Kopftuch-Debatte

Streit über Kopftuch in Frankreich – Abgeordnete verlassen Sitzung

Frankreich diskutiert erneut über das Kopftuch. Abgeordnete störten sich an der eingeladenen Vertreterin einer Studentengewerkschaft, die ein Kopftuch trug.

19
09
2020
Kopftuch Muslimin
Symbolbild: Muslimische Frau mit Kopftuch © by Hernán Piñera auf Flickr (CC BY 2.0), bearbeitet islamiQ

Frankreich diskutiert erneut über das Kopftuch: Ausgelöst wurde die Debatte, weil Abgeordnete eine Ausschusssitzung des Parlaments verlassen hatten. Sie störten sich an der eingeladenen Vertreterin einer Studentengewerkschaft, die ein Kopftuch trug. Die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal erklärte am Freitag, dass sie wohl auch den Raum verlassen hätte. „Religiöse Regeln dürfen niemals Vorrang vor bürgerlichen Regeln, staatlichen Regeln, den Regeln der Republik haben“, sagte sie dem Sender BFMTV.

Der Vorfall hatte sich am Donnerstagvormittag bei einer Ausschusssitzung, die sich mit den Auswirkung der Corona-Krise auf die Jugend befasste, ereignet. Für die Studentengewerkschaft Unef war Maryam Pougetoux geladen, die mit Kopftucherschien. Pierre-Henri Dumont von den konservativen Republikanern monierte daraufhin, dass dies gegen den Grundsatz der Laizität verstoße. Er und einige Parteikollegen verließen den Raum.

Unef: „Es ist skandalös“

Schließlich ging auch die Abgeordnete Anne-Christine Lang von der Präsidentenpartei La République en Marche (LREM). Das Kopftuch sei mit ihren Werten unvereinbar, sagte sie zuvor. Es gebe keine Regel, die das Tragen religiöser Symbole durch eine Person, die vor einem Ausschuss erscheint, verbiete, betonte hingegen die Vorsitzende des Ausschusses, Sandrine Mörch, ebenfalls LREM-Abgeordnete.

„Es ist skandalös, dass im Jahr 2020 eine Abgeordnete eine verschleierte Studenten angegriffen hat“, reagierte die Studentengewerkschaft Unef auf Twitter. Mehrere konservative und rechte Politikerinnen und Politiker forderten hingegen eine Verschärfung der Regel für das Tragen religiöser Symbole im Parlament. Das Tragen auffälliger religiöser Zeichen oder Uniformen ist bisher für Abgeordnete verboten.

Kopftuch-Debatte in Frankreich

In Frankreich flammen immer wieder Debatten über das Kopftuch auf. Im vergangenen Jahr war ein heftiger Streit entbrannt, weil eine Mutter mit Kopftuch Schüler bei einem Schulausflug begleitet hatte. An staatlichen Schulen sind das Kopftuch und andere sichtbare religiöse Symbole seit rund 15 Jahren verboten. Im Dezember 2013 entschied das oberste französische Verwaltungsgericht, dass das verpflichtende Kopftuchverbot nur für Lehrer und Schüler gelte. Bei Eltern, die einen Ausflug oder eine Klassenfahrt begleiteten, müsse von Fall zu Fall entschieden werden. Nur wenn das Kopftuch die öffentliche Ordnung oder die Funktion des öffentlichen Dienstes behindere, könne verlangt werden, dass es abgelegt werde. (dpa)

Leserkommentare

Dilaver Çelik sagt:
Politiker sind asoziale Wichtigtuer mit Wahnvorstellungen. Typisch. Möge Gott ihnen Verstand und Vernunft geben.
19.09.20
21:27
Kritika sagt:
Gut gemacht, Frankreich. Man muss den Muslims ständig auf die Finger schauen, denn sie versuchen ständig sich mehr Rechte zu erschleichen. Das Kopftuch, in den Niederlanden auch Kopvod genannt, Symbol einer menschenverachtende Ideologie darf sich nicht einnisten, hier nicht heimisch werden. Die französische Parlamentarier haben eindeutig klargestellt, dass Muslimsymbole in 's Parlement nichts zu suchen haben. Ich hoffe, das ist in Deutschland ebenso. Gruss, Kritika.
19.09.20
22:26
Petra sagt:
Wie kann man nur so dermaßen arrogant sein? Leute, die anderen vorschreiben wollen, was sie anziehen dürfen und was nicht, haben in einer Demokratie nichts zu suchen.
19.09.20
22:58
Ute Fabel sagt:
Wenn ein Nichtmuslim eine Moschee betritt, wird von ihm zu Recht erwartet, dass er sich die Schuhe auszieht. Das ist ein Akt der Höflichkeit. Mit demselben Respekt vor dem staatlichen Laizismus, der nach sehr leidvollen historischen Erfahrungen mit religiöser Gewalt und Unterdrückung bereits seit über hundert Jahren wichtiger Bestandteil der französischen Staatsordnung ist, wäre es angebracht gewesen, dass Frau Pougetoux in einem Parlamentsausschuss nicht ihrer Religionsuniform erscheint. Die Reaktion der Abgeordneten auf diesen plumpen und aufdringlichen Bekleidungsdogmatismus war völlig verständlich.
21.09.20
17:24
Johannes Disch sagt:
Respekt! Die Franzosen setzen ihren Laizismus konsequent durch. Daran könnte sich Deutschland mal ein Beispiel nehmen. Es ist eine kalkulierte Provokation, was Musliminnen da mit dem Kopftuch tun. Es ist eine Herausforderung des französischen Laizismus. Das passiert nicht zum ersten Mal. 1989-- als ganz Europa nach Berlin sah, weil gerade der Eiserne Vorhang fiel-- waren die Franzosen mit wichtigerem beschäftigt. Bei Ihnen tobte der sogenannte "Tschador-Krieg." So nannte das die französische Presse. 2 muslimische Familien ließen es darauf ankommen und schickten ihre Kinder mit Kopftuch in die staatliche Schule. Der französische Staat setzte seinen Laizismus konsequent mit der Polizei durch. Ausführlich nachzulesen ist diese Affäre bei dem renommierten französischen Soziologren Gilles Kepel: "Das Schwarzbuch des Djihad" und im SPIEGEL Heft 45/1989 ("Zeichen der Unterwerfung") (Bei Google abrufbar).
22.09.20
8:12