Ein Toter, fünf Verletzte: Nach den Schüssen bei Paris ermittelt die Anti-Terrorstaatsanwaltschaft. Auch ein islamfeindlicher Hintergrund steht im Raum. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Am Freitagvormittag hat ein Mann in Trappes und La Verrière westlich von Paris aus einem Auto heraus auf Menschen geschossen. Dabei wurde ein 28-Jähriger getötet, fünf weitere Menschen wurden verletzt. Unter ihnen ist ein zwölfjähriges muslimisches Mädchen, das lebensgefährliche Verletzungen erlitt.
Der Angreifer schoss nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez an drei verschiedenen Orten mit einer automatischen Waffe. Nach etwa 15 Minuten wurde er festgenommen.
Bei dem Verdächtigen handelt es sich nach Medienberichten um einen 39-jährigen Mann aus der Region. Er wurde kurz nach der Tat im nahe gelegenen Coignières festgenommen. Eine weitere Person aus seinem familiären Umfeld kam ebenfalls in Gewahrsam.
Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden Ermittler eine mutmaßliche Sprengfalle aus Gasflaschen, Kabeln und einer Zeitschaltuhr. In seinem Fahrzeug wurden eine Maschinenpistole und eine Tränengasgranate entdeckt. Der Verdächtige war zunächst noch nicht vernommen worden.
Die Anti-Terrorstaatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit einem terroristischen Vorhaben. Dabei wird auch geprüft, ob die Opfer aufgrund ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe oder Religion angegriffen wurden.
Medienberichten zufolge soll der 39-jährige Verdächtige erklärt haben, sich an Schwarzen und Arabern rächen zu wollen. Der Bürgermeister von Trappes, Ali Rabeh, sprach von einem rassistischen und wahrscheinlich islamfeindlichen Anschlag.
Unter den Verletzten ist ein zwölfjähriges Mädchen, das nach Medienberichten ein Kopftuch trug und lebensgefährlich verletzt wurde. Seine Mutter vermutete, dass das Mädchen deshalb ins Visier geraten sein könnte. Ob das Kopftuch bei der Auswahl des Opfers eine Rolle spielte, ist bislang nicht bestätigt. Die Ermittlungen zum genauen Tatmotiv dauern an.
Präsident Emmanuel Macron bezeichnete die Tat als rassistischen Terroranschlag. Die Opfer seien wegen ihrer Hautfarbe oder ihrer vermeintlichen Religionszugehörigkeit angegriffen worden. Innenminister Laurent Nuñez sprach ebenfalls von einer terroristischen Tat. Premierminister Sébastien Lecornu bezeichnete die Vorfälle als sehr ernst.
Auch der frühere Präsident François Hollande sprach von rassistischem Hass. Angesichts des Angriffs auf die beiden Gemeinden sei nationale Solidarität gefragt, schrieb er auf der Plattform X.
Der französische Rat des muslimischen Glaubens (CFCM) zeigte sich entsetzt und sprach von einem möglichen islamfeindlichen Terroranschlag. Der Verband warnte vor den Folgen von Hassreden und der Stigmatisierung von Muslimen. Wenn Bevölkerungsgruppen wiederholt als Bedrohung für die nationale Identität dargestellt würden, könne dies ein Klima der Feindseligkeit schaffen, das Gewalt begünstige.
„Die Freiheit der Meinungsäußerung kann nicht die Verharmlosung von Äußerungen rechtfertigen, die Bevölkerungsgruppen als innere Feinde darstellen“, erklärte der CFCM.
Der Verband rief Politik, Medien und gesellschaftliche Akteure dazu auf, ihrer Verantwortung im öffentlichen Diskurs gerecht zu werden. Zudem appellierte er an Musliminnen und Muslime in Frankreich, besonders wachsam zu sein.