Bayern

Sarglose Bestattung: Zeichen der Integration für Muslime

Nachdem im April die bayerische Bestattungsverordnung gelockert wurde, finden nun die ersten Bestattungen nach islamischem Ritus ohne Sarg statt.

02
11
2021
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Bestattungshilfe
Islamische Bestattungen © Shutterstock, bearbeitet by iQ

Die Stadt München probt nach der Aufhebung der Sargpflicht in Bayern Bestattungen im Leichentuch. Wie Münchner Medien berichteten, wurde die neue Form der Bestattung schon mit Probebeisetzungen geübt. Dabei seien auf dem Westfriedhof zweimal Dummys beigesetzt worden, berichtete der Bayerische Rundfunk.

Erst seit kurzem ist eine Bestattung ohne Sarg in Bayern prinzipiell erlaubt. Eine Änderung der Bestattungsverordnung ermöglicht die Lockerung der Sargpflicht. Hintergrund ist der Wunsch vieler Menschen, Bestattungen nach muslimischem Ritus in einem Leinentuch durchzuführen.

Künftig 4.000 Bestattungen nach islamischem Ritus

Laut Statistischem Bundesamt haben im Jahr 2020 in Bayern circa 143.000 Beerdigungen stattgefunden. Entsprechend einem Bevölkerungsanteil von vier bis fünf Prozent Muslime in Bayern könnten in Zukunft etwa 4.000 Verstorbene pro Jahr ohne Sarg beigesetzt werden, nur im Leinentuch, so die Schätzungen des Bayerischen Bestatterverbandes. In der Ausbildung zur Bestatterfachkraft oder zum Meister ist die sarglose Bestattung bereits fester Bestandteil.

Ganz ohne Sarg geht es nicht

Auch wenn der islamische Ritus, also die Bestattung im Leinentuch, eingehalten wird: Ganz ohne Sarg gehe es trotzdem nicht. Denn der Holzsarg aus Pappel, Fichte, Kiefer, Buche oder Eiche garantiere Hygiene und Pietät. Er sei unverzichtbar beim Transport vom Todesort über den Friedhof bis zum Grab.

Erst kurz vor dem Hinablassen in die Erde werde der Leichnam aus dem Holzsarg genommen, erklärt der islamische Bestatter Salih Güler aus München gegenüber Medien. Zukünftig überlegen Bestatter, Leihsärge zur Verfügung zu stellen oder eben einfache Särge. Auf jeden Fall kostengünstige Lösungen.

Kommunen entscheiden über Umsetzung

Nach dem Vorbild der Stadt München arbeiten nun auch andere bayerische Städte und Gemeinden an der Umsetzung der sarglosen Bestattung. Trotzdem sollen seit April erst wenige sarglose Beerdigungen stattgefunden haben.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Arif Taşdelen setzt sich schon seit acht Jahren für die sarglose Bestattung ein. Gabriele Triebel, religionspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, bedauert, dass die Regierung die Verantwortung auf die Kommunen abgeschoben habe.

Denn die einzelnen Kommunen sind nicht zur Praxis verpflichtet, vielmehr ist es ihre eigene Entscheidung. Bayern hat nur die Bestattungsverordnung geändert, aber nicht das Bestattungsgesetz.