Flüchtlinge

Bald islamische Partei in Deutschland?

Eine muslimische Partei hätte in Zukunft gute Chancen in Deutschland, meint Parteienforscher Jürgen W. Falter. Als Grund nennt er die steigende Zahl muslimischer Bürger aufgrund des Flüchtlingsstroms.

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2015
Wahlzettel Bundestagswahl
Wahlzettel, Bundestagswahl © by Awaya Legends auf Flickr (CC BY-2.0), bearbeitet islamiQ

Der Parteienforscher Jürgen W. Falter räumt einer Muslim-Partei in Deutschland gute Chancen ein. Eine Zahl von künftig sieben bis acht Millionen Muslimen sei angesichts von derzeitigem Flüchtlingsstrom und Familiennachzug „keine völlig aus der Luft gegriffene Zahl“, sagte der Politikwissenschaftler im Interview der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag). „Das wäre bei weitem genug für eine Minderheitenpartei.“

Nach Falters Einschätzung werden die gegenwärtigen Zuwanderer der Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzenden Angela Merkel das Obdach in Deutschland an der Wahlurne nicht danken. Die Union führe das Christliche im Titel und betone es in ihrem Grundsatzprogramm. So sei sie „für gläubige Muslime naturgemäß nicht die Partei der ersten Wahl“, so Falter. Auch der Bildungsgrad der meisten Flüchtlinge lasse vermuten, dass sie später bevorzugt linke Parteien oder eben eine künftige islamische Partei wählten. – Falter leitet das Institut für Politikwissenschaft an der Universität Mainz. (KNA, iQ)

