Bayern

Zukunft des Islamischen Unterrichts noch offen

In Bayern wird über die Zukunft des islamischen Unterrichts weiter diskutiert. Die Erprobungsphase des aktuellen Modellversuches endet 2019, wie es weiter gehen soll, ist unklar.

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2017
Symbolbild: islamischer Religionsunterricht. © shutterstock

Bayern hat noch keine Entscheidung über die Zukunft des islamischen Unterrichts an den Schulen getroffen. Der Modellversuch habe sich jedoch einer ersten wissenschaftlichen Evaluation zufolge als „erfolgreiches Angebot“ und „gesellschaftlich-integrativ“ erwiesen, sagte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) am Freitag in München. Über das weitere Vorgehen nach Ende der Erprobungsphase 2019 werde rechtzeitig entschieden.

Einen Islamunterricht nach Maßgabe des Grundgesetzes müsste eine islamische Religionsgemeinschaft tragen. Erst jüngst hatte jedoch das Oberverwaltungsgericht Münster einen entsprechenden Anspruch des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland und des Zentralrats der Muslime (ZMD) in Deutschland sowie dementsprechend das Recht auf islamischen Religionsunterricht abgelehnt. Im IslamiQ-Interview zeigte sich der ehemalige Vorsitzende des Islamrats, Ali Kizilkaya, enttäuscht über das Urteil.  Muslime würden dadurch weiter in der religionsverfassungsrechtlichen Grauzone gelassen. Dort seien sie von der politischen Großwetterlage abhängig. „Jahrzehntelang wurde die Anerkennung der islamischen Religionsgemeinschaften durch die Politik verschleppt“, so Kizilkaya. 

Auch der ZMD kritisierte den Ausgang des 20 Jahre andauernden Rechtsstreites um die „Anerkennung“ der islamischen Religionsgemeinschaften als solche und damit die Zusprache des Rechts auf Gestaltung des islamischen Religionsunterrichts. So würde das Urteil in erster Linie „dem unbestrittenen Bedarf der muslimischen Kinder in den Schulen in Nordrhein-Westfalen keine sichere Zukunftsperspektive bieten“. Aufgrund der aktuellen Situation werden in den Bundesländern  unterschiedliche Modelle islamischen Unterrichts unterschiedlicher Ausprägung erprobt und praktiziert.

Derzeit nehmen nach Angaben des Ministeriums rund 15.500 Schülerinnen und Schüler an mehr als 330 bayerischen Schulen das bundesweit in dieser Form einmalige Angebot eines islamischen Unterrichts in deutscher Sprache wahr. Es ist kein konfessioneller Religionsunterricht. Die Inhalte werden in staatlicher Verantwortung von der Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg-Erlangen (FAU) und dem Kultusministerium erstellt. Dabei werden auch die Eltern eingebunden. Ein nach Schularten differenzierter Lehrplan werde derzeit erarbeitet.

Am Freitag traf sich in Nürnberg ein Großteil der Lehrkräfte des islamischen Unterrichts im Freistaats zu einem Studientag des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) mit der FAU zu diesem Thema. Der BLLV hatte bereits im September 2015 gefordert, den islamischen Unterricht zum Regelangebot an den Schulen zu machen. Derzeit ist die FAU die einzige Uni in Bayern mit einem Studienangebot für zukünftige Lehrkräfte dieses Faches. (KNA, iQ)

Leserkommentare

Frederic Voss sagt:
Die Einführung eines Ethikunterrichts wäre langfristig sinnvoller und friedenssichernder als alles andere. Trennende Religionsideologien unklarer Herkunft sind im 21. Jahrhundert überholt.
26.11.17
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Ute Fabel sagt:
@Frederic Voss: Richtig! Gemeinsam über ethische Prinzipien nachzudenken und Religionen sowie Weltanschauungen tabulos zu hinterfragen verbindet und bringt die Menschheit wirklich weiter. Religionsunmündige Kinder nach dem Religionsbekenntnis ihrer Eltern zu trennen und ihnen auf Staatskosten in öffentlichen Schulen eine jahrhundertealte Ideologie einzuhämmern, die auf abergläubische aber rechthaberische Wüstennomaden zurückgeht, schafft Gräben.
28.11.17
8:41