Gefängnisseelsorge

Zweifel an DITIB-Imamen: Nur wenige dürfen noch in NRW-Gefängnisse

NRW verweigert zahlreichen DITIB-Imamen den Zutritt zu muslimischen Häftlingen in den Gefängnissen, weil sie sich einem Sicherheitscheck durch den Verfassungsschutz verweigern.

05
04
2017

In Nordrhein-Westfalen dürfen deutlich weniger Imame der islamischen Religionsgemeinschaft DITIB das Freitagsgebet in Gefängnissen abhalten. Die Zahl sei von 117 im Februar 2015 auf aktuell nur noch zwölf gesunken, berichtet die „Rheinischen Post“ (Montag) über Zahlen der NRW-Landesregierung.

Seit Februar dürfen demnach Imame die Gefängnisse nur noch betreten, wenn sie sich zuvor einer Sicherheitsüberprüfung unterzogen haben. Diese Voraussetzung werde von der überwiegenden Zahl der DITIB-Imame nicht erfüllt, hieß es.

NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) verwies auf Anfrage der Zeitung darauf, dass die Regeln, nach denen man in einer Justizvollzugsanstalt tätig werden könne, für alle gleichermaßen gälten. „Wir haben entschieden, dass alle Seelsorger durch den Verfassungsschutz überprüft werden müssen. Wer da nicht mitmacht, kommt nicht mehr rein“, sagte Kutschaty. DITIB hat ihm zufolge jetzt um ein Gespräch gebeten. „Ich setze darauf, dass dadurch Missverständnisse ausgeräumt und die Bereitschaft gesteigert wird, sich überprüfen zu lassen. Der Ball liegt jetzt bei der DITIB“, so der Minister.

Imame von anderen Organisationen unterziehen sich dieser „erweiterten Überprüfung“ durch den Verfassungsschutz schon seit Längerem, schilderte der Minister. Man habe für die Betreuung der Gefangenen nun verstärkt Imame freier muslimischer Gemeinden gewinnen können: Während es Anfang 2015 nur fünf Geistliche aus diesem Personenkreis in den JVAs gab, sind dort aktuell nun 26 freie Imame tätig. (KNA, dpa, iQ)

Leserkommentare

Andreas sagt:
In dieser Diskussion werden wohl mal wieder Dinge miteinander vermischt, die nicht wirklich etwas miteinander zu tun haben. Man mag der Ditib eine unerfreuliche Nähe zum türkischen Staat vorwerfen und auch glauben, dass einige ihrer Imame in Deutschland türkische Staatsbürger ausspionieren. Allerdings als Terrorhelfer oder Werber für Terrororganisationen sind die Imame der Ditib meines Wissens bisher nicht aufgefallen. Abgesehen davon dürften die Imame als Staatsbedienstete des türkischen Staates bereits dort durchleuchtet worden sein. Wir sollten nicht immer wieder Regeln einführen, die letztlich darauf hinauslaufen Muslime zu schikanieren.
05.04.17
17:04
Manuel sagt:
@Andreas: DITIB ist durchsetzt von AKP-Islamisten, die hier den politischen Islam türkischer Prägung verbreiten wollen, also warum soll man bei solchen Islamisten Ausnahmen machen???
06.04.17
11:39
Ute Fabel sagt:
DIe Türkisch-Islamische Union (Ditib) hat sich im Vorjahr völlig halbherzig von dem Comic der türkischen Religionsbehörde über den Märtyrertod distanziert: In der Bildergeschichte, die sich an Kinder richtet, schildert ein Vater seinem Sohn, wie ehrenvoll es sei, für seine Überzeugungen zu sterben. Der Vater sagt demnach: "Wie schön, ein Märtyrer zu sein!" Daraufhin fragt ihn sein Sohn: "Willst Du ein Märtyrer sein?" und erhält als Antwort: "Natürlich will ich ein Märtyrer sein. Wer will nicht in den Himmel?” An anderer Stelle heißt es dem Bericht zufolge: "Märtyrer sind im Himmel so glücklich, dass sie zehnmal Märtyrer sein wollen." Oder: "Ich wünschte, ich könnte auch ein Märtyrer sein" Leute mit einem möglichen Naheverhältnis sind wahrlich als "Seelsorger" für Häftlinge nicht geeignet.
06.04.17
13:25
Charley sagt:
Welche Gründe führen diese DITIB Imame denn an, dass sie diese normalen (!) Check verweigern? Warum steht dazu nichts im Artikel?
07.04.17
14:21
grege sagt:
In Ditib Moscheen hat es bereits antisemitische Hetze gegeben. Dieser Verband ist absolut nicht mehr tragbar. Wie Herrn Disch schon mehrfach mitgeteilt, fehlt hier in Deutschland ein repräsentativer Islamverband, dem man vertrauen kann. Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich, dass der islamische Extremismus eben mehrere Facetten besitzt als "nur" den IS.
07.04.17
23:11