Leserkommentare

Peter Wild sagt:
Falter hat da sicher recht. Doch hat die Sache auch eine problematische Seite: In wessem Interesse liegt es eigentlich, Syrien weitgehend menschenfrei zu bomben, wie das zurzeit geschieht? Um dieser Frage auf die Spur zu kommen, sollte man beachten, dass alle Nachbarstaaten Flüchtlinge aufnehmen – außer einer! Und man sollte bedenken, dass wenn man diese Lager regelrecht aushungern lässt, deren Bewohner sich zwangläufig nach Alternativen suchen. Werden sie dann von einem Land regelrecht eingeladen, dann sind sie bald zu Massen dort. Und dann? Was bedeutet es, wenn sie dort dann integriert werden? Wenn sie folglich niemals zurück wollen? Kann es sein, dass das Land, das keine Flüchtlinge aufnimmt, sich plötzlich anbietet, dem IS mit Bodentruppen zu begegnen, vielleicht im angeblichen Verbund mit arabischen Staaten, angefangen on Ägypten bis Marokko? Würde das die Welt bejubeln? Wie groß wären dann die Chancen für diejenigen, die eigentlich in ihre Heimat zurückwollen, dass sie das dann könnten. Oder würde dieser Nachbar seine Besatzungsgebiete nicht einfach ausdehnen und nie wieder hergeben? Und noch einige letzte Fragen: Was hat Deutschland von dem Krieg? Was haben die USA davon? Nichts außer Kosten und Chaos. Welcher Staat hat auf diese beiden Ländern so viel Einfluss, dass sie es dennoch tun? Und das alles für eine Islamische Partei in Deutschland? Ich fürchte, dass ist etwas kurzsichtig gedacht. Mit etwas Geduld bekommen wir die auch so.
08.02.16
18:00
Enail sagt:
Nur das nicht!!!!!!!!!!!!!! Wir brauchen keinen politischen Islam in Deutschland. Wohin das führt sieht man an dem Zerfall der arabischen Welt. Kommen jetzt die Muslime nach Europa und Deutschland und wollen sie hier die gleichen Zustände vor denen sie geflohen sind? Wir haben hier eine Demokratie und das Grundgesetz das Gleichtberechtigung, freie Meinungsäußerung, Religionsfreiheit usw. gewährleistet. Die Muslime sollten sich integrieren in einem Land das sie aufnimmt und ihnen Schutz vor ihren Glaubensbrüdern bietet. Wäre eine islamische Partei der nächste Schritt um ein weiteres Land zu unterwerfen, denn Islam bedeutet ja Unterwerfung. Wenn Muslime Schwierigkeiten haben, dass sie sich bei unseren Parteien nicht aufgehoben fühlen, müssen sie halt in ein Land gehen, dass Ihren religiösen und politischen Vorstellungen entspricht. Frage mich eh schon immer, warum viele Muslime in ein Land kommen, deren Werte sie eigentlich ablehnen, weil es nicht den Vorstellung von ihrem Islam entspricht.
11.02.16
12:57
Manuel sagt:
Versehe also, etwas Kritisches zur Islamisten-Partei AKP darf man also nicht schreiben oder wie? Wird sofort gelöscht oder? Erdogan ist ein Islamist oder wurde die Türkei etwa seit seinem Machtantritt nicht islamisiert?
11.02.16
15:46
H.-W. Graf sagt:
Eine Partei, die ihre religiöse Ideologie ÜBER die staatliche Ordnung (Grundgesetz) stellt - und genau das steht im Koran (als Allahs unumstößliches Dekret!) - ist, auch wenn das Merkel, Roth, Özdemir, Gauck&Co bis heute nicht kapieren, verfassungsfeindlich. Wenn der Islam in keinem einzigen Land (außer für die jeweilige "Elite") menschenwürdige Verhältnisse geschaffen hat, warum sollten wir dann genau die Ideologie übernehmen, die in den heutigen muslimischen Ländern derartige Verhältnisse haben entstehen lassen?
12.02.16
0:33
Manuel sagt:
Vollkommen richtig, Hr. Graf. Ich kenne kein islamisches Land, in denen Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und auch sexuelle Freiheit herrscht, stattdessen rückwertsgewandte Anwendung der Scharia und komplette Unterdrückung, auch der Hoffnungsträger Türkei ist auf diesen Weg eingeschlagenen, seit der AKP-Machtergreifung. Was ich auch nicht verstehe, wieso die Moslems, wenn sie bei uns sind genau denen dann nachlaufen, die genau wieder diese Zustände einführen wollen. Wenn ich in ein anderes Land gehe, dann habe ich mich den dortigen Gesetzen, Vorschriften und gesellschaftlichen Normen anzupassen und kann nicht ständig verlangen, die anderen müssten sich mir anpassen.
12.02.16
13:09
Subah sagt:
