Bundestagswahlen

AfD wirbt massiv um Juden

Die AfD wenden sich gegen Muslime und werben damit um Sympathien bei Juden. Der Zentralrat der Juden appelliert an seine Mitglieder, sich nicht von einer antimuslimischen Rhetorik der AfD umgarnen zu lassen.

05
04
2017
AfD
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Die AfD wirbt laut jüdischen Gemeindevertretern „massiv“ in jüdischen Seniorenheimen um Stimmen und Mitglieder. Wie die Wochenzeitung „Die Zeit“ (Donnerstag) berichtet, warnt der Zentralrat der Juden seine Gemeinden davor, „sich von einer antimuslimischen, hetzerischen Rhetorik der AfD umgarnen zu lassen“.

Zahlen über jüdische Mitglieder in der AfD gibt es laut Zeitung nicht. Doch allein in Baden-Württemberg seien 4 von 38 Direktkandidaten jüdisch, heißt es in dem Bericht. Als ein Grund wird die Angst jüdischer Bürger vor Antisemitismus genannt, den viele Flüchtlinge aus muslimischen Ländern mitbringen. „Wir haben jetzt fast eine Million Leute ins Land geholt, für die der Antisemitismus so selbstverständlich ist wie die Muttermilch. Das soll nicht gefährlich sein?“, zitiert die Zeitung ein jüdisches AfD-Mitglied.

AfD bereitet uns Sorgen“

Gleichzeitig warnt der Vizepräsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, nachdrücklich vor der „Alternative für Deutschland“ (AfD). Es habe schon immer rechte Gruppierungen wie etwa die Republikaner oder Pro NRW gegeben, „aber zum ersten Mal haben wir mit der Afd eine Partei, die uns wirklich Sorgen bereitet“, sagte er am Dienstagabend in Bonn.

Inzwischen trauten sich Menschen mit solchen Haltungen wieder, ihre Meinung klar zu äußern. Anders als vor etwa fünf Jahren kämen antisemitische Briefe heute nicht mehr anonym, sondern mit der richtigen Adresse, sagte der 63-Jährige, dessen Eltern Überlebende des Holocaust waren. „Das hat sich ganz klar verändert, und die Afd schwimmt oben drauf.“

So hätten in einem Programmentwurf der AfD Themen wie Beschneidungsverbot und Schächtverbot gestanden, sagte Lehrer weiter. „Das bezog sich angeblich nur auf Muslime.“ Doch könne das «in fünf Minuten umgeschwenkt sein hin zu den Juden.» Daher warne er „ganz eindringlich“ vor der Partei. (KNA, iQ)

Leserkommentare

Andreas sagt:
Die AfD behauptet einen Antisemitismus, wo es eigentlich um Antizionismus geht. Das eine ist gewiss nicht besser, als das andere. Aber tatsächlich ist es auch erst einmal lediglich eine Behauptung, die in den Raum gestellt wird, wenn man den muslimischen Flüchtlingen unterstellt, für sie sei der Antisemitismus so selbstverständlich wie die Muttermilch. Zur Zeit gehen noch immer die meisten antisemitischen Straftaten von Deutschen aus, die eben keine Muslime sind. Es ist erfreulich, dass der Zentralrat der Juden in Deutschland den Betrug der AfD aufgedeckt hat, wenn letztere um jüdische Stimmen wirbt. Für Juden ist die AfD einfach nicht wählbar. Verbote, die sie gegen die Muslime fordern, treffen nicht selten auch die Juden. Man denke nur an die Beschneidung von Knaben oder das Schächten, beides religiöse Regeln, die die AfD ausdrücklich nicht nur ablehnt, sondern auch verbieten will. Leider scheint es Juden zu geben, die auf die Angstdiskussion der AfD hereinfallen und sich so islamfeindlich instrumentalisieren lassen, weil ihnen eingeredet wird, die Muslime seinen ihre natürlichen Feinde, die ihnen nach dem Leben trachten.
05.04.17
16:59
ms sagt:
Antijüdische Straftaten gehen hauptsächlich von Deutschen aus? Was für ein Unsinn. Der Vorfall in der Schule in Friedenau z.B., wo türkisch- und arabischstämmige Deutsche einen Juden über Monate beleidigt und ihn dann auch tätlich angegriffen haben, ist kein Einzelfall. Man sollte sich einfach einmal unter Moslems in Deutschland mischen und ihnen bei der Diskussion über Juden zuhören. Da gehen einem die Augen auf. Die Aussage, Juden wären alle Mörder ist noch harmlos. Dagegen sind die deutschen Rechten Waisenknaben.
06.04.17
13:25