Islamischer Religionsunterricht

Erstes Abitur im Fach islamischer Religionsunterricht

Im Gladbecker Heisenberg-Gymnasium konnten erstmalig Schüler und Schülerinnen die mündliche Abiturprüfung im Fach „islamischer Religionsunterricht“ ablegen.

08
06
2019
Heisenberg-Gymnasium Abitur (c)facebook, bearbeitet by iQ
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Nordrhein-Westfalen ist das erste Bundesland, dass den islamischen Religionsunterricht als Abiturfach anbietet. Insgesamt haben fünf Schülerinnen und Schüler des Heisenberg-Gymnasiums in Gladbeck im Fach „Islamischer Religionsunterricht“ ihre mündliche Abiturprüfung abgelegt.

„Die Einführung des islamischen Religionsunterrichts ist aus schul- und integrationspolitischer Hinsicht eine sehr wichtige Maßnahme. Die Anerkennung und Wertschätzung von Schülerinnen und Schüler unterschiedlichen Glaubens ist uns ein besonderes Anliegen“, so der Schulleiter Peter Hogrebe. Unterrichtet und geleitet wird das Fach ab der 5. Klasse von den Lehrkräften Arslan Yalçın und Hülya Toklu.

Der wissenschaftliche Evaluation von Professor Dr. Hacı-Halil Uslucan, Direktor des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung an der Universität Duisburg-Essen, sei für die NRW-Landesregierung eine Bestätigung den islamischen Religionsunterricht weiter auszubauen. „Der Bericht hat fundiert und klar gezeigt, dass der bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht die Zielsetzung der Landesregierung bisher sehr gut erfüllt. Es gibt durchweg eine hohe Zustimmung durch die Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie die Lehrkräfte“, erklärte Ministerin Gebauer.

Zukunft des Islamunterrichs in NRW offen

Im Jahr 2012 führte Nordrhein-Westfalen erstmals den Islamunterricht an Grundschulen und später auch an weiterführenden Schulen ein. Aktuell wird das Modellprojekt an 234 Schulen für 19400 Schüler umgesetzt. 215 Pädagogen mit Lehrerlaubnis sind berechtigt diesen Unterricht zu erteilen. Die vier großen islamischen Religionsgemeinschaften sind seit 2012 in einem Beirat an der Erstellung von Lehrplänen oder der Erteilung einer Lehrerlaubnis für die Religionslehrer beteiligt.

Das Beiratsmodell für den islamischen Religionsunterricht in Nordrhein-Westfalen läuft bald aus. Die Landesregierung will den Islamunterricht neu organisieren und plant hierfür statt dem „Beirat“ nun eine „Kommission“. In einer gemeinsamen schriftlichen Stellungnahme kritisieren, die vier im Koordinationsrat der Muslime organisierten islamischen Religionsgemeinschaften die Pläne der NRW-Landesregierung. Sie fordern, die aktuelle Übergangslösung um ein Jahr zu verlängern. In dieser Zeit könnte die Landesregierung die Prüfung abschließen, ob ihnen der Status als Religionsgemeinschaft zukomme.

 

 

Leserkommentare

Kritika sagt:
L.S. Ein Islamistisches AbiZeugnis ist das Letzte, was wir hier brauchen. Um solche Fanatiker macht jeder Abteilungs- und Personalleiter einen besonders grossen Bogen. Begeisteter Anhänger einer zutiefst undemokratischen Ideologie: Für nichts zu gebrauchen, aber ein ständiges Risiko. Das perfekte Abi für eine Kariere als selbstverschuldeter Arbeitsloser. Schade, dass keiner den ideologisch verblendeten Jugendlichen zur Vernunft überreden konnte, Gruss, Kritika
10.06.19
0:20
Brad Lewis sagt:
Islamischer Religionsunterricht als Abitur-Prüfungsfach in Deutschland? Ja wo sind wir denn? Allgemeine Religionskunde als Prüfungsfach wäre für mich noch akzeptabel. Selbst an erzbischöflichen Abendgymnasien in NRW ist Katholische Religionslehre kein Abiturprüfungsfach. Diese fortschreitende Unterwerfungs-Toleranz gegenüber der umstrittensten Weltreligion im Nicht-Islamland Deutschland nimmt immer groteskere Züge an - trotz betulicher Beschwichtigungsversuche von angeblichen Islamverstehern. Kein Wunder, wenn die AFD an Stärke gewinnt.
10.06.19
13:11
Harousch sagt:
Diese erfreuliche Nachricht gilt gleichzeitig als beschämendes Armutszeugnis für ein scheinbar modernes und weltoffenes europäisches Land wie Deutschland, das in den letzten Jahrzehnten sich über diverse strukturelle, pädagogische, soziale, ökonomische, wirtschaftliche sowie kulturelle Reformen und Bewegungen erfreuen konnte und dennoch soweit hinterher hinkt, sodass ein mittlerweile selbstverständliches und essentielles Bacalaureat erst im 21. Jahrhundert vorgeblich für Bewunderung sorgt und von Fortschrittlichkeit heuchelt. Dabei ist es unwesentlich ob christlich, hinduistisch, muslimisch oder heidnisch, solange das Interesse in der Bevölkerung vorhanden, ist das Kultusministerium dazu verpflichtet wenigstens ein entsprechendes Angebot zu machen. Immerhin sind wir dennoch spätestens jetzt einen entscheidenden Schritt weiter und zwar explizit und demonstrativ als Zeichen des Zuspruchs für die bunte Vielfalt und gegen jegliche Art von Einfältigkeit und Isolation. Da die Anzahl der Interessierten in den nächsten Jahren weiterhin zunehmen wird, ist die gegenwärtige und längst fällige Weichenlegung von pädagogischen und akademischen Angeboten mit dem Schwerpunkt Islamische Theologie unerlässlich sowie im internationalen Vergleich unabdingbar. Das Angebot sollte übrigens auch und gerade für außermuslimische Personen zumindest in den Grundlagen zugänglich sein, um das Bewusstsein und die Gemeinsamkeiten aufzuzeigen oder auch neue Zugänge zu schaffen. Als bestes Beispiel fällt mir aktuell die islamische Mystik ein, woraus etliche Elemente in andere Weltanschauungen hineingeflossen sind, wie zum Beispiel Rudolf Steiners Anthroposophisches Vermächtnis etc.
10.06.19
22:31
Erika sagt:
@Brad Lewis: Vielleicht nicht am bischöflichen Abendgymnasium aber an allen allgemeinen (staatlichen) Gymnasien kann man im Fach Religion eine mündliche Prüfung ablegen, vgl.: https://abirechner.org/Nordrhein-Westfalen.html Das war leicht zu recherchieren, ist nichts Besonderes und somit auch keine Ausnahme für den islamischen Religionsunterricht.
12.06.19
16:06