Schweiz

Studie:Imame durchlaufen unterschiedliche Bildungswege

Eine standardisierte Ausbildung der Imame in der Schweiz gibt es nicht. Das geht aus einer Studie des Schweizerischen Zentrums für Islam und Gesellschaft (SZIG) der Universität Freiburg hervor.

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Symbolbild: Imamausbildung in Deutschland © Shutterstock, bearbeitet by iQ.

Eine Studie des Schweizerischen Zentrums für Islam und Gesellschaft (SZIG) der Universität Freiburg unter dem Titel „Bildungsangebote für Imame – ein Ländervergleich aus Schweizer Perspektive“ zeigt, dass es in der Schweiz keine standardisierte Imamausbildung gibt. Nach der am Dienstag veröffentlichten Studie qualifizieren sich Schweizer Imame von zumeist ausländischen Bildungseinrichtungen. Dabei beeinflussen ökonomische Anreize durch Stipendien, Lernmöglichkeiten für die arabische Sprache und persönliche Interessen neben theologischen Ausrichtungen die Wahl des Studienortes.

Die Studie besteht aus drei wesentlichen Teilen: die Imame in der Schweiz, ihre Bildungsorte im Ausland und andere europäische Länder, die in Politik, Wissenschaft und Gesellschaft mit einer ähnlichen Situation konfrontiert sind wie der Schweiz. Im Vordergrund stand nicht die Weiterbildung sondern die Grundausbildung von Imamen. Gegenstand der Studie sind 130 in der Schweiz tätige Imame, die regelmäßig und über eine gewisse Zeit tätig sind, religiöse Experten innerhalb einer Gemeinschaft darstellen und dadurch wesentlich für die Deutung des Islams verantwortlich sind.

Bildungsmotivation statt Studienort in den Blick nehmen

Die von den Imamen am meisten frequentierten Ausbildungseinrichtungen sind auf dem Balkan, in der Türkei, in Ägypten und Saudi-Arabien. Hauptsächlich sind hier theologische und interdisziplinäre Zugänge miteinander verknüpft. Obwohl die Rekrutierung von Imamen aus dem Ausland nicht  zufriedenstellend ist, könnte aufgrund der aktuellen Praxis ein ergänzendes Studium an der Schweiz als Alternative dienen.

Die Bildungsangebote für Imame unterscheiden sich in den europäischen Ländern. In Frankreich werden theologische Studien weitgehend den Herkunftsländern und privaten Institutionen überlassen. In Deutschland, Österreich und den Niederlanden sind hingegen Studiengänge für islamische Theologie an staatlichen Universitäten eingeführt. Da berufspraktische Angebote allerdings fehlen, bevorzugen muslimische Gemeinden Absolventen klassischer Bildungseinrichtungen aus muslimischen Ländern.

Ausgehend vom Studienort eines Imams würden Pauschalisierungen nicht weiterhelfen. Imame sollten als Individuen mit ihren Bildungsmotivationen in den Blick genommen werden. Die vielfältigen Bildungswege und Beschäftigungsformen der Imame sprechen dafür,  alle Versuche einer politischen Steuerung auf diese Vielfalt auszurichten und nicht auf einen bestimmten „Imam-Typen“ zu begrenzen.

Imame werden zum Konfliktgegenstand

Es stellt sich heraus, dass die unterschiedlichen Interessen der Integrations-, Diaspora- und Religionspolitiken Imame zu einem Konfliktgegenstand im Blick auf Islam und Musliminnen und Muslime machen. Imame sind deutlich im Fokus der Integrationspolitik der Schweiz und ihrer Nachbarländer aufgestellt und tragen eine wichtige Rolle für die Integration, anders als aus dem Ausland rekrutierte Priester oder Rabbiner. Gleichzeitig haben sie eine Brückenfunktion zwischen den in der Schweiz lebenden Musliminnen und Muslimen und ihrer Herkunftskultur. Zudem stehen sie im Rahmen der Religionspolitik verschiedener islamisch geprägter Länder, in dem politische und religiöse Interessen häufig miteinander hergehen.

Geregelte Finanzierungsmöglichkeiten für muslimische Gemeinden

Die Finanzierungsfrage ist eine große Herausforderung für die Moscheegemeinden und Imame. Es handelt sich zum größten Teil um Freiwilligenarbeit, insbesondere aufgrund der mangelnden Finanzierungsmöglichkeiten durch die jeweiligen Gemeinden. Der Studie zufolge könnten geregelte Finanzierungsmöglichkeiten der muslimischen Gemeinden über die Mitgliederbeiträge hinaus einen Beitrag dafür leisten, den verschiedenen Erwartungen gerecht zu werden.