Tagung

Wenn Kinder Hakenkreuze malen – Rechtsextremismus in Kitas

Kindergärten sind ein Spiegel der Gesellschaft. Rassismus und Diskriminierung zeigen sich auch in diesem geschützten Raum. Wie sollen Erzieher reagieren? Damit befasst sich eine Tagung.

30
08
2017
Symbolbild: Kindergarten. © woodleywonderworks auf flickr, bearbeitet by IslamiQ
Symbolbild: Kindergarten. © woodleywonderworks auf flickr, bearbeitet by IslamiQ

Rechtspopulismus und Rechtsextremismus dringen laut Experten zunehmend auch schon in Kindergärten ein. «Es gibt Kinder, die dort Hakenkreuze oder 88 (Abkürzung für „Heil Hitler“) malen», sagte die Sozialwissenschaftlerin Antje Knieper-Wagner der Deutschen Presse-Agentur. «Andere Kinder malen das ab und ihre Eltern erschrecken sich.» Kinder rechter Eltern lernten zu Hause auch schon zu diskriminieren. «Es gibt Fünfjährige, die Frauen mit Kopftuch fragen: „Warum gehst du nicht in dein Land zurück?“», ergänzte Knieper-Wagner (40). Sie leitet einen Workshop bei der Fachtagung «Rechtspopulismus in der Kita? Umgang mit Rassismus und Diskriminierung» an diesem Donnerstag (31.8.) an der Hochschule Koblenz.

In Fallbeispielen geht es um die Frage, wie eine «Erziehungspartnerschaft» mit Eltern funktionieren kann, die in der Kita abwertende und rassistische Bemerkungen fallen lassen. «Es gibt Eltern, die sagen: „Ich möchte nicht, dass mein Kind in einer Gruppe mit vielen Türken, Dunkelhäutigen oder Flüchtlingen spielt“», sagte Knieper-Wagner. Insgesamt komme so etwas häufiger auf dem Land als in den Städten vor. «Die Angst vor angeblicher „Überfremdung“ ist da am größten, wo am wenigsten Menschen mit ausländischen Wurzeln leben.»

Im Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung können Erzieher auf externe Unterstützung zurückgreifen. «Es gibt in Rheinland-Pfalz mobile Beraterteams des Beratungsnetzwerks gegen Rechtsextremismus, neun sogenannte Beratungsknoten, sowie die Opferberatung für Betroffene rechter Gewalt – „m-power“», erklärte Knieper-Wagner. «Nicht selten ist bei rechten Eltern auch Gewalt zu Hause im Spiel. Wenn Erzieherinnen das merken, sollten sie das Jugendamt einschalten.» Generell sollte Kita-Personal sensibel sein und Auffälligkeiten im Kollegengespräch beleuchten, ergänzte die Expertin, die gegenwärtig über die politische Haltung von Bürgern promoviert, die sich gegen Rechtsextremismus engagieren. (dpa/iQ)

Leserkommentare

Mads sagt:
Mal wieder wird nur auf die Verfehlungen deutscher Kinder geschaut. Moslems, die den Mädchen oder Erzieherinnen gegenüber respektlos sind, werden nicht thematisiert.
30.08.17
16:49
Manuel sagt:
Und wenn kleine Kinder schon mit Kopftuch in den Kindergarten geschickt werden und von den islamischen Eltern indoktriniert werden, dass die westliche Gesellschaft böse sei. dann ist das natürlich etwas anderes oder Hr. Albes?
30.08.17
18:42
Johannes Disch sagt:
@Mads Was soll denn dieses Aufrechnen? Machen das die Verfehlungen der deutschen Kinder weniger schlimm???
31.08.17
11:20
Frederic Voss sagt:
Leider fallen hier die ständig einseitigen Betrachtungsweisen auf. Es gibt Beispiele, wo Eltern aus islamisch-moralischen Gründen nur heteronormativ funktionierendes Kindergarten-Personal akzeptieren wollten und gegen homosexuell orientierte Kindergarten-Betreuer massiv opponierten und diese Menschen diffamierte. Sollen nun aus vermeintlicher Religionstoleranz auch Weihnachtsfeiern in Lichterfeste und St.-Martins-Umzüge in Laternenfeste umbenannnt werden? Kopftuch-Moden schon für kleine Kinder? Islamische Feiertag - mindestens 3 - einführen? Nur würde all das sowieso nicht genügen. Die Forderungen würden ständig weitergehen.
31.08.17
15:41
Mads sagt:
@Johannes Disch: Das nicht. Aber deswegen dürfen islamische Verfehlungen nicht immer totgeschwiegen oder kleingeredet werden.
01.09.17
18:10