Berlin

Religionsvertreter verurteilen Berliner Anschlag

Religionsvertreter der Christen und Muslime haben den Anschlag in Berlin auf das Schärfste verurteilt. Sie zeigen sich gleichermaßen betroffen und erschüttert von der Brutalität des Angriffs.

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2016
Wir trauern um die Opfer © Facebook

Trauer und Entsetzen in Berlin: Nach dem mutmaßlichen Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt mit aktuell zwölf Toten haben Religionsvertreter ihre Bestürzung ausgedrückt. Für Dienstag waren Gebete und ein Trauergottesdienst in der Hauptstadt geplant. Politiker in Deutschland und vielen anderen Staaten nahmen Anteil an dem Vorfall an der Kaiser-Wilhelm- Gedächtniskirche nahe dem Bahnhof Zoo mit 48 Verletzten.

Die Berliner Polizei geht davon aus, dass der Lastwagen am Montagabend vorsätzlich in die Menschenmenge gesteuert worden war. Im Kurznachrichtendienst Twitter sprach die Polizei von einem „vermutlich terroristischen Anschlag“.

Der katholische Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, hatte am Montagabend für 12.00 Uhr zum Gebet in die Sankt-Hedwigs-Kathedrale eingeladen. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) kündigte für 18.00 Uhr einen Gedenkgottesdienst in der Gedächtniskirche an – unmittelbar am Ort der tödlichen Fahrt des Lastwagens. Für die Bundesbehörden ordnete Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Dienstag Trauerbeflaggung an.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, zeigte sich tief erschüttert. „Die Gewalt auf dem Weihnachtsmarkt ist das Gegenteil dessen, was die Besucher wollten“, erklärte Marx am Morgen. Sein Mitgefühl gelte den Angehörigen der Toten und Verletzten. „Für alle werde ich beten.“ Der Erzbischof von München und Freising ergänzte: „In dieser schweren Stunde für die Stadt Berlin und unser Land gilt es, dass wir als Gesellschaft zusammenstehen und zusammenhalten.“

„Feige Gewalttat“

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sprach von einer „fürchterlichen Gewalttat“. Der bayerische Landesbischof sagte: „Wir alle sind entsetzt über diese brutale und sinnlose Gewalt. So viele unschuldige Menschen sind ihr zum Opfer gefallen.“ Mit zahlreichen Menschen in Deutschland und weltweit sei er im Gebet vereint. Es handele sich um eine „feige Gewalttat“.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel äüßerte sich zu dem schrecklichen Ereignis auf dem Breitscheidplatz. „Ich bin entsetzt, erschüttert und tief traurig über das, was gestern Abend geschehen ist“, sagt Kanzlerin Merkel. Eine unbegreifliche Tat, die bestraft werde, „so hart es unsere Gesetze verlangen.“

„Ein Angriff auf unser Zusammenleben“

Der Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), Bekir Altaş, verurteilte den Anschlag und sprach den Hinterbliebenen sein Beileid aus. „Wir sind zutiefst betroffen und in Gedanken und in unseren Gebeten bei den Hinterbliebenen und Verletzten“, erklärt Bekir Altaş. Polizeiangaben zufolge erhärtet sich der Verdacht, dass es sich um einen gezielten Anschlag handle. „Falls sich dieser Verdacht bewahrheitet, handelt es sich auch um einen Angriff auf unser friedliches Zusammenleben, auf unsere Gesamtgesellschaft“, so Altaş weiter.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) ruft Vertreter von Kirchen und Religionsgemeinschaften zu gemeinsamen Mahnwachen auf. Der Zentralrat werde sich „mit all seinen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einsetzen, dass die böse Saat, Panik, Hass und Zwietracht zwischen den gesellschaftlichen Gruppen und Religionen zu stiften, niemals aufgeht“, erklärte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek am Dienstag in Berlin. „Wir werden wachsam und entschlossen sein, und vor allem gemeinsam dafür einstehen, dass unsere Weltstadt Berlin mit ihren Menschen eine weltoffene, lebensfrohe und tolerante Stadt ist und bleibt.“

