag, Attentat, Terroranschlag, Angriff auf Moschee Polizei © shutterstock
Symbolbild: Straftaten, Anschlag, Terroranschlag, Attentat, Angriff auf Moschee Polizei © shutterstock

Wegen Bombendrohungen sind am Mittwoch vier Moscheen in Nordrhein-Westfalen evakuiert worden. Bei jeweils einer Moschee in Essen, Unna, Hagen und Bielefeld sei am Nachmittag eine inhaltlich vergleichbare E-Mail mit bedrohendem Inhalt eingegangen, teilte die Polizei mit. WWir haben die betroffenen Gebäude evakuiert. Es ist niemand zu Schaden gekommen bislang“, sagte ein Sprecher der Polizeibehörde in Dortmund, die die Ermittlungen koordiniert.

Straßen im Umfeld der vier Moscheen waren zunächst abgesperrt worden, um eine mögliche Gefährdung von Passanten und Verkehrsteilnehmern auszuschließen. So musste in Essen eine viel befahrene Straße für den Verkehr gesperrt werden.

Moscheen wurden mit Sprengmitteln bedroht

Nach 15 Uhr seien am Mittwoch die örtlichen Polizeibehörden darüber informiert worden, dass bei einer Moschee im Stadtgebiet eine E-Mail eingegangen ist, „in der mit dem Einsatz von Sprengmitteln innerhalb des Gebäudes gedroht wurde.“

Die Verantwortlichen der Bielefelder Moschee bemerkten die anonyme Droh-E-Mail erst am Abend und informierten die Polizei, hieß es weiter. Die Moschee wurde ebenfalls evakuiert, Spürhunde fanden auch hier keinen Sprengstoff. Der Staatsschutz der Bielefelder Polizei ermittelt.

Die Polizei informierte auf Twitter über die größeren Einsätze „aufgrund einer Drohung mit dem Einsatz von Sprengmitteln“. Menschen sollten diese Bereiche meiden, damit die Einsatzkräfte ungestört arbeiten können. Am Abend gab die Polizei zunächst für Essen und Unna Entwarnung: „Es wurden keine verdächtigen Gegenstände gefunden“, schrieben die Ermittler auf Twitter. „Die Absperrmaßnahmen werden nun nach und nach aufgehoben.“

Unbekannte beschädigen künftige Moschee

An einer künftigen Moschee der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) in Brühl sind gestern Abend mehrere Fensterscheiben beschädigt worden. Die Unbekannten hätten außer den Scheiben der im Bau befindlichen Moschee auch mehrere Bauhölzer zerbrochen und dann geflüchtet. Dabei entstand ein hoher Sachschaden.

Bundesweit mehrere Bombendrohungen verschickt

Seit Juli 2019 haben mehrere Moscheen rechtsextreme Bombendrohungen erhalten. Iserlohn, Köln, München, Mannheim, Duisburg, Mainz und Villingen-Schwenningen sind nur einige von ihnen. In weiteren Moscheen kam es zu Angriffen und Koranschändungen. Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM) reagierte mit Entsetzen auf die Bombendrohungen gegen Moscheen in Deutschland. „Muslime sind tief verunsichert. Der Staat steht in der Pflicht, vertrauensbildende Maßnahmen zu ergreifen“, erklärt Nurhan Soykan, Sprecherin des KRM. „Die aktuelle Bedrohungslage wird sehr unterschätzt. Unseren Aufrufen zu mehr Schutz für Moscheen wurde nicht nachgekommen. Politik und Sicherheitsbehörden hüllen sich in Schweigen. Der Staat steht in der Verantwortung, dass alle Menschen frei von Angst und Gewalt ihre Religion ausüben können. (dpa, iQ)

2019: Jeden zweiten Tag wurde eine Moschee angegriffen

In Deutschland hat es im vergangenen Jahr nach Angaben der Bundesregierung statistisch jeden zweiten Tag islamfeindliche Angriffe auf eine Moschee gegeben. „Das ist rechter Terror, dem entschieden entgegen getreten werden muss“, sagte die Linken-Bundestagsabgeordnete Christine Buchholz der Berliner „Tageszeitung“ (Dienstag). Demnach gab es 2019 den Angaben zufolge 184 islamfeindliche Angriffe auf Moscheen.