Koordinationsrat der Muslime

„Eine neue Art der innermuslimischen Kommunikation“

Burhan Kesici ist der neue KRM-Sprecher. Diese Position bekleidet er für die nächsten sechs Monate. Im Interview mit IslamiQ erklärt Kesici, wie sich die innermuslimische Zusammenarbeit im KRM weiter entwickeln wird.

05
04
2016
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Burhan Kesici - Islamrat-Vorsitzender.

IslamiQ: Sie werden in den nächsten sechs Monaten KRM-Sprecher. Welche Themen sind Ihnen wichtig? Wo wollen Sie Akzente setzen?

Burhan Kesici: Als islamische Religionsgemeinschaften haben wir uns in den vergangenen Jahren viel intensiver als je zuvor mit gesamtgesellschaftlichen Fragen beschäftig. Heute interagieren wir nicht nur untereinander, sondern auch mit vielen staatlichen und gesellschaftlichen Akteuren.

Es hat sich gezeigt, dass die Zusammenarbeit mit den islamischen Religionsgemeinschaften immer wichtiger wird. Viele Herausforderungen unserer Zeit können nur gemeinsam bewältigt werden. Sie erfordern von uns aber auch eine neue Art der innermuslimischen Kommunikation, welches noch viel Potenzial hat. Ich bin zuversichtlich, dass wir in diesem Bereich einiges bewegen können.

IslamiQ: Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung und die Zukunft des KRM ein? Immer wieder ist zu lesen, dass es Spannungen zwischen den einzelnen Mitgliedsverbänden gibt.

Kesici: Die im KRM vertretenen islamischen Religionsgemeinschaften sind in vielen Bereichen aktiv. Teilweise müssen Entscheidungen innerhalb kürzester Zeitspannen getroffen werden. Man hat nicht immer die Zeit, um einen Konsens zu bilden. Manchmal hat man halt nicht eine gleiche Meinung zu einem bestimmten Thema. Insofern ist es normal, dass unterschiedlichen Positionen vertreten und diskutiert werden. Das gehört zu einer gesunden Entwicklung dazu, die übrigens auch die innermuslimische Kommunikation belebt und ankurbelt. Wenn wir am Ende es schaffen, unterschiedliche Positionen auszudiskutieren und zu einem gemeinsamen Ergebnis zu führen, bin ich sehr zufrieden.

IslamiQ: Wie kann das Verhältnis der einzelnen islamischen Religionsgemeinschaften in Deutschland normalisiert werden, um wieder eine gemeinsame muslimische Agenda zu setzen?

Kesici: Ich sehe die Probleme nicht so gravierend, wie in der Frage suggeriert wird. Die im KRM vertretenen islamischen Religionsgemeinschaften arbeiten in vielen Bereichen gut miteinander, auch wenn wir zu einigen Punkten unterschiedlichen Meinungen haben.

Wenn wir uns die Arbeit der letzten Jahre anschauen, dann sehen wir eine Vielzahl von gemeinsamen Schnittpunkten. Wir arbeiten gemeinsam im Beirat für den Islamischen Religionsunterricht in NRW, organisieren bundesweit den Tag der Offenen Moscheen und Spitzentreffen mit der EKD oder pflegen Kontakte zu der Deutschen Bischofkonferenz. Auch in vielen weiteren Bereichen funktioniert die Zusammenarbeit gut.

IslamiQ: Der KRM ist mit dem Anspruch gestartet, für die Muslime in Deutschland zu sprechen. Tut sie das?

Kesici: Der KRM hat nicht den Anspruch für alle Muslime zu sprechen aber wir repräsentieren die Mehrheit der organisierten Muslime. Im KRM sind die großen und relevanten islamischen Gemeinschaften vertreten. Wir pflegen auch guten Kontakte zu islamischen Institutionen, die nicht im KRM vertreten sind.

Das Interview führte Esra Lale.