Auch Recep Bilgen, Vorsitzender der Schura Niedersachsen äußerte sich zum Anschlag. „Wir verurteilen diese Anschläge aufs Schärfste, unser tiefes Mitgefühl und unsere Gebete gelten den Angehörigen der Opfer. Ebenso wünschen wir den Verletzten eine rasche Genesung und auch deren Angehörigen viel Kraft“, erklärt Bilgen. Terror verbreite Angst und sät Hass in unserer Gesellschaft. „Wir stellen uns aktiv gegen eine Spaltung unserer Gemeinschaft und verteidigen unsere gemeinsamen Werte der Achtung des Friedens und des Respekts vor jedem Menschen, egal welche Herkunft, welche Religion oder Weltanschauung er hat“, so Bilgen weiter.

Der Koordinationsrat der Muslime (KRM) verurteilt ebenfalls den feigen terroristischen Anschlag auf das Schärfste. „Terror hat wieder einmal sein schreckliches Gesicht gezeigt. Er macht keinen Halt vor unschuldigen Menschen und vor dem, was den Menschen heilig ist. In einer für die Christen sehr bedeutenden und besinnlichen Zeit brachte er Trauer und Leid in die Familien. Wir sind zutiefst erschüttert und verurteilen den feigen Anschlag auf das Schärfste. Wir sind mit unseren Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen.“, so der Sprecher des KRM Erol Pürlü. (KNA, iQ)

