Aktionsbündnis muslimischer Frauen

Muslimische Frauen beklagen verzerrte Darstellung des Islams

Das Aktionsbündnis muslimischer Frauen kritisiert die pauschalisierende und verzerrte Darstellung des Islams in den Medienberichten über eine fragwürdige Freitagspredigt in Berlin. Entgegen der Predigt bestätigt das Bündnis die Gleichberechtigung der Geschlechter im Islam.

19
02
2015

Eine verzerrte Wahrnehmung des Islam in der öffentlichen Debatte beklagt das Aktionsbündnis muslimischer Frauen in Deutschland. Es gebe bundesweit mehr als 2.500 Moscheen, „in jeder davon jeden Freitag eine Ansprache, also rund 130.000 Ansprachen im Jahr“, heißt es in einem offenen Brief des Bündnisses an verschiedene Zeitungen..

„Keine davon hat jenes Medienecho gefunden, das ein Wanderprediger in einer Moschee in Berlin hervorgerufen hat.“ Der Mann hatte in einer Ansprache in der Berliner Al-Nur-Moschee die völlige Unterordnung der Frau unter ihren Mann gefordert und damit deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt.

Keine Frauenunterdrückung im Islam

Aus dem Koran lasse sich eine Unterdrückung der Frau nicht legitimieren, so die Unterzeichner des Briefes. „Jeder, der einen Moment innehält, muss zu der Erkenntnis kommen, dass dieser Medienhype nichts über die Muslime in Deutschland aussagt, sondern vielmehr darüber, welches Bild von Muslimen in Deutschland reproduziert wird“, heißt es weiter.

„Wir sind es leid, in dem Hamsterrad von Distanzierungen und Richtigstellungen weiter mitzulaufen.“ Es sei vielmehr an der Zeit, die „Normalmuslime“ als Regelfall wahrzunehmen und nicht denjenigen, der seine individuelle Meinung mit „willkürlich interpretierten religiösen Versatzstücken“ als den wahren Islam dar darstelle.

Dem Bündnis mit Sitz in Wesseling bei Köln gehören rund 400 Frauen an. (KNA/iQ)

Leserkommentare

Bernhard sagt:
Der türkische Staatspräsident, der immerhin von der Mehrheit der Türken, die wiederum mehrheitlich Muslime sind, hat kürzlich gesagt, dass Frauen im islam eben nicht gleichberechtigt sind. Und die Unterdrückung der Frau läßt sich aus dem Koran sehr wohl herauslesen. Lediglich später, im Paradies, sind die Frauen vor Gott den Männern gleich. Im Diesseits steht der Mann über der Frau. So erben Frauen lediglich die Hälfte von dem, was ein Mann erbt. Auch die Zeugenaussage einer Frau ist nur die Hälfte wert, die Zeugenaussagen zweier Frauen wiegt soviel wie die Zeugenaussage eines Mannes. Auch wird im Koran allein dem Mann zugestanden, sich von seiner Frau scheiden zu lassen. Dennoch stimme ich zu, dass es Zeit wird, den Islam nicht nur unter den Aspekten von (vermeintlicher) Frauenunterdrückung und Terror zu betrachten. Aber die Verantwortung dafür sehe ich vorrangig bei den Muslimen selbst. Nur diese haben es in der Hand, welches Bild sie von ihrer Religion vermitteln. Beleidigtes Trotzverhalten hilft da gar nicht.
19.02.15
14:40
Raimund sagt:
Wie wenig die Frauen im Islam unterdrückt werden, kann man immerhin auch in den muslimischen Ländern sehen. Allen voran sind hier Saudi-Arabien und der Iran zu nennen (um gar nicht erst den Islamischen Staat oder die Taliban zu erwähnen). Aber auch in Ländern wie Marokko, dem Jemen oder Ägypten (die Muslimbrüder haben auch nicht gerade in Richtung Gleichberechtigung gearbeitet) hält sich die Gleichberechtigung der Frauen in Grenzen. In der Türkei ist die Gleichberechtigung der Frauen seit der islamisch geprägten Regentschaft der AKP auch eher rückläufig. Im Grunde zieht sich das durch die ganze arabisch-muslimische Welt. Es mag also sein, dass der Islam eigentlich die Frauen befreien und Gleichberechtigung unter den Geschlechtern herstellen wollte. In der Wirklichkeit ist dies jedoch kaum gelungen und der Koran gibt auch nicht wirklich Grund zur Hoffnung. Es gibt nun einmal die Passagen, die die Frauen dem Mann unterordnen. Die Frage ist aber letzlich natürlich, ob muslimische Frauen überhaupt Gleichberechtigung wollen. Ebensowenig, wie man jemanden in Ketten ins Paradies schleiffen kann, kann man eine Frau zwingen, Gleichberechtigung zu wollen.
20.02.15
13:56