Ulm

Vier Festnahmen nach Anschlag auf Moschee

Nach dem Brandanschlag auf die IGMG-Moschee in Ulm haben die Ermittler vier Verdächtige festgenommen. Einer habe die Tat inzwischen gestanden.

30
03
2018
Brandanschlag auf IGMG-Moschee in Ulm © IGMG Ulm
Brandanschlag auf IGMG-Moschee in Ulm © IGMG Ulm

Nach dem Brandanschlag auf die IGMG-Moschee in Ulm sind vier Tatverdächtige unter dringendem Tatverdacht verhaftet worden. Gegen die Männer werde wegen versuchten Mordes und versuchter schwerer Brandstiftung ermittelt, teilten die Staatsanwaltschaft Stuttgart und die Ulmer Polizei am Donnerstag mit. Aufgrund des Verdachts, dass die Straftat politisch motiviert war, werden die Ermittlungen von der dafür zuständigen Schwerpunktstaatsanwaltschaft Stuttgart geführt.

Einer der Beschuldigten habe die Tat gestanden. Zwei der Verhafteten sind 18, die beiden anderen 24 Jahre und 27 Jahre alt. Die Männer aus Ulm, dem Alb-Donau-Kreis und den Landkreisen Ravensburg und Neu-Ulm (Bayern) wurden laut Mitteilung am Mittwoch festgenommen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft habe ein Richter am Donnerstag Haftbefehle erlassen. Zu der Vermutung, dass die Tat aus Rache für das militärische Vorgehen der Türkei gegen Kurden im syrischen Afrin verübt wurde, wollten sich die Ermittler am Donnerstag nicht äußern.

Nach bisherigen Erkenntnissen aus der Spurensicherung traf in der Nacht zum 19. März eine Brandflasche ein Fenster im Erdgeschoss eines mehrstöckigen Hauses in der Ulmer Schillerstaße, in dem sich Räumlichkeiten der Moscheegemeinde befinden. Zur Tatzeit hätten sich acht Menschen in dem Gebäude befunden. Mehrere nicht genutzte Brandsätze waren am Tatort gefunden worden.

IGMG verurteilte Anschlag aufs Schärfste

„Wir fordern die Sicherheitsbehörden auf, die Tat lückenlos aufzuklären und die Täter der Justiz zu übergeben“, erklärt Bekir Altaş, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Darüber hinaus seien die Behörden aufgerufen, die Sicherheit der Moscheen in Deutschland zu gewährleisten.

„Es darf nicht sein, dass wir nahezu täglich mit einer Schreckensmeldung aufwachen. Die Innenministerien der Länder und des Bundes stehen in der Pflicht, überzeugende Konzepte vorzulegen sowie geeignete Maßnahmen zu ergreifen“, so Altaş weiter. 

40 Angriffe auf Moscheen und Kulturvereine

Die deutschen Polizeibehörden haben einem Bericht zufolge in diesem Jahr bislang 40 Angriffe mutmaßlicher prokurdischer Aktivisten auf Moscheen, Kulturvereine oder türkische Restaurants registriert. Dies berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag) unter Berufung auf das Bundesinnenministerium. Vergangenes Jahr waren es demnach insgesamt 13 solcher Übergriffe. (dpa, iQ) 

 

IslamiQ hat alle Moscheeangriffe von 2015 bis 2018 zusammengetragen und auf der Deutschlandkarte markiert. Die Karte wird stetig aktualisiert.

Falls Ihnen ein Moscheeangriff bekannt ist, der nicht auf der Karte zu sehen ist, dann können Sie die nötigen Informationen (Wo? Was? Wann?) an info@islamiq.de schicken.

Leserkommentare

Frederic Voss sagt:
Wer über Angriffe auf Moscheen reden will, der darf über türkische Angriffe gegen Kurden im syrischen Afrin nicht schweigen.
30.03.18
15:58
Ute Fabel sagt:
DITIP hat durch die Aufrufe in ihren Moscheen, für die türkischen Soldaten, nicht aber für die kurdischen Zivilisten zu beten, Religion in einer schändlichen Weise politisch instrumentalisiert. DITIP agiert primär als politische Organisation (verlängerter Arm des Erdogan-Regimes) und trägt daher eine große Mitverantwortung, dass gewalttätige Auseinandersetzungen aus dem Nahen Osten leider nach Deutschland importiert werden.
30.03.18
19:00
Ute Fabel sagt:
Auch die so genannte Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) ist eine der türkischen Regierungspolitik willfährig ergebene rechte politische Organisation.
30.03.18
19:02
Deutscher sagt:
Natürlich muss dieser Vorfall aufgeklärt und die dafür Verantwortlichen bestraft werden. Trotzdem darf sich die Deutsche Polizei und Justiz nicht zum Handlanger von Erdogan machen lassen. Moscheen in Deutschland müssen allen ethnischen Gruppen offen stehen und dürfen nicht von (halb-)staatlichen Institutionen anderer Länder kontrolliert werden.
01.04.18
8:07
Bea McL sagt:
Waren die Täter nicht 4 syrische Asylanten? Sollte dem so sein, warum wird das nicht thematisiert?
02.04.18
16:08