Frankfurt

Muslim wird mit Reizgaspistole angeschossen

Ende Oktober hat ein Mann aus rassistischen Gründen einen jungen Muslim mit einer Reizgaspistole ins Gesicht geschossen. Das Sehvermögen des Opfers ist langfristig beschädigt.

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2017
Die Einkaufsstraße "Zeil" in Frankfurt. Hier wurde ein junger Muslim mit einer Reizgaspistole angeschossen © shutterstock
Die Einkaufsstraße "Zeil" in Frankfurt. Hier wurde ein junger Muslim mit einer Reizgaspistole angeschossen © shutterstock

Am Abend des 30. Oktobers haben sich auf der Haupteinkaufstraße Zeil in Frankfurt erschreckende Szenen abgespielt. Ein 35-jähriger Mann hat einen 21 Jahre jungen Studenten mit einer Reizgaspistole ins Gesicht geschossen. Durch das versprühte Reizgas wurden weitere Personen verletzt, darunter auch Kinder.

Beim Schuss sei rote Farbe rausgespritzt, die von den umstehenden Passanten als Blut gedeutet wurde. Dies hat zur Panik geführt. Dabei ist eine junge Frau, die an Diabetes leidet, umgekippt. Sie wurde später im Krankenhaus behandelt. Auch der 21-jährige Student mit marrokanischen Wurzeln wurde bei diesem Angriff schwer verletzt.

Sein Anwalt, Yalçın Tekinoğlu, teilte IslamiQ auf Anfrage mit, dass eine langfristige Sehschwäche als Folge des Angriffs nicht ausgeschlossen sei. An diesem Abend sollen insgesamt 11 Personen zu Schaden gekommen sein, die Tekinoğlu alle vertritt. Aktuell wird ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung, Volksverhetzung und Sachschaden geführt.

„Scheiß Moslems“

Bevor der Täter den jungen Muslim schwer verletzt hat, soll er in einem lauten Ton „Überall Kopftücher“, „Ich fühle mich hier wie in Bagdad“ und „Scheiß Moslems“ geschrien haben. Daher sei „eine politisch motivierte Kriminalität mit einem rechtsextremen Hintergrund anzunehmen“, so der Anwalt der Geschädigten.

Das Opfer soll Tekinoğlu später erzählt haben, der Angreifer sei zwar sehr nervös, habe aber dennoch einen nüchternen und gepflegten Eindruck vermittelt. Auch soll er ihm körperlich überlegen gewesen sein, da er circa 20 cm größer als der junge Student sei. Bevor der Täter den jungen Mann angegriffen hat, soll er ihn immer wieder mit rassistischen Sprüchen provoziert haben.

Mehrere Zeugen haben den Vorfall bemerkt und später vor der Polizei ausgesagt. Auch sei es ein Zeuge gewesen, der den Täter nach der Tat festgehalten hat, bis die Polizei an Ort und Stelle war. Die Ermittlungen laufen und alle Zeugen werden vernommen. Voraussichtlich Ende Januar soll der Fall dann vor Gericht behandelt werden.

Nach Beendigung der Ermittlungen werden die Akten dem Staatsanwalt vorgelegt, der dann nach Härte des Falles entscheidet, auf welcher Instanz der Fall behandelt wird. „Aufgrund der Bedeutung des Falles erwarte ich eine Anklage zur Strafkammer am Landgericht“, so Tekinoğlu. Nur so könne ein Strafurteil im angemessen Rahmen erwirkt werden.

 

