Iserlohn

Theologin: Beschädigung muslimischer Gräber ist eine Schande

Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat die Schändung muslimischer Gräber im nordrhein-westfälischen Iserlohn als „Schande“ bezeichnet.

10
01
2022
Schändung muslimischer Gräber
Muslimische Gräber in Iserlohn beschädigt

Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat die Schändung muslimischer Gräber im nordrhein-westfälischen Iserlohn als „Schande“ bezeichnet. Die Würde der Toten und der Trauernden werde im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten, und wer dies tue, dem fehle der Anstand, schreibt die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in ihrer Kolumne in der „Bild am Sonntag“. Sie erinnerte in dem Zusammenhang auch an wiederkehrende Angriffe auf jüdische Friedhöfe in Deutschland.

30 Gräber beschädigt

Nach Polizeiangaben hatten Unbekannte in der Zeit des Jahreswechsels auf dem muslimischen Teil des Hauptfriedhofs in Iserlohn rund 30 Grabsteine umgeworfen. Sie beschädigten zudem Dekorationselemente und Pflanzen. Der Staatsschutz ermittelt wegen Störung der Totenruhe und Sachbeschädigung. Die Tat hatte bundesweit Empörung ausgelöst.

„Wie wir mit unseren Toten umgehen, sagt etwas über unseren Respekt vor dem Leben“, betont Käßmann. Dass Muslime ihre Toten inzwischen in Deutschland und nicht in ihren jeweiligen Herkunftsländern bestatten ließen, sei ein „Zeichen der Beheimatung“. (KNA/iQ)

Leserkommentare

Vera sagt:
Eine Schande ist ebenfalls die Beschädigung und Schändung des Grabes von Ella Nik Bayan in Berlin-Lichtenberg am 1. und 4. Januar 2022. Sie war eine Transfrau aus der islamischen Republik Iran und vor Verfolgung und Gewalt nach Deutschland geflohen. Transfeindliche Hassgewalt macht selbst vor Grabstätten und dem Andenken Verstorbener nicht Halt. Insider vermuten, dass hinter einem erneuten Hassverbrechen fanatische Muslime stecken könnten. So berichtete der Blog 'Philosophia Perennis'. Ein Fachkommissariat des Polizeilichen Staatsschutzes hat mittlerweile die weiteren Ermittlungen übernommen, "da der Verdacht einer transfeindlichen Motivation für die Straftat, Störung der Totenruhe und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener im Raum steht", so die Berliner Polizei. Ella Nik Bayan hatte sich am 14. September 2021 am Berliner Alexanderplatz mit einer brennbaren Flüssigkeit aus einem Benzinkanister übergossen und selbst angezündet; sie verstarb noch am gleichen Tag an ihren schweren Brandverletzungen in einem Berliner Unfallkrankenhaus. Selbst nach ihrem Tod finden Verachtung und Herabwürdigung ihrer Person kein Ende. Die Schändung der Grabstätte sorgte weit über Berlin hinaus für Empörung und Abscheu.
11.01.22
14:51