TOM-Auftaktveranstaltung

„Es muss Normalität einkehren“

Die Auftaktveranstaltung des Tages der offenen Moschee fand großes Interesse. Der Koordinationsrat der Muslime (KRM) hatte hierzu in die DITIB-Zentralmoschee eingeladen.

03
10
2018
Auftaktveranstaltung TOM
Auftaktveranstaltung TOM

Großer Andrang, aber auch kritische Worte am Tag der offenen Moschee: Hunderte islamische Gemeinden haben am Mittwoch bundesweit ihre Häuser für Besucher geöffnet. Schon am Morgen strömten mehrere Hundert Menschen zur Auftaktveranstaltung des Koordinationsrates der Muslime (KRM) anlässlich des Tages der offenen Moschee. Die Veranstaltung fand in der Kölner DITIB-Zentralmoschee statt. Unter den Gästen waren auch NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) und der Ehrenfelder Bezirksbürgermeister Josef Wirges (SPD).

Seit 1997 laden mehr als tausend Moscheegemeinden interessierte Nichtmuslime in ihre Moscheen ein und bieten Moscheeführungen und Begegnungsmöglichen an. Dieses Jahr wurde das Motto: „Religiosität – individuell, natürlich, normal“.

Normalität der Muslime in den Vordergrund stellen

„In diesem Jahr möchten wir unseren Gästen einen Einblick in die Religiosität der Muslime geben und zeigen, dass sie sehr individuell sein kann“, erklärte KRM-Sprecher und Islamratsvorsitzender Burhan Kesici in seiner Eröffnungsrede. Am Tag der offenen Moschee möchten Muslime die Gelegenheit nutzen und deutlich machen, dass Spiritualität, Gottesdienst, Nachbarschaft und gutes Benehmen wichtige Bestandteile ihrer Religion sind.

Vor allem möchte man die Normalität und den Alltag der Muslime in den Vordergrund stellen. „Denn dann wird man erkennen, dass Muslime einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leisten“, so Kesici weiter. 

Dialog dürfe nicht abreißen

Laut NRW-Integrationsminister Stamp sei zwar „wunderbar“, die Diskussionen um die Eröffnung häten aber zu Irritationen geführt und „ein anderes Symbol gesetzt“, sagte Stamp. „Das hat viele Menschen enttäuscht und auch verletzt.“ Der Dialog zwischen Muslimen und dem Staat dürfe dennoch nicht abreißen.

An der Auftaktveranstaltung nahmen neben NRW-Innenminister Dr. Joachim Stamp auch Oberkirchenrat Dr. Detlef Görrig, Bezirksbürgermeister Josef Wirges sowie Vertretern von DITIB, ZMD und VIKZ teil. (dpa, iQ)

Leserkommentare

Frederic Voss sagt:
Die Normalität muss einkehren - so heißt es hier. Wie soll das denn funktionieren? Wenn der Ditib-Moscheenverband der deutsche Arm des türkischen Amtes für religiöse Angelegenheiten ist. In den Moscheen in Deutschland zeigt sich ja, wie weit der Einfluß des türkischen Staatschefs Erdogan reicht, wenn dort vielfach türkische Politik betrieben wird. Susanne Schröter - Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Universität Frankfurt - beklagte kürzlich, daß der Moscheenverband Ditib - die größte islamische Organisation hierzulande - in den vergangenen Jahren immer öfter zum Sprachrohr des türkischen Präsidenten geworden ist. "Die Ditib hat sich unter Erdogan ganz stark zu einem Instrument, einem politischen Instrument der türkischen Regierung entwickelt. sagt Susanne Schröter. Die Ditib (Diyanet) untersteht Erdogan direkt.und verfügt über etwa 950 der insgesamt 2600 Moscheen in Deutschland. Ihre predigenden Imame sind türkische Staatsbeamte, die von Ankara bezahlt werden. Auch wenn die Ditib nach deutschen Vereinsrecht autonom ist, haben dort die Repräsentanten aus der Türkei das Sagen, sagt Schröter. "Wichtige Themen, die der türkischen Regierung...Erdogan am Herzen liegen...die finden Sie auch immer wieder als Themen der Freitagspredigten" erläutert Susanne Schröter. So wurde in Ditib-Moscheen z.B. für den Einmarsch der türkischen Armee in das kurdische Grenzgebiet Syriens offensiv Propaganda gemacht und zum Gebet aufgerufen. Zudem ließ man Kinder Krieg spielen und den Märtyrertod besonders preisen. Nicht umsonst ist inzwischen Ditib ins Visier des Verfassungsschutzes gekommen. Die Religiosität der Muslime treibt mitunter schon sehr seltsame Blüten. Nicht wenige sehen darin eher eine Pseudo-Religiosität, die zwangsläufig genau beobachtet und hinterfragt werden muß.
03.10.18
22:07
Dilaver Çelik sagt:
So ist es. Erdoğan ist nur eine Ära in der Türkei, die eines Tages zu Ende gehen wird. Die DITIB-Zentralmoschee in Köln hingegen bleibt, welche jetzt schon von Muslimen unterschiedlicher Nationalitäten aufgesucht wird. Die DITIB braucht eine Führung, welche dieser Verantwortung gerecht wird, wenn sie in künftigen Generationen weiter bestehen will. Die Zeit der Gastarbeiter, zu jener die DITIB gegründet wurde, ist vorbei. Die Beziehungen zwischen DITIB und der deutschen Öffentlichkeit dürfen nicht der politischen Kurzsichtigkeit sowie Konjunktur auf beiden Seiten geopfert werden.
04.10.18
15:25