Dialog

Benedikt XVI.: Bibel und Koran unterscheiden sich grundlegend

Am Mittwoch erschien posthum ein Buch von Papst Benedikt XVI.. Im Buch kritisiert das ehemalige Kirchenoberhaupt einige gegenwärtige Versuche zum Dialog zwischen Christen und Muslimen.

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01
2023
Symbolbild: Koran und Bibel © Shutterstock, bearbeitet by iQ.
Symbolbild: Koran und Bibel © Shutterstock, bearbeitet by iQ.

Der ehemalige Papst Benedikt XVI. hat sich in seinen letzten Lebensjahren weiterhin mit den grundlegenden Unterschieden von Islam und Christentum auseinandergesetzt. In seinem am Mittwoch postum erschienenen Buch „Was ist das Christentum?“ kritisiert das frühere Kirchenoberhaupt einige gegenwärtige Versuche zum Dialog von Christen und Muslimen. Diese seien oft gekennzeichnet von der „ungenügenden Kenntnis der heiligen Schriften“ beider Religionen.

Ferner sei dieser Dialog häufig „strukturell falsch aufgestellt“. So werde einerseits betont, dass sowohl in der Bibel wie auch im Koran die Rede sei von der Barmherzigkeit Gottes. Daraus werde der Imperativ der Nächstenliebe abgeleitet. Dann werde aber auch festgestellt, dass sich in beiden Texten Aufrufe zur Gewalt fänden. Und schließlich stelle man sich gewissermaßen über beide Religionen und stelle fest, dass es in beiden Gutes und Schlechtes gebe und es deshalb nötig sei, Bibel und Koran in einer Hermeneutik der Liebe zu lesen und sich mit Blick auf beide der Gewalt entgegenzustellen.

Auf diese Weise, so die Kritik des früheren Papstes, würden aber verschiedene Ebenen vermischt. Anders als die Bibel sei der Koran ein einziges Buch. Es werde von den Muslimen als direkte Inspiration Gottes angesehen und beanspruche deshalb eine von Gott ausgehende Autorität.

Die Bibel hingegen sei eine über etwa tausend Jahre gewachsene Sammlung von Schriften. Diese seien nach dem Glauben von Juden und Christen nicht unmittelbar von Gott diktiert. Ihre Autorität entwickle sich immer nur in der Interpretation des Weges, den das Volk Gottes unter seiner Führung zurückgelegt habe. Insofern sei der christliche Glaube keine „Buchreligion“. Wer diese strukturellen Unterschiede betrachte, werde sich vor übereilten Parallelen zwischen den beiden Religionen hüten. (KNA, iQ)

 

Leserkommentare

Enes Kurtar sagt:
Schade dass Bruder Benedikt nicht die Wahrheit sehen konnte. Jetzt wurden ihm seine Augen wahrscheinlich geöffnet. Sehr schöner Text, Dankeschön!
21.01.23
9:25
Minimalist sagt:
Sowohl in der Bibel wie auch im Koran lassen sich Texte mit Aufrufen zu Gewalt finden. Wie kann es sein, dass aber gewalttätige Aktivitäten und barbarische Scharia-Hinrichtungen besonders in Ländern mit islamischer Dominanz - in heutiger Zeit - real stattfinden, während gleichzeitig - in heutiger Zeit - solches und ähnliches in mehr christlich und nicht muslimisch beherrschten Ländern nicht passiert? Inwiefern dem Bruder Benedikt nach seinem irdischen Fortgang nunmehr eine echte Wahrheit sichtbar ist, die er vorher nicht sehen konnte, ist höchst spekulativ und voller nebulöser Wunschfantasien.
21.01.23
14:44
grege sagt:
was ist denn die Wahrheit??????????ß
21.01.23
18:34
Charley sagt:
Der islam kennt nur den Vaterbegriff. Der Sohnesbegriff fehlt ihm. Dass das Ideal des Menschseins in seiner ursprünglichen göttlichen Größe durch das Leben, vor allem aber durch den Tod und noch mehr durch die Auferstehung Christi wieder hergestellt wurde, wird nicht begriffen von den Moslems. Diese Auferstehungsleiblichkeit, die mit der völligen Wiedervergeistigung der gesamten menschlichen Existenz einher geht, ist der Kern der Christlichen Botschaft. "Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich." 1.Korinther 15:14. Warum konnte der Leib nicht von den Todeskräften zersetzt werden? Weil er auch geistig vollkommen von den Liebeskräften zusammen gehalten und erhalten wurde als Geistessenz des tatsächlichen Leibes (dieser überhaupt nicht einfache Begriff sei hier nur angedeutet.) Darum ist die Verwirklichung der Gottes- und Nächstenliebe der Weg des Christentums. Der Weg des islam erscheint mir da eher als ein radikaler Gehorsam gegenüber "Allah", der einfach nur die vatergöttlichen Qualitäten hat. Und das Problem des Islam ist es, der tatsächlichen menschlich-irdischen Eigenexistenz einen WErt zu zusprechen. Die ganze Evolution seit dem Sündenfall ist ein einziger Irrtum, die alleinige Botschaft ist "back to the roots". Die Entwicklung der Freiheit, aus der die Kraft der Liebe geboren wird, kennt der Islam nicht. Da ist Benedikt (der mir überhaupt nicth sympathisch ist - aus anderen Gründen) jemand, der vielleicht sehr klar gesehen hat, dass die schammig Denkenden Multikulti-Christen etwas aus dem Blick verloren haben.
22.01.23
19:49