Leserkommentare

Dilaver Çelik sagt:
"Kritika meint: ohne Juden würde es in Frankfurt, Deutschland und der Welt wesentlich friedlicher zugehen." Schrecklich, wie die Sprache von damals vom heutigen sich gar nicht unterscheidet. Und solche Gestalten leben heute noch in diesem Land. Lediglich das Feindbild hat sich gewechselt. Ins Gefängnis gehören solche Gestalten. Und da haben sie auch für immer zu bleiben. Mehr sage ich dazu nicht.
17.12.17
17:15
Ute Fabel sagt:
@ Dilaver Celik: „Wenn es in Israel weniger strenggläubige Juden und mehr aufgeklärte Humanisten gäbe, würde es im Nahen Osten friedlicher zugehen.“ Habe ich damit ein Feindbild geschaffen oder würden Sie dem zustimmen? Mitte der 1990er-Jahre war ein Friedensprozess im Nahen Osten schon zum Greifen nahe, ehe der Premier und bekennende Atheist Yizak Rabin von einem fanatischen religiösen Juden ermordet wurde. In Frankfurt würde es auch friedlicher zugehen, wenn sich wieder mehr türkische Migranten über laizistisch-kemalistische, humanistische Ideale definieren würden, wie das schon in den 1970er-Jahren der Fall war. Der Gründer der modernen Türkei, Atatürk, hat den Islam zu Recht als „verwesenden Kadaver“, die „Religion eines unmoralischen Beduinen“ bezeichnet, die der Modernisierung der Türkei im Weg steht. Wie man an den aktuellen Entwicklungen in der Türkei sieht, hat der weise „Vater der Türken“ völlig recht behalten. Unter Erdogan schreiten Reislamisierung und autoritäre Umgestaltung des politischen Systems im Gleichschritt voran.
18.12.17
16:39
Kritika sagt:
L.S. Die Einschätzung Atatürks über den Islam und seinen Gründer sind frappierend; vielen Dank, Ute Fabel. Respekt, Islamiq, für den Entschluss die zu veröffentlichen. -------- Dilaver Çelik schreibt: « Kritika meint: ohne Juden würde es in Frankfurt, Deutschland und der Welt wesentlich friedlicher zugehen. » Diese Behauptung entspricht nicht der Wahrheit: In meinem Post vom 17 Dec 2017, 0030h kam das Wort 'Juden' gar nicht vor. Leider findet Kritika den Post momentan nicht mehr unter dem Beitrag: « Muslim wird mit Reizgaspistole angeschossen ». Wurde er - nach kurzem Erscheinen - vielleicht versehentlich gelöscht? Es wäre zu begrüssen, wenn der Beitrag wieder eingefügt würde; dann könnte jeder Leser seine eigene Meining bilden. Die Fälschung Dilaver Çelik's wird sichtbar und die Gründe für Kritikas Meinung, die am Schluss erscheint, sind vielleicht für manchem nachvollziehbar, Gruss, Kritika
18.12.17
23:43
Ute Fabel sagt:
Ich möchte ebenfalls meine Wertschätzung gegenüber IslamiQ ausdrücken, dass auch für gläubige Moslems vielleicht unbequeme und unangenehme Leserkommentare veröffentlicht werden. Nur unverblümter Meinungsaustausch ermöglicht eine offene Diskussionskultur sowie einen Nachdenkprozess und ist weit produktiver als Schönreden und Anbiedern.
19.12.17
14:56
Dilaver Çelik sagt:
@Ute Fabel Unter Atatürk war die Türkei sehr viel autoritärer als unter Erdoğan heute. Die Bevölkerung wurde unterdrückt und eingeschüchtert. Die Antwort darauf war, dass das Volk die Demokraten 1950 an die Macht gebracht hat, welche den kemalistischen Autoritarismus weitgehend abgeschwächt haben. Das hat Premierminister Menderes 1961 mit seinem Leben bezahlt. Menderes wurde posthum rehabilitiert. Wer heute noch das autoritäre Regime unter Atatürk zurück haben will und sich dazu bekennt, bitte sehr. Aber er muss damit rechnen, dass ich ihn nicht ernst nehmen kann. Das ist hier aber nicht das Thema. Das Thema hier ist, dass in Deutschland gegen Muslime gehetzt wird. Die Hetze gegen Muslime in Deutschland unterscheidet sich kaum von der Hetze gegen Juden in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts. Wer schlecht über Muslime redet, gegen den gilt null Toleranz. Und zwar weltweit. Deutschland ist da keine Ausnahme.
22.12.17
14:52
Kritika sagt:
L.S. Dilaver Çelik schreibt « Das Thema hier ist, dass in Deutschland gegen Muslime gehetzt wird.» Lt. Wikimedia gibt es in Deutschland wenige Kirchen und 100 Sekten, von denen der Islam eine ist. Der Islam zieht - leider - viel Kritik auf sich: ►Koptuch- und Burkini Belästigung ►Sauer verdientes Geld wird als Steuer für Islamförderung zum Fenster hinaus geworfen. ►Der Islam zeigt sich als Menschenfeindlich; man muss jederzeit und überall mit Muslemische Mord rechnen. ►Das früher neutrale StädteBild wird von KopftuchFrauen verunstalltet. Das schon langt; Kritika hat bereits weitaus längere AblehnungsGründe aufgeführt. Das Nennen von unangemessene Handlungen durch Muslims - mit Fakten belegt - kann keine Hetze sein. Es zeigt die Gründe dafür, dass Muslims (und nur diese Sekte) von der grossen Mehrheit abgelehnt werden. Alle andere 100 Sekten in Deutschland sind friedlich; gegen denen besteht nicht einmal eine Ablehnung geschweige eine Feindschaft, wie beim Islam. Die IslamMufties mögen analysieren, wie unauffällig alle friedliche Sekten ihre Religion ausüben. Wenn die Muslims ebenso friedlich und unauffällig in Deutschland ihre Religion ausüben würden, ohne KopftuchDemo, ohne in Unies Unruhe zu stiften, ohne Burkini usw, könnten sie - wie die friedliche 100 Sekten friedlich und ohne gehetzt zu werden hier leben. Wollen das die Mufties denn überhaupt? Jede Sekte bekommt die Hetze die sie herbei ruft - sollte darüber dann auch nicht jammern. Gruss, Kritika
30.12.17
1:05