Berlin

Canisius-Rektor steht zur Einstellung von Lehrerin mit Kopftuch

Der Rektor des Berliner Cansius-Colleges steht hinter seiner Entscheidung eine Lehrerin mit Kopftuch einzustellen. Religiöse Symbole gehörten seiner Ansicht nach in die Schule.

12
02
2019
Symbolbild-Kopftuchverbot-Lehrerinnen-Kopftuch
Symbolbild-Kopftuchverbot-Lehrerinnen-Kopftuch © Shutterstock, bearbeitet by iQ.

Der Rektor des Berliner Canisius-Kollegs, Pater Tobias Zimmermann, hat die Einstellung einer Kopftuch tragenden muslimischen Lehrerin in dem Jesuitengymnasium verteidigt. „Religiöse Symbole gehören in die Schule“, sagte Zimmermann am Montagabend bei einer Veranstaltung in der Berliner Katholischen Akademie. Es diene der Persönlichkeitsentwicklung von Schülern, wenn sie sich an den religiösen Positionen ihrer Lehrkräfte reiben könnten. Diese dürften die Schüler mit ihren Vorstellungen jedoch nicht „überwältigen“, sondern müssten sich als eine Art „Sparringspartner“ verstehen.

Mit der Einstellung der Muslimin hatte das Canisius-Kolleg 2017 bundesweit Aufsehen erregt. Das Berliner Neutralitätsgesetz verbietet den Lehrkräften an staatlichen allgemeinbildenden Grundschulen, im Dienst religiös geprägte Kleidung zu tragen. Während SPD und CDU das von ihnen 2005 verabschiedete Gesetz beibehalten wollen, gibt es bei Linkspartei und Grünen Forderungen nach Änderungen. Nach mehreren Gerichtsurteilen, die teilweise zu Gunsten Kopftuch tragender Lehramtsbewerberinnen ausfielen, erwägt die gegenwärtige rot-rot-grüne Koalition eine Klärung beim Bundesarbeitsgericht.

Zimmermann erklärte, es sei eine pädagogische Aufgabe auch der Schule, Wege aufzuzeigen, wie religiös begründete Konflikte gelöst werden könnten. Zugleich betonte der Jesuit, eine vollverschleierte Lehrerin würde das Canisius-Kolleg nicht beschäftigen. Für eine erfolgreiche pädagogische Arbeit sei erforderlich, das Gesicht seines Gegenübers zu sehen, um etwa Emotionen einschätzen zu können.

Die Publizistin Sineb El Masrar äußerte Verständnis für das Neutralitätsgesetz; es behandele alle Religionsgemeinschaften gleich. Sie plädierte aber dafür, die Vielfalt der religiösen Positionen im Islam mehr zu berücksichtigen. So gebe es bei muslimischen Frauen die unterschiedlichsten Motive, das Kopftuch zu tragen. (KNA/iQ)

Leserkommentare

Frederic Voss sagt:
Da möchte ich es auch gerne mal sehen, wenn z.B. in islamischen Bildungseinrichtungen katholisch-christliche Lehrerinnen - mit großem Kreuzessymbol um den Hals gehängt - unterrichten dürften. Oder wenn islamische Gottesstaaten christliche Feiertage einführten.
13.02.19
21:19
Ute Fabel sagt:
Philipp Möller ist leidenschaftlicher Atheist und Mathematiklehrer. In Talkshows hat er unter seinem Sakko schon öfters ein T-Shirt mit der gut lesbaren Aufschrift "Gottlos Glücklich" getragen, seinem Lebensmotto. Mich würde wirklich interessieren, wie fromme Muslime reagieren würden, wenn ein Lehrer ihre Kinder tagein tagaus in einem solchen Outfit unterrichten würde. Ob der hier zitierte Pater Tobias Zimmermann dann auch der Meinung wäre, dass ein so gestylter Pädagoge für die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler dienen würde?
14.02.19
13:35
Hanna Blat sagt:
Herr Frederic Voss Waren sie schon mal in einem islamischen Land? Wenn ja dann wüssten Sie, das dort bei der Einstellung die Religion keine Rolle spielt und das aussehen schon gar nicht. Solange man natürlich nicht wie eine Mülltonne duftet o.ä. Wichtig ist was IM Köpfchen ist und nicht was AUF dem Kopf ist. Ein wenig locker lassen, das Leben genießen und nicht engstirnig durch die Gegend schauen.
14.02.19
15:18