Leserkommentare

Johannes Disch sagt:
Bezeichnend, dass es zu diesem Artikel bisher noch keinen Kommentar gibt. Aber bei anderen Artikeln, die den Islam problematisieren, wird lautstark gerufen, Muslime müssten sich gefälligst vom islamistischen Terror distanzieren. Aber wenn sie es tun-- wie hier in diesem Artikel dargestellt-- wird das einfach ignoriert, statt einfach mal anerkennend "Bravo" zu rufen.
22.12.16
15:52
Andreas sagt:
@Johannes Disch: Das passt eben nicht in das Bild, das die Islamgegner sich vom Islam machen. Zu den Feiern des Tages der deutschen Einheit in diesem Jahr hat Lutz Bachmann doch tatsächlich den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland gefragt, wieso die muslimischen Vereine sich nicht vom Terrorismus distanzieren. Bereits in der Frage ist unterstellt, dass die muslimischen Religionsgemeinschaften sich nicht vom Terrorismus distanzieren, obwohl mindestens mal der ZMD, die IGMG, die DITIB und die Ahmadiyya sich permanent davon distanzieren. Ganz zu schweigen von den Religionsgelehrte in der islamischen Welt insgesamt. Es geht also einzig um Diffamierung.
22.12.16
16:43
Johannes Disch sagt:
@Andreas Ich stimme Ihnen vollkommen zu. Und verabschiede mich gleichzeitig für dieses Jahr in den Weihnachtsurlaub. Andreas, ich wünsche Ihnen (und allen Anderen) ein Frohes Fest und einen "Guten Rutsch" in 2016 und hoffe, man liest sich hier auch 2017.
23.12.16
3:28
Manuel sagt:
@Johannes Disch: Was soll ich da noch Bravo rufen, ist doch wohl selbstverständlich oder?
23.12.16
12:09
Andreas sagt:
@Manuel: Eigentlich ist es selbstverständlich, dass wir davon ausgehen, dass auch Muslime gegen den Terror sind, ohne dass sie das jedes Mal sagen müssen. Und wenn jemand die ganze Zeit gegen Muslime ätzt und behauptet, sie würden sich nie ordentlich vom Terrorismus distanzieren, dann kann man schon erwarten, dass so einer zur Kenntnis nimmt, wenn Muslime sich (wieder einmal) vom Terrorismus distanzieren und auch zum Ausdruck bringt, dass er es zur Kenntnis genommen hat. Das wäre anständig.
23.12.16
13:20
Charley sagt:
Sich so zu äußern "gehört sich". Man Stelle sich vor, das würde nicht oder das Gegenteil gesagt. Keiner spricht davon, dass der Attentäter, der sich doch als Märtyrer im Kampf gefallen sieht, nun ganz sicher nicht "sich das Paradies verdient" hat. Aber wo bleibt er denn dann? Was sagen diejenigen, die doch sonst die "Maßstäbe und Bedingungen Allahs" bis ins Detail wissen dazu? Das wäre für mich eine islamische Positionierung und eine islamische Identifizierung mit unserem deutschen Gemeinschaftswesen. Während die Attentäter sich aus dem Islam rechtfertigen müsste massiv und detailliert, auch zur Abschreckung von Nachfolgern, deutlich gesagt sein, dass die Hoffnungen, die sich die religiös fanatischen Attentäter machen, gerade nicht religiös sich erfüllen werden. Niemand sagt: "Wir sehen ihn nicht mehr als Moslem, als zu uns gehörig. Er hat die rote Linie übertreten". Damit bleibt die Hintertür auf.
24.12.16
9:32
Charley sagt:
Ich will es noch klarer sagen: Es wird viel geschrieben: Die Terroristen wollen unsere Gemeinschaft spalten, unsere Werte untergraben usw. usf.. Ich glaube kaum, dass das einen tat-sächlicgen Terroristen leitet. So weit denkt der einzelne kaum. Vielmehr könnte es da um eine Motivation gehen, die der Islam zu verantworten hat: nämlich dass der Attentäter, der sich als Gotteskrieger und Märtyrer sieht, glaubt, sofort ins "Paradies" gebeamt zu werden. Auch Anis Amri hat wohl ein (islamische) " liderliches Leben geführt, glaubte aber durch seine Tat seinem tragisch-traurigen ein Ende setzen zu können, in den er den "Jackpot" "Paradies" zieht. Dass so eine Motivation als Ursache erkannt und ggf. (falls der Koran/Islam das überhaupt hergibt) ausgelöscht wird, liegt in der Verantwortung derer, die vorgeben, den Islam zu repräsentieren. Tun diese das? Haben sie es hier laut und deutlich für alle Nachahmungstädter getan? Das wäre verantwortlich den Islam in Deutschland repräsentieren. ..... (Und da erinnert man sich an die Märtyrertum verherrlichenden Comics der türkischen Religionsbehörde!!!) Sorry, insofern lese ich die obigen Statement der Muslumvertreter als Augenwischerei!
25.12.16
6:53
Charley sagt:
Sorry, Handytipperei, Autokorrektur... es soll heißen: ein (islamisch) "liderliches" Leben geführt, glaubte aber durch seine Tat seinem tragisch-traurigen Leben ein Ende ........ Muslimvertreter.....
25.12.16
7:02
Charley sagt:
Wenn es sich aber nicht deutlich aus dem Islam bestimmen lässt, dass solch böses Tun eben nicht die Türen des "Paradieses" öffnet, so hat, so ist der Islam ein Gewaltproblem und die o.g. "Betroffenheit" der islamischen Vertreter ob der Bluttat in Berlin wäre in Wahrheit Scham ob der eigenen Religion.
25.12.16
7:16
grege sagt:
@ Herr Disch Haben die Islamverbände laut Bravo gerufen, als die Bundesregierung das Attentat in Dresden oder die Mordserie der NSU verurteilt haben? So eine Distanzierung oder Positionierung gegen Terrorismus ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Man stelle sich mal vor, ein sächsischer Rechtsextremist hätte auf ähnliche Weise einen LKW über den Vorplatz einer Moschee gerollt, wo sich Menschenmassen anlässlich eines religiösen Festes versammelt hätten. Islamvertreter sowie Linkspopulisten hätten zum medialen Großangriff auf die deutsche Gesellschaft, die deutsche Regierung sowie die deutschen Medien geblasen. Wie in der Vergangenheit wäre genau der Pauschalverdacht von Seiten der Islamvertreter verbreitet worden, über den sie sich doch sonst immer beklagen.
27.12.16
20:14