PEW-Studie

Anteil der Muslime in Europa: 4,9 Prozent

Eine Studie des US-Forschungsinstituts Pew Research Center hat Daten und Fakten zu der muslimischen Bevölkerung in Europa erhoben. Demnach beträgt der Anteil der Muslime in Europa 4,9 Prozent.

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2017
Symbolbild: Islam und Muslime
Symbolbild: Islam und Muslime © Bundeszentrale für politische Bildung, Umschlagfoto: René Schiffer

Der Anteil der Muslime in Europa beträgt 4,9 Prozent. Das sind dann rund 25.770.000 Muslime bei einer gesamten Bevölkerungsdichte von 750.000.000 Menschen in ganz Europa. Diese Zahlen gehen aus einer am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung des Pew-Forschungsinstituts hervor. Die Forscher hatten für diese Projektion angenommen, dass keine Flüchtlinge mehr nach Deutschland kommen, die „normale“ Zuwanderung von Studenten, Arbeitsmigranten und Familienangehörigen aber in etwa so voranschreitet wie in den zurückliegenden Jahrzehnten.

Würde man eine Null-Migration annehmen, läge der Anteil der Muslime in Deutschland nach den Berechnungen des US-Forschungsinstituts im Jahr 2050 bei neun Prozent. Sollte die Zuwanderung auf dem Niveau der Jahre 2014 bis 2016 bleiben, wären es 20 Prozent.

Muslime sind im Schnitt jünger als Nichtmuslime

Abgesehen von der Migration gibt es demnach zwei Gründe für den zu erwartenden Anstieg des Anteils der Muslime. Erstens: Ihr Durchschnittsalter liegt bei 31 Jahren. Nichtmuslime sind im Schnitt 47 Jahre alt. Zweitens: Die Geburtenrate der Muslime ist höher. Der Unterschied zwischen muslimischen und nichtmuslimischen Frauen in Deutschland ist geringer als in anderen europäischen Staaten. Das Institut schätzt, dass die Geburtenrate muslimischer Frauen in Deutschland zwischen 2015 und 2020 bei 1,9 Kindern liegt, während nicht-muslimische Frauen 1,4 Kinder bekommen. In Großbritannien, wo viele Muslime aus Südostasien eine Heimat gefunden haben, geben die Forscher für Musliminnen einen Wert von 2,9 Kindern an, für Nicht-Musliminnen wären es 1,8 Kinder.

Veränderungen durch einen Wechsel der Religion spielen laut Studie nur eine untergeordnete Rolle. Von Mitte 2010 bis Mitte 2016 lag die Zahl der Muslime, die ihrer Religion den Rücken kehrten, europaweit den Angaben zufolge um 60 000 höher als die Zahl der Konvertiten, die zum Islam fanden.

In Frankreich leben die meisten Muslime

Das Pew-Institut hat für seine Studie Daten aus den EU-Staaten, Norwegen und der Schweiz ausgewertet. In Frankreich leben – auch aufgrund der Kolonialgeschichte – mehr Muslime (rund 5,7 Millionen) als in jedem anderen europäischen Land. Ihr Anteil an der französischen Gesamtbevölkerung liegt den Angaben zufolge bei 8,8 Prozent. Für Schweden schätzt das Institut den Anteil auf 8,1 Prozent, für Großbritannien auf 6,3 Prozent.

Zum Vergleich: In Polen, das sich vehement gegen eine Umverteilung der zwischen 2014 und 2016 zugewanderten mehrheitlich muslimischen Flüchtlinge wehrt, sind weniger als 0,1 Prozent der Bevölkerung Muslime. Dass in dieser Phase vor allem Schutzsuchende aus Staaten mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit nach Europa gekommen waren, hat vor allem mit den blutigen Konflikten in Syrien und im Irak zu tun sowie mit der schlechten Sicherheitslage in Afghanistan.