Für die desolate Lage der islamischen Länder den Islam verantwortlich zu machen zeugt von ganz schöner Verblendung. Nicht der Islam, sondern Jahrhunderte KOLONIALISIERUNG, Jahrzehnte EMBARGEN und Jahrzehnte völkerrechtswidriger KRIEGE, BESATZUNG und willkürlicher REGIME CHANGE Aktionen haben aus dem Nahen, Mittleren Osten und Nordafrika das gemacht, was sie heute sind. Getrieben von der Gier westlicher Herrscher nach ÖL, Land und geostrategischem Einfluss. Wer das nicht kapiert, braucht bitte nichts von Aufklärung, Meinungsfreiheit und pipapo zu schwafeln, der möge bitte zu aller erst ein objektives Geschichtsbuch zur Hand nehmen, oder sich einfach Brezinskis entlarvenden Werke (The Grand Chessboard) zu Gemüte führen - immerhin berät der Mann die Nation, die seit über einem Jahrhundert UNUNTERBROCHEN weltweit Kriege führt/finanziert/instigiert.
14.02.16
18:25
Manuel sagt:
@Subah: Typische Reaktion, schuld sind wiedermal die anderen. Schon mal auf die Idee gekommen, dass es auch am Islam liegen könnte und seinem Verständnis von Staat und Politik, keine Demokratie und kein Säkularismus. Saudi-Arabien beispielsweise ist superreich, doch gesellschaftlich leben sie im tiefsten Mittelalter und finanzieren auch noch den internationalen Islamismus, gilt auch für andere Öl-Staaten. Außerdem wurde der Nahe Osten und Teile Nordafrikas von einer islamischen Großmacht, dem Osmanischen Reich beherrscht, erst ab 1918 haben dann Frankreich und GB, die ehemaligen osmanischen Provinzen übernommen, also nehmen Sie mal ein Geschichtsbuch zur Hand, statt andere belehren zu wollen.
16.02.16
10:03
Subah sagt:
@Manuel: 500.000 Tote Zivilisten nach 10 Jahren Embargo sind ein Verbrechen (Irak). Millionen Tote auch (Irak+Afg), weitere Millionen ohne Zugang auf Bildung seit Generationen sind eine Katastrophe! Mit Verbrechen von säkularen Staaten haben Sie offenbar kein Problem? Und wenn Sie einen Schritt weiterdenken, wer sind die Financiers der Familie Saud? Mal darüber nachgedacht, wer den Arabern ihren Staat ermöglicht hat und woher das Grundübel der willkürlichen Spaltung in den Arabischen Staaten kommt? (Tipp: ein Blick auf die Landkarte und die äußerst "natürlichen" Grenzziehungen hilft!)
16.02.16
19:41
Enail sagt:
Nur so zur Information. Und tatsächlich ist es ja so, dass für alle Missstände auf der Welt der Westen verantwortlich gemacht wird. Wie Rückschritt geht, zeigt auch die Türkei. Mustafa Kemal Atatürk würde sein Land nicht wieder erkennen. Er ist der Begründer der heutigen Türkei und verbannte den Islam aus der Öffentlichkeit. Ich füge ein: "Die Einbrüche westlicher Mächte in den Nahen Osten riefen bei zeitgenössischen islamischen Denkern heftige Reaktionen hervor. Das Osmanische Reich hatte ihnen viele Jahrhunderte lang auch als sichere Bastion der Überlegenheit ihres Glaubens gegolten. Wie hatte es im 19. Jahrhundert gegenüber dem Westen wirtschaftlich, technisch, militärisch und wissenschaftlich so offensichtlich ins Hintertreffen geraten können? Zahlreiche Gelehrte erklärten diese Entwicklung mit der Abkehr der Gläubigen von den Wurzeln des Islam und der Übernahme islamfremder Elemente aus anderen Ideologien und Systemen. Diese Schlussfolgerung war im Grunde nicht neu. Entsprechende Mahnungen hatte es in allen Jahrhunderten seit Bestehen des Islam gegeben. Organisatorische Dichte erreichten sie im ausgehenden 18. Jahrhundert mit dem Wahhabismus und im beginnenden 19. Jahrhundert mit der 1837 von Mohammed as-Senussi gegründeten gleichnamigen Bruderschaft, die seitdem den Islam in Libyen prägt. Beide Bewegungen forderten eine Rückkehr zur Praktizierung des Islam wie in Zeiten der "frommen Altvorderen" (arab.: as-salaf as-salih), also der Zeitgenossen des Propheten und der ersten vier Kalifen. Der heutige Begriff des Salafismus geht auf diesen Ursprung zurück (siehe auch S. 16 ff.). Nur so zur Information!!!!!!!!!!
17.02.16
8:12
Manuel sagt:
@Subah: Was ist mit der Scharia, hat die auch der Westen eingeführt oder wie? Oder das man im Iran wegen Homosexualität hingerichtet wird, auch der Westen schuld oder? Bei Ehebruch Steingungen, bei Genuss von Alkohol Auspeitschungen, Kopftuchzwang/Naqib-Zwang, Frauenunterdrückung, Unterdrückung von Sexualität bzw. Nacktheit, Todesstrafe bei Abfall vom Islam, usw. Auch der Westen schuld oder?
17.02.16
13:56
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