Hessen

Schulamt bietet als muslimische Konfession nur „DITIB-Hessen“ an

In Hessen können muslimische Schüler beim Schulantrag als Konfession lediglich zwischen „DITIB-Hessen“ und „Ahmadiyya“ wählen. Grund dafür sei die Kooperation beim islamischen Religionsunterricht exklusiv mit DITIB. Nun ist auch dieser gefährdet.

20
03
2019
Grundschule-Kopftuchverbot-NRW
Symbolbild: Schule © pixabay.com, bearbeitet by iQ.

Wenn muslimische Schüler in Hessen auf ihrem Antragsformular für die weiterführende Schule ihre religiöse Zugehörigkeit angeben möchten, müssen sie zwischen „DITIB-Hessen“ und „Ahmadiyya“ wählen. Die einfache Angabe „muslimisch“ sei nicht möglich. Diese Erfahrung machte der Jurastudent Veysel Pountso, als er das Antragsformular seiner Schwester für eine weiterführende Schule im hessischen Kelsterbach ausfüllte. Auf Nachfrage bei der Schulleitung wurde ihm mitgeteilt, dass die Software des Landes Hessen, die alle Schulen nutzten, lediglich diese Auswahl zu ließe, wie er gegenüber IslamiQ erklärte.

Das zuständige staatliche Schulamt für den Landkreis Groß-Gerau und den Main-Taunus-Kreis in Rüsselsheim bestätigte gegenüber IslamiQ dieses Vorgehen und verwies zur Erklärung auf die Homepage des hessischen Kultusministeriums. Darin ist erklärt, dass Religionsunterricht in Hessen ein ordentliches Lehrfach sei, das im § 8 des Hessischen Schulgesetzes verankert sei.

„Auf dieser Seite finden Sie auch eine Liste der Bekenntnisse bzw. Kirchen und Religionsgemeinschaften für die, in Kooperation mit dem Hessischen Kultusministerium, Religionsunterricht eingerichtet ist. Es gibt also keinen ‚christlichen‘ oder ‚muslimischen‘ Religionsunterricht, sondern immer nur Religionsunterricht bezogen auf das jeweilige Bekenntnis (evangelisch, katholisch oder eben Ditib Hessen oder Ahmadiyya). Schülerinnen und Schüler anderer Bekenntnisse können grundsätzlich die Teilnahme an eingerichtetem Religionsunterricht beantragen oder besuchen entsprechend den Ethikunterricht“, erklärt Birgit Knauf-Goedeking, stellvertretende Leiterin des Staatlichen Schulamts gegenüber IslamiQ. Die Konfessionsangabe beim Antragsformular sei für die Schulen primär für die Zuordnung der Schüler zum Religionsunterricht relevant.

Fortsetzung des islamischen Religionsunterrichts mit DITIB unwahrscheinlich

Ob das bisherige Angebot an islamischem Religionsunterricht des Landes Hessen in Kooperation mit der Religionsgemeinschaft DITIB ausgeweitet oder zumindest fortgesetzt wird ist aktuell fraglich. Hessens Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz teilte Ende Februar mit, dass die Zusammenarbeit mit DITIB auf den Prüfstand gestellt und zunächst kritische Fragen geklärt werden müssten. Bis dahin werde das bisherige Angebot an islamischem Religionsunterricht nicht ausgeweitet. Die Landesregierung kündigt an bis Ende des Jahres eine Entscheidung bezüglich ihrer Zusammenarbeit mit DITIB zu treffen. Bis dahin müsste die Religionsgemeinschaft einige Auflagen erfüllen, fordert das Kultusministerium Hessen.

Außerdem soll an einigen Schulen ab dem 7. Schuljahr ein neues Modell erprobt werden: das Schulfach soll ohne Zusammenarbeit mit DITIB, ausschließlich in staatlicher Trägerschaft angeboten werden. Islamische Religionsgemeinschaft würden bei diesem Modell bewusst ausgeschlossen werden. Dabei heißt es auf der Homepage des hessischen Kultusministeriums „Der Religionsunterricht ist in Hessen ein ordentliches Lehrfach, das im § 8 des Hessischen Schulgesetzes verankert ist. Die Regelungen gründen auf Art. 7 Abs. 3 des Grundgesetzes sowie Artikel 57 Abs. 1 der Verfassung des Landes Hessen. Er wird als bekenntnisorientierter Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der jeweiligen Kirche oder Religionsgemeinschaft erteilt.“

Leserkommentare

Frederic Voss sagt:
Wenn an den Schulen nicht einmal "christlicher" Religionsunterricht angeboten wird, darf sich niemand einbilden, es müsse aber "muslimischen" Religionsunterricht geben. Wem das nicht passt, der kann ja nach anderen Möglichkeiten Ausschau halten oder auch den hervorragenden "Ethikunterricht" lieben lernen.
20.03.19
21:44
Kritika sagt:
L.S. Konfession: "Islam" oder " Islamist " würde ja bereits genügen. Welche Unter-Gruppen es da so gibt, interessiert niemand. Gruss, Kritika
20.03.19
23:53
Jens Hurrlemann sagt:
Nicht so nett, Kritika. Aber ich bekomme das auch oft zu hören - esist aber auch kompliziert und man kann nicht ausschließen, dass hier radikale und terroristisch organisierte Gruppen versuchen, an Einfluss zu gewinnen: Nun, der Fehler liegt auch bei uns - wir hätten die Einwanderung ordentlich steuern mussen. Mir ist nicht bekannt, dass es mit Chinesen, Briten, Franzosen , Amerikanern, Bhuddisten oder Hindus solche Probleme gäbe, und diese Gruppen sind alle sehr leistungsorientiert. Kommen Sie mal in die Schweiz, was meinen Sie denn, weshalb das ein wohlhabendes und reiches Land ist? Und. Natürlich sind wir Christen, und natürlich wird hier christlicher Konfessionsunterricht angeboten. Hier in Nordrhein-Westfalen florieren Privatschulen, die staatlich anerkannt sind - dernier crie, croyez-moi. Warum? Die Eltern legen zunehmend Wert auf eine christliche Erziehung. Verrückt: im 21. Jahrhundert, aber was soll man machen? Des Menschen Wille:::
21.03.19
11:25