Eine weitere Untersuchung des Pew-Instituts hatte dieses Jahr gezeigt, dass die meisten Menschen in Deutschland die Ankunft einer größeren Zahl von Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak nicht als „ernste Bedrohung“ wahrnehmen. Wesentlich größer waren die Bedenken in Griechenland, Italien, Ungarn und Polen. (dpa, iQ)

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
Diese Untersuchung unterstellt, dass die Religion der Eltern an den Kindern haftet wie die Hautfarbe, was aber falsch ist. So ist im einstmals so katholisch geprägten Spanien die Religion in der jungen Generation auf Talfahrt. Nach einer Studie des Pew Research Center bezeichnen sich 46 % der Spanier als „religiös“, 19 % als „sehr religiös“. Unter den 18- bis 39-jährigen ist gar nur eine Minderheit von 9 % sehr religiös; weltweit ist der Wert nur in Frankreich und Japan niedriger. Ich kenn viele Leute mit türkischem oder arabischen Migrationshintergrund, die zwar aus einer sunnitischen Familien stammen, aber an der Religion ihrer Eltern völlig desinteressiert sind. Das Internet macht ja Informationsbeschaffung für alle einfacher und damit auch die Enttarnung aller Religionen als unwahr. Ich bin überzeugt davon, dass mit oder ohne Migration die Zahl der aufgeklärten Humanisten zunehmen wird.
30.11.17
12:41
Frederic Voss sagt:
Die Ergebnisse dieser Studie werden beispielsweise bei tagesschau.de (ARD) in den Leser-Kommentaren als sehr problematisch und bedrohlich eingeschätzt. Alle problematischen Themen diesbezüglich müssen in klarer und deutlicher Sprache benannt und gesamtgesellschaftlich in den Fokus gestellt werden.
30.11.17
12:59
Mareike sagt:
Islamisierung Europas durch Migration und höhere Geburtenrate. Wir sollten sofort die Zuwanderung von Moslems stoppen und großzügig abschieben, wer sich hier nicht benimmt. Wir müssen unseren Lebensraum schützen! Das ist unser Recht und unsere Pflicht gegenüber unseren Nachkommen.
30.11.17
14:32
Manuel sagt:
Kommt halt drauf an welcher Islam??? Der liberale oder der erzkonservative Scharia-Islam???
30.11.17
19:37
Johannes Disch sagt:
@Manuel (Ihr Post vom 30.11.17, 19:37) Völlig richtig! Das ist die entscheide Frage: Welcher Islam kommt nach Europa? Deshalb ist es auch wichtig, die Nebelkerzen bei "Islamiq" zu enttarnen, wo in vielen Artikeln der jüngsten Zeit versucht wird, einen liberalen Reform-Islam zu diskreditieren.
01.12.17
11:05
charley sagt:
Soll man lachen oder weinen? Will islamiq darauf stolz sein, sich stark fühlen, sich bestätigt fühlen, ... ? Es werden Äpfel mit Birnen verglichen. Nicht jeder, der einen muslimischen Religionshintergrund hat, ist Muslim. Aber das rechnen die Statistiker nicht, da es im Islam den "Abfall vom Glauben" nicht gibt und er - noch schlimmer als in der kath. Kirche - vererbt wird. Stimmt aber nicht. Je mehr sich die Muslime der aufgeklärten, freiheitlichen Gesellschaft des Westens öffnen, desto befremdlicher wird ihnen der altbackene, bis ins kleinste Lebensdetail regulierende Dogmatismus des absolute Unterwürfigkeit fordernde Islam werden. Sprich, jemand mag statistisch als Muslim gelten, ist es aber praktisch nicht, wenn er nicht aktiv - irgendwie (o je, welch ein Greul für die Rechtgläubigen, oder die sich dafür halten - den Islam praktiziert. DAS aber dürften nur viel weniger tun. Und schon stellt sich die Frage, ob Anis Amir Muslim war?? :-) Ich habe nichts gegen irgendjemand, vor allem, wenn er authentisch ist, aber ich kann Leute nicht ausstehen, die - anstatt sich mit sich selbst auseinander zu setzen, unvoreingenommen in den Spiegel zu schauen - sich hinter irgend einem ideologischen Deckmäntelchen verstecken. "Warum wollen die Menschen wissen, wer sie nach dem Tode sind, wenn sie nicht einmal wissen, wer sie jetzt sind?" ... (frei nach) Ramana Maharshi
01.12.17
11:45
Dilaver Çelik sagt:
@Mareike Nein. Man muss Ihresgleichen lediglich eine Therapie anordnen, wo Sie lernen können, Ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Andernfalls können Sie in ein Dorf oder nach Ostdeutschland ziehen, wo Sie nur unter Gleichgesinnten sind - fernab muslimischer Präsenz.
01.12.17
13:58
Mads sagt:
@Manuel: Momentan breiten sich wohl eher die erzkonservativen Moslems mit ihren mittelalterlichen Vorstellungen aus. Das lässt das Schlimmste befürchten.
04.12.17
17:20