Militärseelsorge

Bundeswehr und Polizei brauchen auch muslimische Seelsorger

Vor kurzem wurde der erste Militärbundesrabbiner ernannt. Die Einführung einer muslimischen Militärseelsorge lässt weiter auf sich warten. Welche Baustellen noch vorhanden sind, erklärt Dr. Cemil Şahinöz.

30
05
2021
Militärseelsorge
Militärseelsorge © Shutterstock, bearbeitet by iQ

Seit einem Jahrzehnt sind die Themen islamische Seelsorge und muslimischer Wohlfahrtverband auf der Tagesordnung islamischer Gemeinschaft in Deutschland und auch in anderen Staaten Europas. Auch die Politik, in Gestalt der Deutschen Islam Konferenz (DIK), oder in den verschiedenen Ministerien der Bundesländer, hat sich des Themas angenommen.

In vielen Bereichen und Seelsorgedisziplinen gibt es inzwischen Ausbildungsmöglichkeiten und Einsatzgebiete, wobei die Frage der Finanzierung größtenteils nicht geklärt ist. In den Bereichen Krankenhausseelsorge, Gefängnisseelsorge, Telefonseelsorge und Notfallseesorge hat sich in vielen Regionen etwas getan.

Militärseelsorge: Bedarf vorhanden, Lösung fehlt

Die Militärseelsorge wird seit ca. einem Jahrzehnt diskutiert. Das zentralste Problem hierbei besteht gegenwärtig darin, dass juristisch und politisch auf eine bestimmte Struktur bestanden wird, die es im Islam jedoch nicht gibt. Laut dem Grundgesetz steht jedem Soldaten ein Seelsorger seiner Religionsgemeinschaft zu. Islamische Gemeinschaften erfüllen jedoch die gesetzlichen Kriterien einer Religionsgemeinschaft angeblich nicht, wie sie im Grundgesetz definiert sind. Soziologisch betrachtet sind sie ganz gewiss Religionsgemeinschaften, aber die juristische Definition aus dem Grundgesetz wird hier scheinbar nicht erfüllt. Entsprechende Anträge werden immer wieder abgelehnt.

Der zuständige Bundesinnenminister erklärte schon im September 2016, dass ein Bedarf an muslimischen Seelsorgern bei der Polizei und der Bundeswehr besteht. Daher erscheint es sinnvoll, alternative Wege zu gehen. Dass bedeutet, es müsste möglich sein, Zwischenlösungen zu finden, wie z. B., dass man mit den bestehenden muslimischen Gemeinschaften einen Vertrag über die islamische Seelsorge abschließt und auf der Basis dieses Vertrages muslimische Militärseelsorger einstellt.

Auch Polizisten brauchen seelsorgerische Begleitung

Während also das Thema Militärseelsorge zumindest auf der Tagesordnung von verschiedenen Institutionen auftaucht und in regelmäßig in den Medien thematisiert wird, finden die Bereiche Feuerwehrseelsorge und Polizeiseelsorge bisher kaum Beachtung, obwohl auch hier ein Bedarf klar erkennbar ist.

Über den Anteil der Muslime bei der Polizei und der Feuerwehr gibt es keine Zahlen, da die muslimische Zugehörigkeit in den Statistiken nicht erfasst wird. Jedoch gibt es einige Studien zum Migrationshintergrund der eingestellten Personen bei der Polizei. So lag der Anteil der neu eingestellten Personen mit Migrationshintergrund bei der Polizei im Jahre 2019 in Baden-Württemberg bei 27,2%, in Berlin bei 32,5%, in Bremen bei 14,7%, in Hamburg bei 15,5%, in Hessen bei 21,7%, in Niedersachsen bei 12,1%, in Nordrhein-Westfalen bei 13,3%, in Rheinland-Pfalz bei 13,3% und in Sachsen-Anhalt bei 7,3%. Für die anderen Bundesländer liegen keine Daten vor (Quelle: Mediendienst Integration, 2019).

Da im selben Jahr 28,3% der Migranten in Deutschland Muslime waren, kann man davon ausgehen, dass viele muslimische Polizeibeamte im Dienst sind. Wie auch ihre nichtmuslimischen Kollegen, brauchen diese muslimische Seelsorge, um mit den verschiedenen seelischen Konflikten und Belastungen, die bei Polizeieinsätzen entstehen können, umzugehen. Nicht nur die Polizeibeamten selbst, sondern auch ihre Angehörigen haben einen Bedarf nach seelsorgerischen Gesprächen. Daher scheint der Aufbau einer islamischen Polizeiseelsorge sehr sinnvoll zu sein, um diesen Bedarf decken zu können.

Muslimische Seelsorge findet keine Beachtung

Ohnehin sind einige Polizeieinrichtungen jetzt schon involviert in die Ausbildung von muslimischen Notfallseelsorgern. Diese muslimischen Notfallseelsorger werden bei verschiedenen Situationen eingesetzt, sind jedoch überwiegend nicht für die Polizeibeamten, sondern für die Betroffenen und Angehörigen von Notsituationen zuständig.

Der Bedarf nach Seelsorgern für Polizeibeamte, die nicht christlich sind, besteht auch für Personen anderer Glaubensrichtungen als dem Islam. So wurde ein erster jüdischer Polizeiseelsorger Dezember 2020 gemeinsam mit dem Land Baden-Württemberg ernannt. Ebenfalls seit 2020 können die ersten jüdischen Militärseelsorger eingesetzt werden.

Zum Migrationshintergrund bei der Feuerwehr gibt es keine zuverlässigen Zahlen. Jedoch bietet sich auch in diesem Bereich an, jetzt schon zu planen, damit nicht erst dann gehandelt wird, wenn es „brennt“.

Leserkommentare

Vera Praunheim sagt:
Sollen immer mehr neue islamische Baustellen beim Militär, der Bundeswehr und Einrichtungen der Polizei, in Krankenhäusern und Gefängnissen, bei der Feuerwehr und im Justizwesen aufgemacht werden? Sollen diese Einrichtungen womöglich immer mehr islamisch infiltriert und entsprechend bereichert werden? Vielleicht haben wir auch bald z.B. in Berlin-Neukölln eigene islamische Polizeireviere zur besseren Abdeckung muslimischer Interessen und mit gemäßigteren, kultursensiblen Ermittlungsmethoden bei Verdacht auf Clankriminalität? Natürlich alles unter Federführung und Kontrolle der Deutschen Islam Konferen (DIK), möglichst als Anstalt des öffentlichen Rechts voll institutionalisiert und staatlich finanziert. Da würden doch die Herzen der Islam-Prediger-Imame und ihrer weisungsgebundenen Seelsorger höher schlagen. Inniglich verbunden im Geiste ewiger Koran-Weisheiten & islamischer Bruderschaften-Mentalität. Solches muß auch regelmäßig in den Medien auf die Tagesordnung gesetzt, thematisiert und gefordert werden. Immer wieder und immer wieder. Und überall in Europa. Denn nur steter Tropfen höhlt den Stein. Nicht vergessen: Muslimische Gebetsräume in Gerichtsgebäuden, Kliniken, Gefängnissen, Feuerwehrhäusern, Polizeibehörden, BW-Kasernen immer wieder nachhaltig ansprechen und fordern. Das islamische Selbstbewusstsein muß immer mehr erstarken und hervortreten und öffentlich eine staatstragende Rolle spielen. Die staatliche Übernahme kommt erst danach - so Gott will.
30.05.21
18:07